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Stand: 24. März 2021

Läufer und Hund - Freunde oder Gegner?

Konsequenzen der Corona-Pandemie

Läufer kontra Hund?

Reaktion des Hundes vorhersehbar?

Wie Attacken vermeiden?

Was tun bei Angriffen?

Abwehr auf meine Art

Läufer mit Hund

Welche Hunde eignen sich zum Laufbegleiter?

Welche Bedeutung hat Gehorsamkeitsschulung?

Entspricht Dauerlauf "artgerechter" Haltung?

Tipps für das Laufen mit Hund

Ab welchem und bis zu welchem Alter kann mich mein Hund begleiten?

Was gilt es beim gemeinsamen Laufen zu beachten?

Leinenzwang - Fütterung - Hitze - Kälte - Schnee - Laufstrecke - Angstzonen
Versorgung danach - Trainingsmethoden - Schnüffelkontakte - Ausrüstung

Andere Hundesportarten

Geländelauf - CaniCross - Turnierhundsport - Agility - Hoopers - Treibball
Dogdancing - Dog-Frisbee - Flyball - Obedience - Rally Obedience - Weitere

Laufen mit Laska - Nachruf auf eine vierbeinige Laufkameradin

Laufen mit Roxi

Läufer und Hund - Freunde oder Gegner?

Die Überschrift Läufer und Hund weckt bei vielen Joggern unangenehme Erinnerungen an Konfrontationen mit aggressiven Vierbeinern und ihren nicht selten überforderten oder ignoranten Besitzern. Die Angst gebissen zu werden lässt manchen Jogger schon angesichts weit entfernter Hundesichtungen unwillkürlich die Richtung wechseln. Abgesehen von mehr oder weniger ausgeprägter Kynophobie (Angst vor Hunden) verengen Berichte über Bissverletzungen und Auseinandersetzungen mit uneinsichtigen Hundebesitzern das Verhältnis Läufer-Hund auf eine Art "natürliche Feindschaft". Weder gibt es die wirklich, noch sollte man das eigentlich normale, friedliche Nebeneinander oder gar das fruchtbare Miteinander von Läufer und Hund dabei aus den Augen verlieren. Mensch mit Hund und Mensch in Laufschuhen teilen sich dasselbe Revier. Beide haben gleichwertige Nutzungsrechte. Probleme entstehen häufig aus falschem Verhalten - zugegebenermaßen meist von Seiten unfähiger oder gleichgültiger Hundehalter.

Die folgenden Zeilen verfolgen die Absicht das Verhältnis Läufer-Hund zu entkrampfen, außerdem Läufern für tatsächliche Gefahrensituationen deeskalierende Tipps zum eigenen Schutz an die Hand zu geben. Darüber hinaus und nicht zuletzt soll das Laufen mit Hund als häufig beglückende Variante des Laufsports in seiner ganzen Vielfalt vorgestellt werden. Überdies gibt dieser Abschnitt unserer Laufseite Gelegenheit von einer Laufkameradin vieler Jahre Abschied zu nehmen und uns bei einer anderen zu bedanken ...

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Konsequenzen der Corona-Pandemie

Langjährigen Läufern, die nach Beginn der Covid-19-Pandemie wachen Auges ihr Revier durchstreiften, blieb der Läuferzuwachs nicht verborgen. Besonders während Lockdown eins und zwei waren vermehrt Jogger unterwegs. Viele von ihnen der Not gehorchend, weil ihnen körperliche Bewegung in ihrer eigenen Sportart verwehrt blieb. Fußballer, Turner, Gymnasten und viele andere, die nun ersatzweise laufen, werden nach Aufhebung der Kontaktbeschränkungen dem Laufsport wieder den Rücken kehren. Einige werden ihm treu bleiben. Statistiken zum Corona-Boom im Laufsport sind mir nicht bekannt.

Dafür kenne ich die Zuwachsraten an Hundehaltern in Bayern im Pandemiejahr 2020. Die waren relativ leicht zu erfassen, weil Halter ihre Vierbeiner bei der jeweiligen Stadt oder Gemeinde anmelden müssen. Im Schnitt über ganz Bayern gemittelt wurden 2020 etwa 40 Prozent mehr Hunde angeschafft, als in den Jahren zuvor. Allerdings waren die Zuwachsraten örtlich sehr unterschiedlich. Exorbitant hoch waren sie vor allem in den Ballungsräumen Augsburg und München. Dort betrug der Zuwachs in 2020 sogar rund 100 Prozent!

Die Konsequenzen dieser Entwicklung waren zunächst: Leere Tierheime, genervte heimische Hundezüchter, die den Bedarf an Welpen nicht decken können und eine besorgniserregende Steigerung von illegalen Tierimporten vor allem aus dem östlichen Ausland. Was geschehen wird, wenn die neuen, zeitweise vereinsamten Hundehalter ihr Homeoffice wieder aufgeben und Reisen wieder möglich sein werden, lässt sich nur mutmaßen. Ein wenig Fantasie genügt jedoch, um sich dann wieder proppenvolle Tierheime und das Elend irgendwo ausgesetzter Hunde vorstellen zu können.

Läufer und solche, die es werden wollen, nehmen noch andere, bleibende Auswirkungen der Pandemie in den Fokus. Vor allem jene, die sich vor Hunden fürchten und nun vermehrt Vierbeinern und deren Haltern begegnen werden. Aber auch jene Glücklichen, die selbst einen Vierbeiner im Haus haben und ihn als Begleitung zu ihrem Laufvergnügen mitnehmen wollen. Was gilt es zu beachten, damit beide - Mensch und Hund - ein Maximum an Freude aus dem "Paarlauf" schöpfen? Die Antworten auf alle Fragen - Pro und Kontra - steht in den folgenden Zeilen. Zu keiner Zeit waren sie wichtiger als jetzt!

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Läufer kontra Hund?

"Keine Angst, der will nur spielen!" oder "Der schnüffelt nur, der tut nix!" - Welcher Jogger kennt diese Sätze nicht? Sie sollen wohl als eine Art Entschuldigung unbedarfter bis dreister Hundebesitzer das nicht selten herbe Erschrecken des Läufers relativieren. Viele Jogger ergreift trotzdem panische Angst, die sie zur Salzsäule erstarren lässt. Auch Jogger, die selbst einen Hund besitzen, sind davor nicht gefeit. Um keine unbegründeten Ängste zu schüren: Nur ein verschwindend geringer Bruchteil solcher "Attacken" sind ernst gemeint und noch weniger enden mit einem Biss. Da man anlässlich eines Trainingslaufs mit hoher Wahrscheinlichkeit (Sicht-) Kontakt zu Vierbeinern haben wird - angeleint oder freilaufend -, sollte man dennoch auf Begegnungen gedanklich vorbereitet sein.

