

Die Erwähnung des Themas „Läufer und Hund” ruft vielen Joggern unangenehme Erinnerungen an angstvolle Begegnungen mit Vierbeinern ins Bewusstsein. Die Befürchtung gebissen zu werden ist nicht unbegründet, und so lässt schon ein weit entfernt freilaufender Hund viele Jogger unwillkürlich die Richtung wechseln. Berichte über schwere Bissverletzungen und Auseinandersetzungen mit uneinsichtigen Hundebesitzern verengen das Verhältnis Läufer-Hund allzu schnell auf eine Art „natürliche Feindschaft”. Weder gibt es die wirklich, noch sollte man das mögliche friedliche Nebeneinander oder gar das fruchtbare Miteinander von Läufer und Hund dabei aus den Augen verlieren. Mensch mit Hund und Mensch in Laufschuhen teilen sich dasselbe Revier. Beide haben gleichwertige Rechte sich dort zu bewegen. Probleme entstehen häufig aus falschem Verhalten - zugegebenermaßen meist auf Seiten unfähiger oder gleichgültiger Hundehalter.
Mit den folgenden Zeilen verfolge ich hauptsächlich die
Absicht Läufern in tatsächlichen Gefahrensituationen Tipps an die Hand zu geben
und noch mehr das „Laufen mit Hund” als schöne Variante des Laufsports
vorzustellen. Nebenbei gibt mir diese Darstellung Gelegenheit, mich von einer
Laufkameradin vieler Jahre zu verabschieden …
Inhalt:
1. Läufer contra Hund
2. Läufer mit Hund
3. Nachruf auf einen vierbeinigen Laufkameraden
4. Links zum Thema ...
5. Ausrüstung
1. Läufer contra Hund
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„Keine Angst, der will doch nur spielen!” oder „Der macht nichts!” - Welcher Jogger kennt diese Sätze nicht? Das soll dann wohl eine Art Entschuldigung hilfloser bis dreister Hundebesitzer für die manchmal massive Störung oder nötige Ausweichkurve des Läufers vorstellen. Viele Jogger ergreift dennoch panische Angst, wenn das Tier auf sie zukommt. Und wenn der Hund das mit einer für ihn im „Spiel” normalen, hohen Geschwindigkeit tut, welcher Läufer bleibt dann nicht augenblicklich, zur Salzsäule erstarrt stehen? Auch Jogger, die selbst einen Hund besitzen, sind vor derlei Schrecksekunden nicht gefeit. Um das klar zu sagen: Nur ganz wenige dieser Begegnungen sind tatsächlich gefährlich und verursachen über einen gehörigen Schrecken hinaus gehende Folgen. Dennoch sollte man sich auf hündische „Attacken” gedanklich vorbereiten und im Bedarfsfall richtig verhalten. |
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Anmerkung: Die im Abschnitt "Läufer contra Hund" abgebildeten "Kampfszenen" zeigen allesamt unseren Hund und waren immer spielerischer Natur. |
Es gibt Hunde, die von Joggern keinerlei Notiz nehmen. Unsere Hündin war so ein Exemplar. Vielleicht lag es auch daran, dass sie mich selbst oft beim Laufen begleitete. Wer so einen Hund hat, ist im Vorteil. Alle anderen Hundeführer müssen ihren Vierbeiner zu sich rufen oder gar anleinen, um Läufer nicht zu gefährden (das gilt natürlich auch im Hinblick auf Spaziergänger und Radfahrer). Es macht übrigens wenig Sinn mit uneinsichtigen Hundehaltern zu diskutieren, um Problembewusstsein zu erzeugen. Entweder sieht Herrchen das von selbst ein oder gar nicht. Ein freundlicher Hinweis, den Hund doch bitte anzuleinen, sollte genügen.
Gerichte schlagen sich bei ihren Entscheidungen übrigens nicht vollends auf die Seite des Läufers, wie folgendes Urteil zeigt: Ein Jogger war über einen nicht angeleinten Dackel gestolpert und hatte sich dabei verletzt. Er klagte gegen den Hundehalter auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. Das OLG Koblenz entschied auf eine Mitschuld von 30% des Joggers. Tenor des Urteils (Az.:5U27/03): Wem beim Joggen ein Hund begegnet, der muss im Notfall mit großem Bogen ausweichen und sein Tempo vermindern, um einen Unfall zu vermeiden.
