Ines
läuft ...

Ines absolvierte ihren ersten Dauerlauf 1991, ganze 8 (!) Minuten, zusammen mit mir. Aus diesem kurzen und nicht sonderlich beeindruckenden Debüt entwickelte sich Ines’ Liebe zum Laufsport. Über die Jahre wuchs ihre Ausdauer, die Läufe wurden länger, häufiger und reihten sich regelmäßiger. Auch Ines’ Lauflust wurde von unserer ersten Hündin Laska tüchtig angeheizt: Laufen statt Gassi, hieß oft die Devise.

Udos Läufer-Vita

Wie bei vielen anderen Menschen, die Laufen irgendwann als ihre sportliche Bestimmung begreifen, waren auch meine ersten Laufschritte unfreiwilliger Natur. Zwänge ergaben sich aus meinem Beruf des Soldaten bei jährlich wiederkehrenden, stets völlig unvorbereitet abgelegten Leistungstests auf der 5.000 m-Strecke. Seinerzeit hätte ich jene zwölfeinhalb Runden auf der Aschenbahn keinesfalls aus freien Stücken herunter getrabt. Was mich jedoch nicht daran hinderte, nach überstandener „Tortur“ stolz auf meine Leistung zu sein.

Eine Teilnahme an Volksläufen erwog Ines erst, als meine Marathonkarriere begann. Bei einem 10 km-Lauf – noch ohne offizielle Zeitmessung – rannte sie im Jahr 2003 erstmals mit tausenden anderer Läufer durch die schöne Augsburger Innenstadt. Dem folgten im gleichen Jahr der Silvesterlauf im Olympiapark in München (gleichfalls 10 km) und im Februar 2004 bereits ihr erster Halbmarathon entlang der Isar in Ismaning bei München.

Mit Leistung meine ich mehr den mentalen Kampf gegen die – damals wirklich so empfunden! – schier endlose Strecke. Ich erinnere mich in jenen Jahren die 5.000 m einmal in einer Bestzeit von 24 Minuten und einigen Sekunden absolviert zu haben. Gar nicht mal übel, bedenkt man das völlige Fehlen von gezieltem Ausdauertraining und die eher unregelmäßige Teilnahme an anderen Sportarten wie Fußball, 100 m-Lauf, Weitsprung oder Kugelstoß – alles ohne wirkliche fachliche Anleitung und selbstverständlich ambitionslos.

Zunächst setzte auch Ines, wie sicher die Meisten LäuferInnen, auf eine Verbesserung ihrer Laufzeiten, wenngleich mit gebremstem, an ihre beschränkten zeitlichen Möglichkeiten angepasstem Ehrgeiz. Ihre Halbmarathonzeit drückte sie bis 2006 auf unter 1:57 Stunden. Auch der Wunsch nach einem Marathon stellte sich ein. Ein möglichst spektakulärer Lauf mit vielen Teilnehmern wurde gesucht. Schließlich bot der Venedig Marathon beides: Eine Schar von mehreren Tausend Läufern und eine besonders auf den Schlusskilometern überirdisch schöne Strecke …

Der Halbmarathon in Würzburg, an einem heißen Tag im Mai 2007, markiert eine Zäsur in Ines’ Einstellung zum Laufsport. Im Bemühen eine neue persönliche Bestleistung zu erzielen quälte sie sich bei viel zu hoher Temperatur zwei lange Stunden vergeblich. Seit diesem „So-macht-das-keinen-Spaß-Erlebnis“ verzichtet sie auf ambitionierte Zeitenjagden jeglicher Art. Laufen muss Freude machen! Und Ines sucht alles zu vermeiden, was diese Freude schmälert. Mit dem Laufen aufzuhören stand jedoch nie zur Debatte. Jahr ein, Jahr aus trainiert sie an mindestens drei Tagen in der Woche, egal, ob die Sonne scheint oder draußen Meteoriten vom Himmel fallen … Dunkelheit, Kälte oder Unlust können sie von diesem Programm nicht abbringen, denn Laufen gehört zu ihrem Leben.