Gefahr kann auch vom friedlichsten Hund ausgehen. Zum Beispiel dann, wenn du über ihn stolperst. Wenn das Tier ausgerechnet in deiner Höhe, einem instinktiven Impuls folgend, abrupt die Wegseite wechselt, um dort zu schnüffeln. Das kann dir auch bei einem angeleinten Hund passieren, weil die Leine den Bewegungsspielraum des Tieres zwar einengt aber nicht aufhebt. Man sollte nicht auf die Reaktionsschnelligkeit des Hundeführers vertrauen, weil der das "Ausbrechen" seines Hundes nicht vorhersehen kann. Hunde orientieren sich vor allem mit dem bestentwickelten ihrer Sinne, der Fähigkeit Gerüche wahrzunehmen. Menschen verlassen sich auf ihre Augen. Und das ist der Punkt: Du siehst nicht (voraus), was der Hund riecht, was ihn veranlasst dir den Weg zu verlegen.

Schon diese situative Darstellung einer von vielen möglichen Begegnungen verdeutlicht: Eine völlig konfliktfreie Koexistenz Jogger-Hund kann es nicht geben. Als Hundehalter bin ich auch mit der "Gegenseite" sehr genau vertraut. Ein Restrisiko ist auch beim besterzogenen, jederzeit abrufbaren Hund nicht auszuschließen. Daher würde ich nie das Wagnis eingehen auf eine Hundehalter-Haftpflichtversicherung zu verzichten. Den gut ausgebildeten Hund abseits stark frequentierter Verkehrswege abzuleinen sehe ich als Selbstverständlichkeit an. Immerhin dient die sicher ausgeführte Sitz-Platz-Fuss-Bleib-und-Halt-Kommandopalette nicht zuletzt dem Zweck, dem Tier phasenweise die artgerechte Freiheit der Wegwahl zu überlassen. Selbstverständlich nehme ich meinen Hund sicher zu mir, wenn mich ein ängstlicher Passant darum bittet.

Mit uneinsichtigen Hundehaltern zu diskutieren, um deren Problembewusstsein zu schärfen, ergibt übrigens wenig Sinn. Entweder sieht Herrchen die Notwendigkeit der Rücksichtnahme von selbst ein oder gar nicht. Die freundliche Bitte eines ängstlichen Joggers den Hund sicher in Obhut zu nehmen, angeleint oder per Kommando "Fuß", sollte genügen.

Gewarnt sei auch vor irregeleitetem Rechtsempfinden: Gerichte werten den Einzelfall, berücksichtigen auch das "Wegerecht" des Hundehalters, wie die folgende Begebenheit zeigt: Ein Jogger war über einen nicht angeleinten Dackel gestolpert und hatte sich dabei verletzt. Er klagte gegen den Hundehalter auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Das OLG Koblenz entschied auf eine Mitschuld des Joggers von 30 Prozent. Tenor des Urteils (Az.:5U27/03): Wem beim Joggen ein Hund begegnet, der muss nötigenfalls mit ausreichend großem Bogen ausweichen, dabei auch sein Tempo vermindern, um auf diese Weise zur Vermeidung eines Unfalls beizutragen.

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Ist die Reaktion eines Hundes auf Läufer vorhersehbar?

Meist verläuft die Begegnung Läufer-Hund, ohne dass beide voneinander wirklich Notiz nehmen. Wenn der Hund jedoch auf den joggenden Menschen reagiert, kann es durchaus sein, dass er eben nicht spielen will. Dass er uralten, vom Stammvater Wolf genetisch vererbten Verhaltensmustern folgt. Seinem Instinkt, der alles, was sich schnell bewegt, als angreifend oder flüchtend einstuft. Ein Läufer kann für den Hund kurz nacheinander beide Bedeutungen annehmen, weil er erst bedrohlich schnell näherkommt, um sich endlich mit ebensolcher Geschwindigkeit zu entfernen, offenbar flüchtend. Gemäß "hündischer Wahrnehmung"

Die von einem nahenden Läufer ausgehende Bedrohung erzeugt Angst, auf die zu reagieren dem Hund drei mögliche Verhaltensmuster "einprogrammiert" sind:

Hunde wählen meist instinktiv die Flucht (oder Ausweichen) als Ausweg aus einer angespannten Situation mit einem Menschen, weil das die größtmögliche Aussicht auf Erfolg und Sicherheit verspricht. Unter Ersatzhandlungen versteht man scheinbar sinnlose Tätigkeiten, die zum Ziel haben sich irgendwie "unsichtbar" oder "uninteressant" für den potenziellen Angreifer zu machen. Der Hund könnte sich beispielsweise "nervös" kratzen oder belecken (vergleichbar mit dem menschlichen Kauen der Fingernägel bei unbewältigten Problemen). Die Aggression wird nur in scheinbar ausweglosen Situationen erfolgen, weil sein wölfisches Erbe ihm "sagt", dass er dabei selbst verletzt oder sogar getötet werden könnte. In diesem Sinne ist ein angeleinter Hund - so man ihm zu nahe kommt - sogar gefährlicher als ein freilaufender. Angeleinte Hunde können nicht flüchten, interpretieren unter Umständen auch ihre soziale Rolle in der Art, dass sie ihr Rudel verteidigen müssen. Flucht und Angriff sind also nicht nur von vererbten Reaktionsmustern abhängig, sondern auch von Erziehung, Erfahrungen und der gegebenen Situation.

Die bisherigen Einschätzungen bezogen sich auf vorhersehbare Begegnungen auf sozusagen "neutralem Terrain", wenn der Hund den Läufer frühzeitig wahrnimmt. Darüber hinaus gibt es Situationen, in denen Aggressionen des Hundes andere Ursachen haben können, wie etwa folgende:

Für bevorstehendes aggressives Verhalten des Tieres gibt es meist Warnzeichen, die man kennen und beachten sollte. Dies sind natürlich Knurren und Zähnefletschen, aber auch die intensive Fokussierung des Hundes auf den Läufer, die man eventuell an der Körperspannung des Tieres erkennen kann. Typisch dabei auch geduckte Haltung und jede Form von "Anschleichen".* Man sollte sich nicht von landläufig als "freundlich" bekannten Zeichen täuschen lassen. Schwanzwedeln beispielsweise signalisiert nicht immer entspannte Freude.

*) Geduckte, weitgehend starre Haltung, begleitet von Anschleichen bezeichnet das so genannte Vorstehen, die einleitende Phase der Jagd des Beutegreifers Hund.