Ist die Reaktion eines Hundes auf Läufer vorhersehbar?
Menschen können über ihr Handeln nachdenken, Hunde nicht. Das Tier kann nicht „verstehen”, was der laufende Mensch da tut. Seine Reaktion folgt uralten, einst wölfischen und genetisch vererbten Verhaltensmustern. Eines dieser überkommenen „Programme” stuft
alles, was sich schnell bewegt, als angreifend oder flüchtend ein. Ein Läufer kann für ihn beides sein, weil er erst bedrohlich schnell näher kommt, um sich endlich mit ebensolcher Geschwindigkeit zu entfernen, um so scheinbar seine Unterlegenheit zu signalisieren.Meist verläuft die Begegnung Mensch-Hund, ohne dass beide voneinander wirklich Notiz nehmen. Wenn der Hund jedoch auf den Menschen reagiert, kann es durchaus sein, dass er eben nicht spielen will. In diesen verbleibenden, nicht sehr zahlreichen Fällen
Hunde wählen meist instinktiv die Flucht als Ausweg aus
einer angespannten Situation, weil sie die größte Aussicht auf Erfolg und
Sicherheit verspricht. Ersatzhandlungen sind scheinbar völlig sinnlose
Tätigkeiten, die zum Ziel haben sich irgendwie „unsichtbar” oder „uninteressant”
für den potentiellen Angreifer zu machen. Der Hund könnte sich beispielsweise
„nervös” kratzen oder belecken (vergleichbar mit dem menschlichen Kauen der
Fingernägel bei unbewältigten Problemen). Die Aggression wird nur in scheinbar
ausweglosen Situationen erfolgen, weil sein wölfisches Erbe ihm „sagt”, dass er
sich dabei
selbst verletzen oder sogar getötet werden kann. In diesem Sinne ist
ein angeleinter Hund - so man ihm zu nahe kommt - sogar gefährlicher als ein
freilaufender. Angeleinte Hunde können nicht flüchten und müssen überdies ihr
„Rudel” verteidigen. Flucht und Angriff sind also nicht nur vom jeweiligen Hund,
seiner Erziehung und Erfahrung abhängig, sondern vor allem von ererbten
Reaktionsmustern in gegebener Situation.
Das bezog sich bisher aber nur auf die klassische Situation einer Begegnung auf „freier Strecke”, wenn sich Hund und Läufer frühzeitig wahrnehmen. Daneben gibt es Situationen, in denen Aggressionen des Hundes auch andere Ursachen haben können, wie etwa folgende:
Für bevorstehendes aggressives Verhalten des Tieres gibt es meist Warnzeichen, die man kennen und beachten sollte. Dies sind natürlich Knurren und Zähnefletschen, aber auch einfach wenn sich der Hund intensiv auf den Läufer konzentriert, was eventuell an voller „Körperspannung” zu erkennen ist. Man sollte sich nicht von landläufig als „freundlich” bekannten Zeichen täuschen lassen. Zum Beispiel ist Schwanzwedeln nicht in jedem Fall ein Zeichen für Entspannung und Freude.
Was kann man tun um Hundeattacken zu vermeiden?
Menschen können über ihr Handeln nachdenken, Hunde nicht. Also kann unser Konfliktvermeidungs- oder Abwehrverhalten nur über das Verständnis und die Berücksichtigung der hündischen Natur erfolgreich sein. Doch auch dann gibt es keine Garantie für Läufer, nicht doch von einem Hund angegriffen zu werden. Konflikten kann man vermutlich bei Beachtung folgender Regeln entgehen:
Hunde werden bevorzugt wohnungsnah Gassi geführt.