Statistisches

Ines' Bestleistungen
10 km-Lauf: 52:09 min
Halbmarathon: 1:50:50 h
Marathon: 4:00:53 h
   
Udos Bestleistungen
Halbmarathon: 1:25:53 h
Marathon: 3:01:50 h
50 km: 4:09:55 h
100 km: 9:07:42 h
6 h-Lauf: 70,568 km
12 h-Lauf: 110,089 km
24 h-Lauf: 219,273 km*
100 Meilen: 17:18:55 h
   
Udos "Karteikarte" bei der Deutschen Ultramarathon Vereinigung (DUV)
   
Udos größte Erfolge:
4. Platz bei der
Deutschen Meisterschaft
im 24 Stunden-Lauf
,
2008 in Berlin. Zugleich
Deutscher Meister
in Altersklasse M 55.
Spartathlon 2016
246,8 km, 3.000 Hm
in 34:47:53 h

Laska und Roxi

Unsere Sheltie-Hündin Laska war stete Schrittmacherin vieler Trainingsläufe von 1991 bis zum Beginn des neuen Jahrtausends. In ihren letzten Lebensjahren mussten wir leider zunehmend auf ihre Begleitung verzichten. Laufvermögen und Gehör schwanden mehr und mehr. Beides Eigenschaften, die für den Laufspaß unserer Hunde unerlässlich sind. Im Mai 2006 verschlechterte sich ihr Zustand binnen weniger Tage dramatisch. Die Reise zum Prag Marathon, meinem bisher schnellsten Marathon, machte sie noch mit, fraß und trank jedoch nichts mehr, lag Tag und Nacht apathisch im Hotelzimmer. Einen Tag später nahmen wir von ihr Abschied und erlösten sie von ihrem Leiden … Laska wurde 16 Jahre alt und bleibt uns auch als Lauftalent unvergesslich. Mehr über das (Lauf-) Leben mit diesem ungewöhnlichen Hund findest du unter diesem Link: "Nachruf auf einen vierbeinigen Laufkameraden".

- - -

Roxi stieß nach drei Jahren hundeloser Zeit im April 2009 zum Laufrudel. Vom ersten Tag an erfreute sie uns mit ihrem explosiven, absolut unerschöpflichen Bewegungsdrang. Darüber, dass Roxi auch Marathon und weiter laufen kann, bestand für uns nie ein Zweifel. Für Läufer und Hund ergibt das allerdings nur Sinn und Vergnügen, wenn Roxi nach der Startphase frei laufen kann. Somit müssen wir Stadtmarathons oder überwiegend auf befahrenen Straßen ausgetragene Wettkämpfe leider ohne unser Laufwunder auf vier Pfoten bestreiten. Ein Porträt von Roxi findest du unter dem Link "Ab jetzt läuft Roxi mit".

Wunderbare Erlebnisse mit Roxi ergaben sich seit 2010 bei diversen Marathons und Ultras. Ihre weiteste Strecke legte sie 2014 beim "Elm Super Trail" mit 72 km zurück. Zweifelsfrei entspricht das weder ihrem, noch Udos Limit. Als Laufduo unterwegs obliegt ihm jedoch neben der läuferischen auch die Aufgabe des Hundeführers, da Roxi frei läuft. Und diese Rolle vermag er nach mehr als sieben, acht Laufstunden mangels Konzentration nicht mehr fehlerfrei auszufüllen. Um Roxi keinen Gefahren auszusetzen, zum Beispiel bei plötzlich zu überquerenden Straßen auf unbekannten Strecken, legten wir fest, ihr keine noch längeren Unternehmungen zuzumuten. 2016, mit zu dieser Zeit neun Lebensjahren, beschränkten wir ihren Laufradius sogar auf 50 km, um die "ältere" Hundedame nicht zu überfordern. Zwar ließ sie keine Einschränkungen erkennen. Allerdings muss man als Hundeführer davon ausgehen, dass die Überforderung bereits vorliegt, wenn der Vierbeiner Überlastsignale aussendet. Und dieses Risiko wollen wir nicht eingehen ...

So schön kann Laufen sein ...

Letzte Änderung:  27. Dezember 2016

Den Anstoß zu mehr oder weniger regelmäßigem Laufen gab ein Arzt in den 1980er Jahren, der mich (aus sportfernen Gründen) einem Belastungstest unterzog und mir eine zu geringe Langzeitausdauer attestierte, wie sie vielen Fußballamateuren eigen ist. Er riet mir mehrmals die Woche zu joggen, was ich in der Folgezeit sporadisch, später immer häufiger und oft mit erstaunlichem Spaß unternahm. Und nur diesem Spaß ist die Verselbständigung zu danken, die sich mit den Jahren vollzog. Die läuferische Entwicklung stand mir weder als Ziel vor Augen, noch erkannte ich in jenen Jahren, dass da etwas in mir wächst. Ich hielt lange Zeit nicht mal Rückschau, in der ich die Tatsache, zum Freizeitläufer zu mutieren, stolz oder wenigstens erfreut hätte feststellen können. Auf den Hund gekommen intensivierte sich mein läuferisches Engagement, eingedenk der Tatsache, dass Gassigehen ohnehin und bei jedem noch so widerwärtigen Wetter unausweichlich war. Fortan lief ich häufiger und manchmal auch weiter, wenn mir der Sinn danach stand.