Dem oben als Aggressionszeichen dargestellten Knurren und Bellen wird in den seltensten Fällen tatsächlich ein Angriff folgen. Oft sind diese akustischen Signale des Vierbeiners Teil seiner Angst, mit denen er den vermeintlichen Aggressor abzuschrecken versucht. Das auf einen selbst gerichtete Verhalten eines Hundes richtig zu interpretieren ist nicht leicht. Vor allem nicht für Menschen, die selten mit Hunden zu tun haben und schon gar nicht im Moment einer von Furcht auf Seiten des Läufers begleiteten Situation. Daher sollte man sich zur eigenen Sicherheit defensiv verhalten.

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Was kann man tun um Hundeattacken zu vermeiden?

Menschen können über ihr Handeln nachdenken, Hunde nicht. Folglich wird menschliches Konfliktvermeidungs- oder Abwehrverhalten vor allem über das Verständnis und die Berücksichtigung der hündischen Instinktsteuerung erfolgreich sein. Doch auch dann gibt es keine Garantie für Läufer, nicht doch von einem Hund attackiert zu werden. Konflikten wird man vermutlich am ehesten bei Beachtung folgender Regeln entgehen:

Noch eine persönliche Anmerkung, die meine Vorschläge zur Konfliktvermeidung bewusst relativiert: Ich beachte selbst nicht einen der oben aufgelisteten Punkte, weil ich keine Furcht vor Hunden empfinde. Die Empfehlungen richten sich an Läufer, deren Furcht vor Vierbeinern ihnen die Freude am Laufsport verleidet. Angriffe von Hunden erlebte ich höchst selten. Zudem richteten sie sich meist auf meinen, mich begleitenden Vierbeiner.

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Was kann man tun, wenn ein Hund Zeichen von Aggression zeigt oder angreift?

In den meisten Fällen geht der Reiz zum Angriff von der schnellen Fortbewegung aus. Wenn das Tier mit Aggressionszeichen (Knurren, usw., siehe oben) droht oder bereits angreift, hilft nur sofortiges Stehenbleiben! Auf keinen Fall weglaufen, weil das den Jagdtrieb des Tieres zusätzlich anfacht. Hände und Arme vor den Körper nehmen, um sich bei Bedarf zu schützen.

Von der Verwendung diverser Abwehrsprays raten Hundekundige ab. Erstens ist fraglich, ob man die Patrone noch rechtzeitig einsatzbereit bekommt. Zudem muss das Ausbringen der Substanz zielgerichtet und darf nicht zu früh erfolgen. Gefahr geht auch von einem vollends getroffenen Hund aus, wenn der sich, angestachtelt von Schmerz und in Todesangst, panisch um sich beißend auf den Aggressor stürzt.

Auch von der Vorstellung gezielter Fußtritte sollte man sich verabschieden. Das mag bei kleinen Kläffern ein probates Mittel der Abwehr sein. Größere Tiere können jedoch jedem Menschen ernsthafte Verletzungen zufügen, nachdem sie einem Tritt reaktionsschnell ausgewichen sind oder seine Wirkung unerwartet schnell "verdaut" haben. Darüber hinaus droht "tretenden" Läufern von uneinsichtigen Hundehaltern eine Anzeige wegen Tierquälerei.

 

Hinweis: Die drei zur Illustration der Thematik "aggressiver Hund" im vorstehenden Text verwendeten Bilder zeigen allesamt Hunde in ausgelassenem, friedlichem Spiel. Keine Spur von echter Beißabsicht. Auf den unbedarften Betrachter mag das ganz anders wirken. Das zeigt wie schwer es sein kann das Verhalten eines fremden Hundes richtig einzuschätzen.

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Hundeabwehr auf meine Art

Mit den Jahren und einigen wenigen Läufer-Hund-Konfrontationen sowie eingedenk fehlender Furcht vor Hunden, etablierte ich eine Art "automatische Reaktion" zur Abwehr von Hunden. Entscheidend dafür war sicher auch, dass ich nie von vorne attackiert wurde. Alle Angriffe erfolgten von der Seite oder von hinten. Zumeist von einem umfriedeten Grundstück aus und meiner mich begleitenden Hündin geltend. Mehrfach war ich auf die Aggression nicht vorbereitet und entsprechend erschrocken. Dennoch reagierte ich stets in derselben Weise: Wendete mich sofort dem Angreifer zu und startete meinerseits einen "Gegenangriff" - falls der Angreifer tatsächlich auf mich zustürmte. Zusätzlich stieß ich dabei einen markerschütternden, lang gezogenen Schrei aus. Auf unbeteiligte Zuschauer mag solches Gebaren wahlweise lächerlich oder durchgeknallt wirken, es war jedoch in jedem Fall geeignet den Angreifer zu stoppen. Mein "Sieg" dokumentierte sich ausnahmslos in Form wilder, unkontrollierter Flucht des "Kontrahenten" ...

Natürlich würde ich auf einen frontal angreifenden Hund nicht in dieser Weise reagieren. Meine Schilderung soll auch niemanden animieren in ähnlicher Weise vorzugehen, weil ich nichts zu raten wüsste, falls einer der Kläffer mal nicht abdreht und sein Heil in der Flucht sucht … Die Darstellung meiner Reaktion und deren Ergebnis sollen lediglich vor Augen führen, dass scheinbar gefährliche Vorstöße von Vierbeinern mit großer Wahrscheinlichkeit in sich zusammen fallen, wenn man stehen bleibt und sich dem Aggressor stellt.

 

Link zum Thema

Zum Thema "Läufer und Hund" gibt es leider sehr wenige empfehlenswerte Internetseiten. Entweder fehlt den Seiten fachliche Tiefe oder es wird auf die bei vielen Hinweisen notwendige Relativierung verzichtet. Tatsache ist jedoch, dass die jeweilige Hundepersönlichkeit, mit ihren physischen und psychischen Eigenarten, in vielen Situationen bedacht werden will. Einen Link, der Konfrontationen Jogger-Hund behandelt, möchte ich seiner fachlichen Kompetenz wegen dennoch weitergeben: "Jogger und Hunde! oder: Die Geschichte von den beiden, die sich nicht verstehen."