Feld- und Waldgebiete in unmittelbarer
Noch eine persönliche Anmerkung, die meine Vorschläge zur Konfliktvermeidung einigermaßen relativiert: Ich beachte selbst nicht einen der oben aufgelisteten Punkte, weil ich keine Furcht vor Hunden empfinde. Sie sind für Läufer gedacht, die mit ihrer Furcht vor Vierbeinern ein wirkliches Problem haben, das ihnen manchmal die Freude am Laufsport verleidet. Mir ist bewusst, dass ich ein gewisses Risiko mit dieser „Leichtfertigkeit” eingehe, das ich in Kauf nehme. Wie ich mit tatsächlichen Angriffen umgehe, ist weiter unten beschrieben.
Was tue ich, wenn ein Hund Zeichen von Aggression zeigt oder angreift?
In den meisten Fällen
geht der Reiz zum Angriff von der schnellen Fortbewegung aus. Wenn das Tier mit Aggressionszeichen (Knurren, usw., s.o.) droht oder bereits angreift, hilft nur sofortiges Stehenbleiben! Auf keinen Fall weg laufen, weil das seinen Jagdtrieb zusätzlich anheizt. Hände und Arme vor den Körper nehmen, um sich ggf. zu schützen.
Von der Verwendung diverser Abwehrsprays raten
Hundekundige ab. Es ist erstens fraglich, ob man die Patrone noch rechtzeitig
einsatzbereit bekommt. Dann muss das Ausbringen der Substanz zielgerichtet und
nicht zu früh erfolgen. Außerdem wird ein getroffener Hund in seinem Schmerz
wild und unkontrolliert um sich beißen.
Auch von der Vorstellung gezielter Fußtritte sollte man sich verabschieden. Das mag bei kleinen Kläffern ein probates Mittel der Abwehr sein. Größere Tiere können jedoch jedem Menschen ernsthafte Verletzungen zufügen, nachdem sie einem Tritt reaktionsschnell ausgewichen sind oder seine Wirkung unerwartet schnell „verdaut” haben. Darüber hinaus droht „tretenden” Läufern von uneinsichtigen Hundehaltern eine Anzeige wegen Tierquälerei. Ja, so was gibt’s …
Hundeabwehr auf meine Art
Mit den Jahren und einigen Läufer-Hund-Konfrontationen sowie eingedenk fehlender Furcht vor Hunden, hat sich bei mir eine Art „automatische” Reaktion bei hündischen Aggressionen eingestellt. Dabei bin ich noch nie von vorne angegriffen worden. Alle Attacken kamen von der Seite oder von hinten und lösten mehr oder minder heftiges Erschrecken aus. Inzwischen reagiere ich so, dass ich mich dann sofort dem Angreifer zuwende und - falls er tatsächlich auf mich zustürmt - meinerseits einen „Gegenangriff” starte. Dabei lasse ich auch noch einen lauten, lang gezogenen Schrei hören. Das macht auf Unbeteiligte sicher einen ziemlich lächerlichen Eindruck, war jedoch in jedem Fall bisher erfolgreich. Mein „Sieg” dokumentierte sich ausnahmslos durch wilde, unkontrollierte Flucht meines „Kontrahenten” …
Natürlich würde ich auf einen frontal angreifenden Hund
nicht in dieser Weise reagieren. Meine Schilderung soll auch niemanden animieren
in ähnlicher Weise vorzugehen, weil ich nämlich nichts zu raten wüsste, falls
einer der Kläffer mal nicht abdreht und panisch flüchtet … Die Darstellung
meiner Reaktion und ihre „Folgen” sollen lediglich zeigen, dass scheinbar
gefährliche Vorstöße der Vierbeiner mit großer Wahrscheinlichkeit in sich
zusammen fallen, wenn man stehen bleibt und sich dem Aggressor stellt.