Zu jener Zeit – in den 1990er Jahren – maß ich meine Laufaktivitäten in Minuten oder Stunden, niemals in Kilometern. Auch die Laufgeschwindigkeit interessierte mich nicht. Im stets gleichen Wohlfühltempo spulte ich meine Läufe ab. Zuweilen ergaben sich ziemlich ausgedehnte Läufe, die Halbmarathon-Distanz erreicht oder überschritten haben dürften. An Volksläufe oder gar Wettkämpfe verschwendete ich keinen Gedanken. Nicht aus Abneigung, einfach, weil mir die Idee gar nicht in den Sinn kam. Manchmal spukte das Phantom „Marathon“ durch meinen Kopf, obschon ich damals nur die ungefähre Länge der dieser Strecke kannte. Einen Marathon zu laufen entsprach aber in nahezu idealer Weise meiner Neigung bisweilen körperlich „verrückte Dinger zu drehen“. Unternehmungen, die auf Selbstüberwindung und Grenzerfahrungen hinaus laufen. Auch dieser Tendenz wurde ich mir erst rückblickend bewusst.

Einmal wanderte ich an einem Wochenende südwärts, auf einem Fernwanderweg Richtung Alpen, der Devise folgend: „So weit die Füße tragen“. Mit zig entsetzlich schmerzenden Blasen erreichte ich schließlich das Allgäu, schleppte ich mich zu einer Bahnstation und fuhr wieder heim. Die Ambivalenz meiner Empfindungen – heftiger Schmerz und/oder völlige Erschöpfung, gepaart mit tiefer Zufriedenheit – anlässlich dieses Abenteuers sollte mir künftig häufiger beschieden sein. Zum Beispiel auf Bergtouren durch die Alpen oder auch beim Höhenbergsteigen in Südamerika, in Nepal und am Kilimanjaro im Herzen Afrikas.

Für einen solcher Art „gestrickten“ Typen, einen Läufer zumal, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich der Marathonwunsch nicht mehr verdrängen ließ. Einzig die Furcht vor den Folgen von 40 Kilometern hartem Asphalt und die fehlende Vorstellung, wie man sich sinnvoll auf ein solches Unternehmen vorbereitet, hielten mich von der Umsetzung ab. Die Lektüre eines Marathonbuches beseitigte meine Ängste und wies mir mit seinen Trainingsplänen den richtigen Weg. Nach 12 Trainingswochen voller Selbstzweifel – wie sie notwendigerweise jeden Debütanten überfallen – genoss ich im September 2002 in Berlin das erste Marathon-Finish meines Lebens und das im „zarten“ Alter von 48 Jahren. Was dieses Erlebnis in mir freisetzen würde, konnte ich nicht ahnen. Ich hatte einen harten Kampf erwartet, sah mich mit letzter Kraft über die Ziellinie stolpern. Stattdessen rannte ich mich in totale Euphorie, getragen von unerwartet robuster Ausdauer und einer Million toller Zuschauer. Der letzte Kilometer auf dem Kurfürstendamm war zugleich der schnellste meines Laufes, den ich nach 3:42:09 h beendete. Im Ziel empfand ich irrsinnige Freude über den Sieg und zugleich heftiges Bedauern, nicht noch weiter laufen zu dürfen … Schon auf der Ziellinie des ersten war klar, dass dies nicht mein letzter Marathon bleiben würde.

Wie schnell kann ich einen Marathon laufen, wenn ich viel und richtig trainiere? Die Suche nach meinem persönlichen Zeitlimit bestimmte Zielsetzung und Training der nächsten Jahre. Während Angriffen auf die Zielzeiten 3:30 h und 3:15 h beinahe planmäßig ein Sieg folgte, biss ich mir an der Schallmauer Drei-Stunden mehrmals die Zähne aus. Mein schnellster Marathon, nach dem bis dahin mörderischsten Trainingsplan, brachte mich 2006 in Prag nach 3:01:50 h ins Ziel. Ich hatte zu akzeptieren meinem persönlichen Zeitlimit damit ziemlich nahe gekommen zu sein. Im Alter von 52 Jahren und angesichts des späten Einstiegs in wirklich effizientes Lauftraining eine beachtliche Leistung.