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Läufer mit Hund

Gleich vorweg, um Missverständnissen vorzubeugen: Die nachfolgenden Zeilen halten kein Plädoyer zur Anschaffung eines Hundes, um sich schützender Laufbegleitung oder zusätzlicher Motivation zum Laufen zu versichern! Ein Tier sollte man nur halten, wenn man dafür in seinem Leben ganz allgemein "Raum" hat und bereit ist sich um einen tierischen Lebensgefährten mit Freude und Sorgfalt zu kümmern. Sollte bereits ein vierbeiniger Mitbewohner dem häuslichen "Rudel" angehören, lohnt allerdings die Überlegung, ob man die beiden Leidenschaften "Viech" und "Viecherei", den Hund und das neue Hobby Laufen, miteinander kombinieren kann. Möglicherweise lassen sich auf diese Weise nicht zur zwei Fliegen mit einer Kappe schlagen. Nicht selten genießen sechs Läuferbeine gemeinsam ein Vielfaches des Spaßes, der mit den einzelnen Tätigkeiten - Trainingslauf und Hundegassi - zu erzielen gewesen wäre. Wenn es gelingt Läufer und Hund zu einem harmonierenden Duo zu verschweißen, kommt es zu Lauferlebnissen der besonderen Art. Wie oft, wenn im "Teamwork" am selben Projekt "gearbeitet" wird, ist die Gesamtleistung deutlich mehr als die Summe der Einzelleistungen.

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Welche Hunde eignen sich zum Laufbegleiter?

Es versteht sich von selbst, dass ein paar Voraussetzungen erfüllt und einige Spielregeln eingehalten werden müssen, wenn sich der Laufspaß beidseitig - bei Mensch und Hund - einstellen soll. Unabdingar zunächst, dass der Hund sich zum ausdauernden Laufen eignet. Rasse- und exemplarbedingt muss er schnell und ausdauernd genug sein, um mit seinem Rudelführer Schritt halten zu können. Übrigens vor allem zum gesundheitlichen Besten des Hundes und erst in zweiter Linie, um den Läufer nicht zu behindern. Aussagen zu in Frage kommenden Rassen sollten mit Zurückhaltung betrachtet werden. Sie gelten im Grundsatz, spiegeln auf Basis von Rassemerkmalen eine Tendenz wider. Doch es geht um Lebewesen, nicht um Maschinen. Daher wird es vorkommen, dass ein Exemplar einer geeigneten Rasse, das das Herz seines Menschen erobert hat, nicht "mitspielt", weil ihm schlicht die "Lust" zu längeren Läufen in gleichbleibendem Tempo fehlt. Betrachte deine eigene Spezies: Alle Menschen können ausdauernd laufen, doch nur ein Teil von uns hat daran auch Spaß ... Umgekehrt können auch Vierbeiner aus Rassen als Laufbegleitung "funktionieren", denen man die dazu nötigen Eigenschaften nicht zutraut.

Grundsätzlich eignen sich sehr kleine und größere Hunderassen eher schlecht bis gar nicht als Begleiter beim Laufsport. Zwergrassen (Größenordnung Chihuahua) und entsprechende Mischlinge können nur schwer beim Laufen Schritt halten. Zudem leiden sie eher unter Patellaluxationen als mittelgroße Rassen. Auch bei schweren Hunden ( Größenordnung Berner Senn oder Neufundländer) kann die Belastung für die Gelenke zu Schäden führen. Darüber hinaus leiden Vertreter solcher Rassen eher an Kreislaufproblemen, überhitzen zudem rasch. Hunde kühlen sich ausschließlich über ihren Blutkreislauf. Deshalb ist das Verhältnis zwischen (hechelnder) Zungenoberfläche und der Körpermasse entscheidend für die Langzeitausdauer.

Definitiv ungeeignet für Strecken jenseits Gassilänge sind Hunde mit degenerativen Merkmalen. Dazu gehören vor allem verkürzte Kiefer- und Nasenknochen, die die Atmung (oft hörbar) erschweren. Meist entstammen diese bemitleidendswerten Tiere so genannten Qualzüchtungen. Ganze Rassen sind dort einzuordnen, wie etwa Mops oder Englische Bulldogge. Kein wirklicher Tierfreund wird einen Hund aus einer solchen Züchtung halten! Ausnahme und dann ein Fall von Tierliebe: Übernahme eines solchen Hundes umständehalber aus einem anderen Haushalt oder dem Tierheim. Wer für einen solchen Hund verantwortlich ist, sollte sich darüber im Klaren sein, dass das Tier beim Joggen leidet! Das gilt auch für andere, von unverantwortlichen Züchtern "kreierte" Moderassen, wie die Gruppe der Nackthunde. Fehlendes oder zu dünnes Fell führt rasch zu Sonnenbränden und Verletzungen der Haut. Die Liste ließe sich fortsetzen, zum Beispiel mit verkrüppelten Wirbelsäulen. Manche Rassen sind dafür anfällig, knöcherne Degenerationen können jedoch bei jedem Vierbeiner auftreten. Besteht auch nur der Hauch eines Zweifels, ob der eigene Hund eines oder mehrere Ausschlusskriterien zur Laufbegleitung in sich trägt, sollte man die Lauftauglichkeit bei einem Tierarztbesuch abklären lassen! Wer sich über "Qualzuchtmerkmale" und davon häufig betroffene Rassen informieren möchte, kann dies zum Beispiel unter diesem Link tun.

Eine kritische Gruppe zur Laufbegleitung bilden die Kampfhundrassen. Nicht, weil Vertreter dieser Arten aggressiver oder gefährlicher wären als andere Hunde oder weniger ausdauernd laufen könnten. Wer einen solchen, auch als "Listenhund" bezeichneten Vierbeiner halten möchte, muss bestimmte Auflagen erfüllen. Dazu gehört auch der Maulkorb- und Leinenzwang in der Öffentlichkeit und das Verbot sich an bestimmten Plätzen und Einrichtungen aufzuhalten. Schwerlich vorstellbar wie gemeinsamer Laufspaß mit einem solchen Hund gelingen soll - es sei denn, es handelt sich um einen ausdauernden "Leinenjunkie". Mehr dazu, insbesondere welche Rasse in welchem Bundesland auf der Kampfhundeliste steht, findest du zum Beispiel unter diesem Link.