2. Läufer mit Hund
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Gleich vorweg: Dies soll kein Plädoyer dafür werden, sich einen Hund zuzulegen, um Läufer zu werden oder eventuelle Laufmotivationsprobleme zu lösen. Ein Tier sollte man halten, wenn man dafür in seinem Leben generell Raum und Freude hat. Außerdem eignet sich natürlich nicht jede Rasse und innerhalb der Rassen nicht jeder Hund als Laufbegleiter. Wenn allerdings schon ein vierbeiniger Mitbewohner im Haushalt lebt, lohnt es sich zu prüfen, ob man die beiden Leidenschaften „Viech” und „Viecherei” … äh … „Lauferei” miteinander kombinieren kann. Wenn’s gelingt, stellt das Tier unter Umständen einen hohen Motivationsfaktor für den Jogger dar. Insbesondere in der Einsteigerphase, wo noch jedes Aufraffen zum Laufen schwer fällt …
Man lernt ja nie aus: Bei meinen Internet-Recherchen zum Thema ist mir das "Laufen mit Hund" als neue Sportart begegnet, die aus Frankreich stammen soll. Man nennt die Wettbewerbe "Canicross" (sh. auch die
Links zum Thema)
Welche Hunde sind geeignet?
Es versteht sich von selbst, dass ein paar Voraussetzungen erfüllt und einige Spielregeln eingehalten werden müssen, wenn sich der Laufspaß allseitig - bei Mensch und Hund - einstellen soll. Zunächst einmal muss der Hund als „Läufer” geeignet sein. Das heißt rasse- und exemplarbedingt muss er schnell und ausdauernd genug sein, um mit seinem Herrchen Schritt halten zu können. Generelle Aussagen hierzu sind schwierig, weil auch kleinere Hunde, denen man es nicht zutrauen würde, diese Eigenschaften haben können. Und da auch das Naturell des Vierbeiners eine Rolle spielt, kann es durchaus sein, dass größere Hunde nicht „mitspielen”, weil sie einfach keine „Lust” zu längeren Läufen in gleich bleibendem Tempo haben. Wer sich mit der Absicht trägt einen Hund anzuschaffen und ihn in seine läuferischen Aktivitäten integrieren möchte, sollte eine Rasse mit guten Laufeigenschaften wählen. Da gibt es endlose Möglichkeiten vom guten alten Schäferhund, über Hütehunde, Windhunde bis zu Schlittenhunden, usw. Kreuzungen dieser Rassen eignen sich meist auch als „Laufhund”. Anhaltspunkte können auch Ratschläge in Publikationen zur (Hunde-) Sportart Agility liefern, für die gleichfalls gelehrige und gemeinsam mit Herrchen laufende Hunde gefragt sind. Letztlich wird aber immer das „Individuum Hund” in deinem Haushalt darüber entscheiden, ob es als Mitläufer taugt oder nicht.
Wie wichtig ist die Gehorsamkeit des Hundes?
Das „Individuum Hund” ergibt sich aus Veranlagung (s.o.) und genossener Erziehung. Der Hund sollte idealerweise aufs Wort hören. Bei unserer „Hundedame” Laska war das so. Sie wurde von Frauchen im Welpenalter so lange geschult, bis die Schlüsselwörter "Fuß", "Platz", "Sitz" usw. fehlerfrei beachtet wurden. Wir gewöhnten ihr auch das "Jagen" ab. Sie verfolgte also keine anderen Tiere mehr, die irgendwo abseits des Weges auftauchten. Anderen Hunden schenkte sie nur Aufmerksamkeit, wenn wir ihnen begegneten. Dann durfte sie natürlich stehen bleiben, wurde mit keinem Kommando getrennt. Das funktionierte auch beim Laufen: Nach dem Akt gegenseitiger Beschnüffelung raste sie dann in höchstem Tempo und erfreut bellend hinter mir her. Und falls die Strecke nicht weit genug einsehbar war, wartete ich eben oder lief wieder ein Stück zurück. Sie war sogar so gut erzogen, dass sie nicht alleine über die Straße lief, sondern erst nach Freigabe (das klappte natürlich nur da, wo das „Ding” Straße eindeutig als solches zu erkennen war). Diese Ausführungen sollen deutlich machen, dass unser Hund vollkommen ohne Leine, einzig mit Worten „fernsteuerbar” war. Das stellt für einen Läufer den Idealzustand dar.