Fortan fehlte mir die Lust, die Jagd nach „Sub3h“ fortzusetzen. Was würde sich ändern, wenn ich bei einem der nächsten Versuche tatsächlich knapp unter drei Stunden bliebe? Welche Grenzerfahrung könnte ich noch einfahren, da ich nun schon wusste, dass drei Stunden für mich die ungefähre Ultima Ratio des Marathons darstellen? – Jenseits des Marathons liegen die Ultrastrecken und von ihnen schienen mir 100 km als nächstes Ziel geeignet. Meine ehrgeizige Neigung körperliche Limits zu erfahren war allerdings immer mit der Frage nach dem Machbaren verknüpft. Höher, schneller, weiter – das schon, aber stufenweise und mit Aussicht auf Erfolg. Ein 6-Stunden-Lauf (mit 70,568 gelaufenen Kilometern) bildete die wichtige Etappe auf dem Weg zum Mekka der Ultraläufer nach Biel. Dort war mir 2007 im ersten Anlauf ein Erfolg auf der 100 km-Strecke beschieden. Unter neun Stunden wollte ich bleiben, was mir bei besserem Wetter wohl auch gelungen wäre. So gab ich mich mit 9:07:42 h und dem 57. Platz von mehr als 1.100 Finishern zufrieden.

An dieser Stelle muss ich zum besseren Verstehen mein Selbstverständnis als Läufer formulieren: Ich stelle mich (im Grundsatz) nur Herausforderungen, deren Distanzen sich mutmaßlich zu hundert Prozent laufend bewältigen lassen. Reicht es dazu mangels aktueller Leistungsfähigkeit nicht, dann bescheide ich mich mit kürzeren Distanzen. In dieser Haltung manifestiert sich keineswegs elitäres Denken oder Überheblichkeit, da ich die Regel ausschließlich für mich und sonst niemanden, nicht einmal Ines, festlege. Sie ist Ausdruck der Erfahrung, dass mir Gehenmüssen sofort und nachhaltig die Freude am Laufen vergällt.

In den letzten Jahren musste ich mein Läufer-Credo dann und wann relativieren. Vor allem dann, wenn in der Vorbereitung zu einem fordernden Ultraziel an einem Wochenende nur Testwettkämpfe in Reichweite waren, von denen ich vorab schon wusste, dass sie mich überfordern mussten. Ein typisches Beispiel war meine Teilnahme am Chiemgau 100, dessen 4.500 Höhenmeter selbst vom weltbesten Bergläufer nicht komplett zu laufen wären. Im Training zu einem Saisonhöhepunkt ordne ich jedoch (fast) alles diesem Ziel unter. Zeitweilig eben auch die Laufverpflichtung über hundert Prozent der Strecke ...

100 Kilometer waren fortan keine unüberwindliche Hürde mehr. Also was jetzt? Spätestens wenn du 100 Kilometer am Stück gelaufen bist, beginnst du zu realisieren, dass mit dem richtigen Training (und natürlich einem robusten Körper) beinahe jede Distanz möglich ist … Und deshalb stellte ich mir die Frage, ob es mir gelingen könnte einen ganzen Tag lang, 24 lange Stunden, ohne Ruhepause zu laufen. Natürlich muss man in dieser Zeit Trinken, Essen, Notdurft verrichten und sich möglicherweise auch umziehen. Zu diesem Zweck kurz stehen zu bleiben, oder einige Schritte zu gehen ist unumgänglich, verstößt folglich nicht gegen meinen Kodex.

2008 unternahm ich den elend langen Anlauf von 3.000 Trainingskilometern, davon 20 Trainings-Marathons und -Ultras, um diese gewaltige Prüfung zu bestehen. Ich war natürlich nicht sicher, tatsächlich einen vollen Tag laufend zu überstehen, jedoch davon überzeugt, mir das maximal mögliche Trainingspensum auferlegt zu haben ... Der 24 Stunden lange Wettkampf in Berlin, auf einer gut 1.000 Meter langen Rundstrecke, belohnte mich mit einem fantastischen, kaum für möglich gehaltenen Erfolg. 219,273 km lagen nach 24 Stunden hinter mir. Das bedeutete Platz vier in der zugleich ausgetragenen deutschen Meisterschaft und den Titel eines deutschen Meisters in der Altersklasse M55.