Wer sich mit der Absicht trägt einen Hund anzuschaffen und ihn in seine läuferischen Aktivitäten integrieren möchte, sollte eine Rasse mit guten Laufeigenschaften wählen. Folgende Rassen eignen sich im Grundsatz gut zur Laufbegleitung:

Zwischen Hunden dieser verschiedenen, zur Laufbegleitung geeigneten Rassen bestehen natürlich Unterschiede im Wesen, die der Halter im Hundealltag berücksichtigen muss. Border Collies zum Beispiel sind mit ein paar gejoggten Kilometern pro Tag nicht ausgelastet. Nicht hinsichtlich ihrer Ausdauereigenschaft und schon gar nicht, was den geistigen Anspruch angeht. Sie wurden zum Schafehüten gezüchtet und wollen - insbesondere in jungen Jahren - intensiv und rassespezifisch anspruchsvoll beschäftigt werden. Wer sich bei der Auswahl rein an Laufeigenschaften, Aussehen ("der ist so süß!") und Größe orientiert, ist schlecht beraten und wird seiner Fürsorgepflicht als späterer "Rudelführer" nur schwer gerecht werden können. Vor dem Gang zum Züchter sollte man sich intensiv mit den Wesensmerkmalen diverser Rassen auseinandersetzen und sich fragen: Passt so ein Hund zu dem Leben, das ich führe? - Wer einem Hund - was grundsätzlich sehr zu begrüßen ist - aus dem Tierheim ein neues Zuhause gibt, sollte seine Laufabsichten dem dortigen Personal mitteilen. Und er sollte sich bei seiner Entscheidung von den Erkenntnissen der Tierpfleger hinsichtlich der Eigenschaften ihrer Pflegehunde leiten lassen.

Doch auch bei sorgfältiger, verantwortungsvoller Auswahl kann die beabsichtigte Laufpartnerschaft fehlschlagen. Jeder Hund entwickelt innerhalb seiner Rassebandbreite eine Persönlichkeit. Letztlich entscheidet dein "Individuum Hund", ob es zum Mitlaufen taugt oder nicht. In dieser Hinsicht gehen am wenigsten Risiko jene Läufer ein, die sich einen schon erwachsenen Hund mit bekannten Eigenschaften anschaffen. Ihn aus einem anderen Haushalt oder einem Tierheim übernehmen. Am größten ist die Unsicherheit, wenn man sich einen Vierbeiner im Welpenalter ins Haus holt. In diesem Zusammenhang sei auch darauf hingewiesen, dass erst der erwachsene Hund (nach etwa einem Lebensjahr) zum regelmäßigen, längeren Training mitgenommen werden darf. Längere Jogging-Runden überlasten einen noch nicht ausgewachsenen Hund. Da Welpen weiche Knochen besitzen, besteht auch die Gefahr der Schädigung des Knochenwachstums und einer Gelenkfehlbildung.

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Welche Bedeutung hat Gehorsamkeitsschulung?

Grundlegendes: Eine Hundepersönlichkeit - also auch das Verhalten als Laufpartner - ergibt sich aus rassebedingter Veranlagung (s.o.), Temperament des Einzelwesens, Bindung an den Hundeführer und genossener Ausbildung (Erziehung). Idealerweise hört der Hund aufs Wort - genauer gesagt auf erlernte Kommandos. Je sicherer er Anweisungen Folge leistet, umso höher ist der Grad an Freiheit, der dem Tier gewährt werden kann. Nachlässig auf Kommandos reagierende Tiere sind weitgehend zu einem Leben an der Leine verdammt, sobald man mit ihnen das Haus verlässt. Dagegen stellen verlässlich abrufbare Vierbeiner weder für sich selbst noch andere Menschen eine Gefahr dar, man kann sie ableinen und mit Worten führen.

Welche Bedeutung die Steuerbarkeit mit Kommandos innerhalb einer sechsbeinigen Laufpartnerschaft gewinnt, ist nicht zuletzt vom individuell ausgeprägten Bewegungsdrang des Hundes abhängig. Vertretern der Schlittenhundfraktion, also Huskys, Alaskan Malamutes, Samojeden und andere Züchtungen, liegt ausdauernde Vorwärtsbewegung bei gleichmäßigem Tempo im Blut (genauer: in den Genen). Überwiegend wird man der Art eines solchen Hundes auch dann gerecht, wenn er während des gesamten Trainingslaufes über Geschirr und Joggerleine mit seinem Hundeführer verbunden bleibt. Für Hunde, deren Gene durch Züchtung einst zum Jagen oder Hüten "optimiert" wurden, führt solches Vorgehen dagegen kaum zu einem vergnüglichen, artgerechten Streifzug. Ihr Bewegungsdrang ist unstet bis explosiv, wird auch häufig von Schnüffelstopps unterbrochen. Vierbeiner mit solchem Wesen werden nur "glücklich", wenn der Hundeführer sie im Gelände ableint, sie folglich "ihr eigenes Ding" im Rahmen des Rudeltrips machen können. Während Kommandoverlässlichkeit für die "Leinenfraktion" eher verzichtbar erscheint, müssen freilaufende Joggingpartner sicher abrufbar sein.

Die oben dargestellen Einschätzungen und Abhängigkeiten sind natürlich nicht in Stein gemeißelt. Unabhängig von seiner Abstammung kann jeder Hund Eigenschaften entwickeln, die eine Begleitung als "Leinenhund" zulassen oder ihr eher entgegenstehen. Und innerhalb der beiden grundsätzlichen Kategorien - "Leinen-" und "Freigänger" - differiert das Verhalten eines vierbeinigen Laufpartners durchaus.

Eigene Erfahrungen: Wir blicken auf Erfahrungen mit zwei Hundedamen zurück, die sich beide als nahezu ideale Laufpartnerinnen entpuppten. Die erste, Laska, wurde von Frauchen im Welpenalter geschult, wodurch sie Schlüsselwörter wie Fuß!, Halt!, Komm!, und andere leicht und fehlerfrei erlernte. Als Vertreterin der Gattung Shetland Sheepdog (Sheltie) war Laska nur bedingt zum längeren Laufen an der Leine geeignet. Das galt umso mehr für ihre Nachfolgerin Roxi, einem Mix aus Australian Shepard und Golden Retriever. Roxi vereinte in sich sowohl Explosivität und Hüteinstinkt australischer Schäferhunde als auch die auf Stöbern basierende Suche nach Beute. Beide begleiteten Trainingsläufe überwiegend freilaufend, was uns bei Roxi anfangs in erzieherische Nöte trieb. Roxi stieß erst im schon ausgewachsenen Alter von anderthalb Jahren zu uns und beherrschte leider überhaupt kein Kommando. Binnen eines halben Jahres wurde Roxi - unter anderem - zur Laufbegleiterin ausgebildet, die aufs Wort hörte. Die härteste Nuss gab uns jedoch Roxis natürlicher Jagdtrieb auf. Doch auch ihre "Ausflüge" - durchaus auch mal eine Viertelstunde in Anspruch nehmend - gewöhnten wir unserem neuen Rudelmitglied ab. Letztlich durften beide Hunde ihren Bewegungsdrang überwiegend freilaufend ausleben.