Sie an der Leine führen müssen wäre mir lästig gewesen
und unser beider Laufkarriere hätte sich anders, verzögert oder vielleicht gar
nicht gemeinsam entwickelt. Wem das Festhalten der Leine jedoch nichts ausmacht,
für den stellt natürlich auch diese Möglichkeit eine brauchbare Alternative dar.
Bequemer ist eventuell ein umgeschnallter Gürtel, an dem die Leine festgemacht
ist (sh.
Mit einem Hund, der nicht ein Mindestmaß an Erziehung genossen hat und meist nur das tut, was er will, kann ich mir gemeinsames Lauftraining überhaupt nicht vorstellen. Ebenso wenig mit einem Welpen, dessen Wachstum und Ausbildung noch nicht abgeschlossen ist.
Das mit der Erziehung ist aufwändig und vielen zunächst lästig. Allerdings solltest du den Lohn - vor allem für das Tier - bedenken: Ein Leben, das selten vom Laufen an der Leine getrübt wird! In Gemeinden mit Leinenzwang oder Großstädten verläuft ein Hundeleben dennoch restriktiver ...
Gehört Dauerlauf zu artgerechter Haltung?
Ja und Nein. Ja, weil jeder gesunde Hund gerne im Freien
tobt und mit seiner Bezugsperson gerne gemeinsam unterwegs
ist. Nein, weil
monotoner Dauerlauf „hündischen Interessen” eigentlich nicht entspricht. Hunde
wollen schnüffeln, dazu auch mal stehen bleiben und im Grunde die Richtung der Fortbewegung spontanen Impulsen aus ihrem Hundegehirn überlassen.
(Fast*) kein Hund wird
aus eigenem Antrieb eine Stunde in gleich bleibender Geschwindigkeit und ohne
Richtungsw
echsel unterwegs sein. Auch aus diesem Grund halte ich eine
verlässliche, „leinenfreie Fernsteuerung mit Worten” für die ideale
Voraussetzung. Das Tier hat dann die Möglichkeit sein Tempo zu variieren, an
„bedeutenden Schnüffeladressen” oder bei Artgenossen kurz zu verweilen, auch mal
an einem Bach zu saufen, usw. Du kannst derweil deinen Lauf fortsetzen oder
umdrehen und mit unverminderter Geschwindigkeit ein kurzes Stück zurück laufen.
Dadurch wird weder das artgerechte Verhalten deines vierbeinigen Partners, noch
dein Trainingslauf entscheidend gestört …
Den Bedürfnissen angeleint mitjoggender Hunde muss natürlich auch Rechnung getragen werden. Vor dem eigentlichen Dauerlauf sollten solche Hunde erst ausreichend ausgeführt werden. Schnüffeln und „Geschäft” können so vorab erledigt werden.
| *) | Ein Läufer berichtete mir von seinem Hund, der das durchaus wollte: Etliche Kilometer am Stück mit unverändertem |
| Tempo - "wie in Trance" - laufen, ohne auch nur ein einziges Mal stehen zu bleiben ... |
Ich könnte jetzt sagen: „Unsere Hündin war schuld”.
Schuld woran? Nun, wer weiß, ob ich je einen Marathon gelaufen wäre, hätte es sie als
„Laufkameradin” über viele Jahre nicht gegeben. In ihren letzten Monaten
begleitete sie mich nicht mehr. Sie war zu langsam, nicht mehr ausdauernd und oft auch zu schwach. Doch
noch vor zwei Jahren war sie bei vielen Läufen dabei.
Unsere Sheltiehündin hieß „Laska” und wurde über 16 Jahre alt. Am 15. Mai 2006 - einen Tag nach meiner persönlichen Bestzeit beim Prag Marathon - mussten wir sie einschläfern lassen. Nach Prag begleitete sie uns noch, konnte aber am Marathontag nicht einmal mehr stehen, fraß drei Tage schon nicht mehr und Wasser verschmähte sie auch. Hunde wollen fressen, Wasser saufen und haben Spaß am „Gassi gehen”. Laska, die unermüdliche Läuferin, war zu alledem nicht mehr fähig. Ihre Uhr war abgelaufen und so konnten wir ihr nur noch die Gnade eines raschen und schmerzfreien Abschiedes schenken.