Platzierungen oder Titel waren eigentlich nicht Teil meiner Laufmotivation. Dafür war ich auf „kürzeren“ Strecken (HM, M, 100 km) zu langsam. Wer mit 48 Jahren systematisch zu trainieren beginnt und eine späte Wettkampfkarriere startet, kann auf diesen mit Teilnehmern übersättigten Distanzen keinen Blumentopf mehr gewinnen. Nun gut, bisweilen stand ich in meiner Altersklasse auch mal auf dem Treppchen, belegte einmal, in einem Marathon mit nur gut 100 Teilnehmern, auch den zweiten Gesamtplatz. Aber das waren immer angenehme, vom Zufall mitbestimmte Zusatzgeschenke. Vor dem 24-Stundenlauf lag der Fall anders. Mir war klar, dass ich ziemlich weit vorne würde mitlaufen können, auch wenn einige der deutschen Spitzenläufer auf dieser Distanz am Start sein würden. Am Ende aber vierbester deutscher Läufer in dieser Distanz zu sein, stürzte mich in arge Verwirrung. Im Grunde meines Herzens bin ich Freizeitläufer und kein Wettkämpfer. Einer der nie gegen andere läuft, sonder nur mit ihnen und gegen sich selbst. Und nun das …

Einige Wochen lief ich nicht mehr – ich flog … Es ist schwer nach einem solchen Sieg die Bodenhaftung wiederzugewinnen. Nichts scheint mehr unmöglich, selbst in einem Alter von damals schon 54 Jahren. Kaum bezähmbare Euphorie und fehlende Erfahrung, wie man nach so einem Mammutlauf adäquat regeneriert, stießen mich dann zum Saisonausklang vom Himmel in die tiefste, einem Läufer drohende Hölle. Ein ziehender, gemeiner Schmerz im rechten Bein, der trotz 6-wöchiger Laufpause und intensiver Behandlung monatelang nicht weichen wollte, zwang zu anderthalb Jahren Marathonpause. Erst im Herbst 2010 feierte ich mit fünf Marathonläufen die Wiederkehr auf meine Lieblingsstrecke …

Seit dieser Zeit konnte ich meinem Laufbuch viele Marathon- und Ultraläufe hinzufügen (Übersicht Ultras siehe hier). Darunter 6-, 12- und 24-Stunden-, einige 100 km-Läufe, einmal 100 Meilen, diverse harte Ultratrails, auch als 2-Tagesläufe ausgetragen. Für einen leistungsorientiert trainierenden Läufer eher typisch, wuchs meine persönliche Verletztungsliste, um dieses und jenes Leiden an. Wie immer galt die entscheidende Devise: Einmal mehr aufstehen, als man hingefallen ist! 2015 prüfte mich ein Ermüdungsbruch über drei Monate, in denen mir jeder Laufmeter verboten war ... Dass mir danach, in 2016, nur ein Jahr nach Wiederaufnahme des Trainings vergönnt war den Thron der Ultraläufer zu besteigen, bewerte ich - nicht zuletzt der schlechten Ausgangssituation wegen - als meinen größten Erfolg: Nach 246,8 km und 3.000 Sachen "weit und lang in einem Stück" bleiben. Gerade als leistungsorientierter,Höhenmetern beendete ich als jahresältester Finisher den Spartathlon in 34:47:53 h. Ein Lauftraum wurde wahr. Diese Leistung soll und wird mein Maximum in nicht zuletzt älterer Läufer sollte man seine Grenzen ahnen. Dahinter lauern noch schwerwiegendere Verletzungen als die überstandenen.

Neben dem jeweiligen Saisonhöhepunkt bleibt ein Ziel stets aktuell: Läufe mit Marathonlänge oder weiter sammeln! Stand 31.12.2016: 180 Wettkämpfe. Aus der Nähe besehen kann ich mir kein wichtigeres Ziel vorstellen. Es setzt robuste Gesundheit voraus, die ich mir so lange wie möglich bewahren möchte. In diesem Zusammenhang gilt es auch Überlegungen anzustellen, wann die Zeit gekommen sein wird, vielleicht nicht mit dem Laufen allgemein, wohl aber mit marathonlangen Strecken aufzuhören. Und auch hier hilft mir mein läuferisches Selbstverständnis: Wenn ich nicht mehr in der Lage sein werde flache Marathons zu hundert Prozent im Laufschritt zu erleben, werde ich keinen Marathon mehr in Angriff nehmen ...


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