Laskas Jagdtrieb war nur schwach entwickelt. Ihr fehlte der drängende Instinkt sich beim Queren von Wildwechseln selbständig zu machen. Anderen Hunden schenkte sie nur Aufmerksamkeit, wenn wir ihnen begegneten. Stand ihr der Sinn nach einem sozialen Kontakt mit Artgenossen, ließen wir sie gewähren. Das funktionierte auch beim Laufen: Nach Abschluss des gegenseitigen Beschnüffelns preschte sie in höchstem Tempo und erfreut bellend hinter mir her. War die Strecke nicht weit genug einsehbar, wartete ich zuweilen oder lief stückweit zurück. Laska war auch darauf konditioniert Straßen nicht ohne Freigabe zu überqueren (das klappte natürlich nur dort, wo das "Ding Straße" eindeutig als solches zu erkennen war).

Während also Laska von Schnüffelstopps am Wegrand abgesehen weitgehend "in der Spur" blieb, erwarb sich Roxi von Beginn an den Beinamen "Born to be wild". Voraus- und Hinterherrasen waren stete Zutaten ihrer Laufbegleitung. Auch kurze Ausflüge in den Wald nach aufgenommener Fährte gehörten zu ihrem Repertoire. Nachdem wir ihr aberzogen hatten bei solchen "Gelegenheiten" zu ausgedehnten Streifzügen abzutauchen, war darauf Verlass, dass sie nach Sekunden selbständig zum Rudel stieß und auch jederzeit von der Fährte abließ, wenn sie per Kommando abgerufen wurde. Roxi erwies sich als Läuferin von unverwüstlicher Ausdauer. Kein Training konnte sie ernsthaft ermüden. Die Explosivität und Unerschöpflichkeit ihres Bewegungsdrangs manifestierte sich in jungen Hundejahren nicht selten in Form anlassloser Sprints. Angesichts einer Wiese brach Roxi nicht selten urplötzlich seitwärts aus, raste wie vom Leibhaftigen verfolgt davon, drehte mit "full speed" eine ausgreifende Runde, um sich schlussendlich hechelnd wieder vorm Laufpartner einzureihen - wie schon geschrieben: Born to be wild! Ausraster dieser Art zähle ich zu den schönsten gemeinsamen Lauferlebnissen überhaupt - explodierende Lauflust an meiner Seite!

Die Beschreibung der Eigenheiten unserer Laufbegleiterinnen soll verdeutlichen, dass unsere Hunde meist leinenfrei mit Ines oder mir oder uns beiden unterwegs waren. In dieser Selbstverständlichkeit nur möglich, weil die "Fernsteuerung" mit Worten ein sicheres Führen gewährleistete. Laufbegleitung im Idealzustand, viel Freiheit für den Läufer, mehr noch für den Hund. Mit einem Vierbeiner, der nicht ein Mindestmaß an Erziehung genossen hat, überwiegend das tut, was ihm Nase, Augen und Instinkt eingeben, kann ich mir vergnügliches Joggen nicht vorstellen. Noch weniger methodisch ausgerichtetes Lauftraining, dessen Inhalte (unter anderem Dauer und Tempo) von einem Trainingsplan vorgegeben sind. Hundeerziehung kann zum mühsamen Geschäft ausarten, je nach Gelehrigkeit des Tieres. Ein Aufwand den manche Halter aus Zeitmangel scheuen, der bei anderen infolge Unkenntnis dazu nötiger Vorgehensweisen unterbleibt. Leider bilden schlecht ausgebildete, permanent über eine Leine an der Hand ihres Menschen fixierte Hunde noch immer die Regel. Doch gerade Läufer sollten den Lohn einer guten Ausbildung bedenken: Mehr Freiheit für beide Laufpartner, vor allem für deinen Hund, der als domestiziertes Tier nicht selbstbestimmt leben darf!

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Entspricht Dauerlauf "artgerechter Haltung"?

Ja und Nein. Ja, weil gesunde Hunde es lieben im Freien zu toben und mit ihren Menschen gerne gemeinsam unterwegs sind. Nein, weil monotoner Dauerlauf hündischen "Interessen" in vielen Fällen zuwiderläuft. Sehr viele Vierbeiner wollen schnüffeln, dazu stehen bleiben und im Grunde die Richtung der Fortbewegung spontanen Impulsen ihres instinkt-geführten Hundehirns überlassen. Wie oben schon erläutert entspricht es der Natur nur bestimmter Hunde (überwiegend Vertreter bestimmter Rassen) aus eigenem Antrieb längere Zeit mit konstanter Geschwindigkeit und wenigen Richtungswechseln unterwegs zu sein. Einerseits wollen sich beide bewegen, Herrchen und Hund, andererseits differieren ihre Bedürfnisse in der Art und Weise wie der Lauf gestaltet sein soll. Ein Dilemma, das eine gute Ausbildung als Voraussetzung für die verlässliche, leinenfreie "Fernsteuerung mit Worten" auflösen kann. Das Tier hat abgeleint die Möglichkeit sein Tempo zu variieren, in Höhe attraktiver "Adressen” zu schnüffeln, bei Artgenossen kurz zu verweilen, auch mal an einem Bach zu saufen oder andere hündische Bedürfnisse zu befriedigen. Derweil setzt der Läufer sein Training ohne Beeinträchtigung fort. Solches Vorgehen wahrt die Interessen von Läufer und vierbeinigem Laufpartner gleichermaßen.

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Tipps für das Laufen mit Hund

Ab welchem und bis zu welchem Alter kann mich mein Hund begleiten?

Rein läuferisch betrachtet gliedert sich ein Hundeleben in drei Phasen: Nur ausnahmesweise und für ein paar Minuten darfst du deinen Welpen zum Dauerlauf animieren. Wie oben erläutert fehlt ihm noch Ausdauer, vor allem aber die erforderliche Festigkeit des Skelettsystems. Zu viel monotone Bewegung kann zu Wachstumsschäden führen.

Den erwachsenen Hund* solltest du - wie einst dich selbst - als "Laufeinsteiger" betrachten und stufenweise an längeres Laufen gewöhnen. Mit welcher Steigerungsrate dabei vorgegangen werden kann, lässt sich nicht verallgemeinern. Neben der sukzessiven Verlängerung der Laufdauer gilt es auch das begleitende Prozedere einzuüben und zu automatisieren. Zum Beispiel den Hund zu "ruckelfreier", gleichmäßiger Bewegung ("durchhängende Leine!") an deiner Seite zu erziehen, so lange ihr über eine Leine gekoppelt seid. Es geht um Laufbegleitung, nicht darum wie im Hundeschlittensport durch die Gegend gezogen, geschleift oder gerissen zu werden. Auch zu erproben, ob und wie sicher die Kommandopalette abgeleint beherrscht wird. Wenn du mit Hund läufst, vereinst du zwei Rollen in dir: Läufer und Hundeführer. Wobei zum Besten deines Hundes und anderer Menschen die Aufgabe des Hundeführers stets Vorrang haben muss. In deiner Eigenschaft als Hundeführer solltest du die Komplexität möglicher Situationen, in denen du auf Kommandos zurückgreifen musst, langsam steigern. Angeleint beginnen und enden, erst abseits viel begangener Wege oder verkehrsreicher Straßen den Freilauf erlauben. In dich selbst und die Verlässlichkeit deines vierbeinigen Begleiters erstarkendes Vertrauen wird dir nach und nach erlauben die leinenfreie Zeit zu verlängern.