Wie fing es an? Vor 15 Jahren verband ich meine
Joggingleidenschaft mit der Notwendigkeit, dass unser Hund - rassebedingt - viel
Bewegung brauchte. Jeder Läufer kennt die Situation: Die Vernunft sagt „lauf!”
und das Gefühl antwortet „ich hab keine Lust!” Ich sagte mir dann regelmäßig,
dass es eigentlich egal ist, ob ich joggend nass werde oder wenn ich mit Laska
„Gassi gehe”. Oft haben mich derartige Überlegungen dann doch mit ihr auf
die Strecke „getrieben”. Diese Phase war allerdings recht kurz und nach wenigen
Wochen war es ganz einfach selbstverständlich geworden, bei jedem Wetter mit
ihr durch die Landschaft zu toben.
Viel erlebt haben wir dabei auch: Einmal blieb sie zum
Wassersaufen am Bach ein wenig zurück. Darüber machte ich mir nie Gedanken, weil
sie mich bei ähnlichen Gelegenheiten nach kurzer Zeit wild kläffend ein- und
überholte. Doch an diesem Tag blieb das Manöver aus und ich lief
zurück, um nach
ihr zu sehen. Weg war sie! Ich war an einer Kreuzung geradeaus gelaufen und sie
rechts abgebogen. Ich raste hinterher ohne sie zu sehen. Kehrte dann zum Auto
zurück und fuhr damit den Wald ab. Meine Panik kann man sich ja vorstellen … Na
ja, Stunden später lag sie auf einem weit entfernten Parkplatz, auf dem wir oft
ausstiegen und wartete auf mich ... Gottlob, ich hätt’ mich auch sonst nicht
recht heim getraut zu Frauchen ...
Hin und wieder „fingen” wir auch andere Hunde „ein”, wurden sie zum Glück aber immer wieder an ihre Besitzer los. Auch, wenn das bisweilen erforderte, in eine völlig andere Richtung als beabsichtigt zu laufen. Meist war schon von weitem ein hilfloser, verzweifelt schreiender, wild gestikulierender Hundebesitzer auszumachen.
Frauchen nutzte ihre Begleitdienste selbstverständlich auch. Ihr und mir gab es ein sichereres Gefühl, wenn der „gefährliche Kampfhund” sie in einsamen Gefilden beschützte. Ja, klar, einen harmloseren Hund als Laska kann es kaum geben. Das wussten Frauchen, Herrchen, Verwandte und Freunde. Aber potentielle Täter - so es sie gegeben haben sollte - hatten davon keine Ahnung.
Laska
war - das gilt sicher für viele Vierbeiner - ein universelles Bewegungsgenie und
hatte eine unverwüstliche Ausdauer. Selbst bei langen Radtouren konnte sie ein
Großteil der Strecke laufend zurück
legen
und wurde von Frauchen nur stückweise in den Korb gehievt, um ein paar Minuten
auszuruhen. Auf unseren Bergtouren stockte uns ein ums andere Mal der Atem, wenn
sie schwierige und gefährliche An- oder Abstiegspassagen, für die wir Menschen
mehrere Minuten vorsichtigen Kletterns benötigten, geschickt und beherzt mit ein
paar Sprüngen hinter sich brachte. Nur Felspassagen,
mit Leitern und Eisen versichert, konnten sie stoppen, dann ließ sie sich
völlig bewegungslos unter dem Arm tragen oder gar im zuvor leer geräumten
Rucksack "verstauen" ...
Nun lebt sie nicht mehr. Zu spät ist mir aufgefallen, dass nur ein Foto existiert, auf dem Laska Ines beim Joggen begleitet ... Meine zahllosen Ausläufe mit ihr blieben undokumentiert. Außer vielen Erinnerungen an gemeinsame Stunden und Erlebnisse ist ein Gefühl der Dankbarkeit geblieben. Sie hat Ines und mich auch in läuferischer Hinsicht weitergebracht …
... Läufer contra Hund
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