*) Kleine bis mittelgroße Hunde sind mit etwa einem Jahr ausgewachsen. Bei großen Hunden kann der Wachstumsprozess allerdings auch bis zu zwei Jahren betragen. Im Zweifelsfall entweder den Züchter oder einen Tierarzt befragen!

Der ältere Hund wird das Schwinden seiner Lauffähigkeit signalisieren; mit Zeichen, die du nicht übersehen darfst. Ungewohnte Lustlosigkeit und frühzeitiges Ermüden können ebenso dazu gehören, wie Änderungen der Gewohnheiten. Beispiel: Über mehrere Jahre bildete Roxi stets die Vorhut. In einer mehrmonatigen Übergangsphase änderte sie ihr Verhalten, lief immer häufiger hinterher. Was längst nicht bedeutete, dass sie nicht mehr kann oder mag. Ersichtlich an der Tatsache, dass sie heimwärts, der Belohnung mit dem üblichen Leckerchen entgegen, dann doch wieder vorauseilte. Dennoch waren Übergang ins Seniorenalter und in dessen Folge schwindende Ausdauer unschwer an dieser Verhaltensänderung ablesbar. Niemand kennt die Grenzen deines in mittleren Jahren voll leistungsfähigen Hundes besser als du. Wenn er zu altern beginnt, nimmst du durch Verkürzung seiner Laufdauer Rücksicht. Dabei gilt es natürlich zu bedenken, dass sich der Alterungsprozess deines Hundes um ein Vielfaches schneller vollzieht als dein eigener!

Wie erlebten wir die Entwicklung der Laufbereitschaft unserer alternden Hunde? - Unsere erste Hündin Laska war in ihren letzten Lebensjahren taub und konnte uns auch aus diesem Grund nur noch örtlich eingeschränkt zu Läufen begleiten. Sie zeigte als Seniorin auch zunehmend weniger Interesse an solch flotten "Gassis". Zuletzt verschlief sie unser Lauftraining friedlich und zufrieden in irgendeiner Ecke ... - Roxis exorbitante Dauerlauffähigkeiten erfreuten uns auch bei Wettkämpfen. Keine Distanz schien für sie zu weit. Als Roxi dann im Training* begann hinterher zu laufen, begrenzten wir ihren Wettkampfradius zunächst auf "maximal Marathon". In ihr 13. Lebensjahr fiel schlussendlich die Entscheidung Roxis "Wettkampfkarriere" zu beenden. Seitdem begnügen wir uns mit kürzeren Läufen, bei denen sie jedoch ein ums andere Mal beweist, wie gerne und weit sie noch laufen kann.

*) Bei Wettkämpfen stellte sich Roxis Senoirenverhalten bis zuletzt völlig anders dar. Wie als junge, ungestüme Hündin und voll mit Adrenalin preschte sie vom Start weg voraus oder warf sich in die Leine, wo diese erforderlich war. Ihr (vermutlich vom Jagd- oder Hüteinstinkt induzierter) Drang einem großen Rudel aus vielen Menschen zu folgen, könnte jedoch sich anbahnende Überlastungen des älteren Hundes überdecken. Daher die Entscheidung künftig keine Wettkämpfe mehr mit ihr zu bestreiten.

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Was gilt es beim gemeinsamen Laufen zu beachten? Zum Beispiel hinsichtlich ...

... des Leinenzwangs? - Die Leinenpflicht ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Jeder Hundehalter und Läufer mit Hund muss folglich ortsbezogen prüfen, ob er seinen Hund teilweise oder durchgehend ableinen darf. Verstöße gegen die Leinenpflicht können theoretisch mit hohen Bußgeldern geahndet werden. Rein praktisch wurden wir noch in keinem Bundesland auf unseren fast immer freilaufenden Hund auch nur angesprochen, geschweige denn gemaßregelt*. Das wird höchstwahrscheinlich auch unterbleiben, so lange der Hund keine Passanten belästigt, stattdessen erlernten Kommandos folgt und jederzeit sicher an der Seite des Läufers fixiert werden kann. Übrigens gibt es in manchen Städten die Möglichkeit eine Befreiung vom Leinenzwang zu erwirken. Voraussetzung dafür ist eine nach Ausbildung abgelegte, amtlich anerkannte Begleithundeprüfung (BH).

... der Fütterung? - Mit vollem Magen läuft man nicht. Das gilt für Menschen gleichermaßen wie für Hunde. Mindestens eine Stunde sollte zwischen Fütterung und Aufbruch zum Lauf vergangen sein. Natürlich spricht nichts dagegen hie und da mit einem Leckerchen zu belohnen. Was den Durst deines Laufpartners angeht, solltest du daran denken, dass Tiere nicht "vorsorgen". Sie beginnen zu leiden, sobald der Durst einsetzt und wollen genau dann ans Wasser. Deshalb solltest du die Möglichkeit zu trinken bei der Planung längerer Strecken berücksichtigen.

.... der "Hinterlassenschaften des Hundes"? - Wer möglichst ohne Zwischenstopps laufen möchte, sollte vorab gehend ein paar Minuten in das Hundegassi, die Entleerung seines Begleiters investieren. Vor allem zivilisationsnah, wo der Hundekot eingesammelt und in Sammel- oder Abfallbehälter entsorgt werden muss. Erkenntlich ist die Notwendigkeit entweder am aufgestellten Kottütenspender oder mit gesundem Hundehalterverstand. Es empfiehlt sich auch unterwegs stets eine Tüte dabei zu haben. Ein verzögert erledigtes Hundegeschäft lässt sich dann aufnehmen und nach ein paar in Gegenrichtung gelaufenen Minuten im Abfallbehälter deponieren. Möglich ist auch die gefüllte Tüte am Wegrand zwischenzulagern und auf dem Rückweg zu entsorgen. Für vergessliche Menschen allerdings eine eher fragwürdige Vorgehensweise.

... Hitze? - Grundsätzlich kommen wir Menschen mit Hitze besser zurande als Hunde, weil wir uns schwitzend kühlen. Hunde hecheln, um überschüssige Körperwärme über ihre gut durchbluteten Schleimhäute in Fang (Maul) und Rachen loszuwerden. Daran wie weit die Zunge heraushängt und mit welcher Frequenz dein Hund hechelt kannst du den Grad seiner Überhitzung einschätzen. Das Aufheizen und davon ausgehend wachsende Trägheit sind von Eigenschaften wie Fell, Fellfarbe, Verhältnis Zungenfläche zu Körpermasse und anderen abhängig. Im Hochsommer empfiehlt es sich in die Morgen- oder Abendstunden für einen Lauf auszuweichen. Ist das nicht möglich oder nicht gewünscht, dann wählst du die Strecke so, dass deine vierbeinige Begleitung sich in Bächen oder stehenden Gewässern abkühlen kann. Meide dabei Fischweiher und Badestrände mit Hundeverbot! Im Zweifelsfall lieber ein Badestopp mehr als einer zu wenig. Verweigere deinem Hund das Bad nicht, wenn es ihn zum Wasser zieht! In solcher Umwelt haben seine Bedürfnisse Vorrang vor deinen.

... Kälte? - Viele Hunde zeigen sich von Kälte eher unbeeindruckt. Ihr Fell aus Grannen- und "kuscheligen" Wollhaaren schützt sie zuverlässig gegen Wärmeverlust. Eine Ausnahme bilden Züchtungen, die nur wenig Wollhaar besitzen. Du kennst deinen Hund und damit auch eventuelle rasse- oder exemplarbedingte Empfindlichkeiten, wirst ihn, falls erforderlich, mit Bekleidung schützen.

... Läufen auf verschneitem Boden? - Zwischen Ballen und Zehen des Hundes wachsen Haare, an denen sich beim Laufen auf Schneeboden nicht selten vereiste und schmerzhaft drückende Klumpen bilden. Dein Vierbeiner wird dich darauf aufmerksam machen, wenn er sich in den Schnee wirft und mit den Zähnen versucht die eisigen Plagegeister loszuwerden. Du kannst ihm in der Akutsituation helfen und die Klümpchen entfernen. Um eisige Anhaftungen vorbeugend zu vermeiden, empfiehlt es sich die Haare zwischen den Ballen kurz zu halten und die Pfoten vor dem Lauf mit Vaseline, Melkfett oder einer im Fachhandel erhältlichen Pfotenschutzcreme einzufetten.

... der Laufstrecke? - Nicht zu weit und nach Möglichkeit abseits asphaltierter Wege. Damit schützt du deinen Hund vor Übermüdung und einer zu hoher Belastung seines Skelettsystems. Auch Verletzungen an den Pfoten lässt sich so vorbeugen. Kaum eine andere Empfehlung weist jedoch abhängig von Rasse, Alter und individuellen Eigenschaften eine so große Bandbreite auf wie Streckenempfehlungen. Beispielsweise werden dich so gut wie alle entsprechenden Ratgeber dazu anhalten Asphalt (Straße/Radwege) zu meiden. Angeblich, weil Asphalt die Gelenke übermäßig belastet, zum anderen weil Hunde sich auf Asphalt ihre Pfoten leicht verletzen können - wieder angeblich. Dabei ist beides "relativ". Wenn du mit deinem Begleiter Cross- oder Trailstrecken läufst, wird er wo immer möglich Höhenunterschiede durch beherzte Sprünge überbrücken. Dabei ist die Gelenkbelastung um ein Vielfaches höher. Und es hängt vom Hund ab, ob und wie viele Straßenkilometer die Lederhaut der Ballen schädigen. Mit Roxi war ich sehr häufig auf Asphaltstrecken unterwegs. Zum Beispiel auch jedes Jahr anlässlich eines Marathonlaufes in Österreich, der zu mehr als 80 Prozent auf Nebenstraßen zu laufen war. Unsere Hunde hatten zu keinem Zeitpunkt Pfotenprobleme.

... Zonen, die man meiden sollte? - Wo du nicht laufen magst, aus welchem Grund auch immer, wirst du fernbleiben. Dein Begleiter auf vier Pfoten kann es sich nicht aussuchen, hat aber unter Umständen starke Abneigungen gegen bestimmte Orte oder auch Einrichtungen. Beispiel: Seit unsere Roxi an einem Weidezaun einen brutalen Stromschlag erlitt, geht sie der Kombination aus Drahtzaun und Dunggeruch aus dem Weg. Versucht abseits im Gelände zu laufen, zumindest aber auf der gegenüberliegenden Wegseite. Denkbar wäre auch, dass dein Hund nach einem Angriff durch einen anderen Hund bestimmte Zonen ängstlich durchquert. Das muss nicht notwendigerweise diejenige des Angriffs sein. Soweit möglich solltest du Orte meiden, die deinen Hund ängstigen, auf jeden Fall aber vorbereitet sein und ihn dort zu seiner eigenen Sicherheit anleinen. Bewusst mit Training solche Ängste des Hundes zu überwinden wäre natürlich die bessere Lösung. Allerdings wirst du dafür einige Mühe und Zeit aufwenden, unter Umständen auch die Hilfe eines professionellen Hundetrainers in Anspruch nehmen müssen.

... der Versorgung nach dem Lauf? - Möglicherweise hat dein Begleiter nach dem Rudeljogg Hunger, wahrscheinlich Durst. Ob du ihm Futter anbietest oder ein Leckerchen spendierst hängt eher von seinen Fresszeiten allgemein und euren Gewohnheiten ab. Ein ausreichend gefüllter Wassernapf sollte jedoch auf jeden Fall bereitstehen. Ich halte nichts davon den Hund nach jedem Lauf routinemäßig auf Blessuren zu untersuchen. Wenn er sich beispielsweise an einer Pfote verletzte, dann wirst du das an seinem Verhalten erkennen können, weil er die Stelle unermüdlich belecken wird. Und dahin geht dann auch mein Rat: Zeigt dein Hund nach einem Lauf Verhalten das vom Üblichen abweicht, dann gehe der Ursache auf den Grund. Damit sich Verletzungen nicht entzünden, solltest du den Hund einem Tierarzt vorstellen.

... der Trainingsmethoden? - Trainingspläne kennen auch Intervall- und Wiederholungsläufe, Fahrtspiele und andere Methoden, die auf Tempowechsel setzen. Selbst wenn Tempowechsel in festen Zeitintervallen erfolgen, ist Hundebegleitung möglich. Auf welche Weise das geschieht und wie Herrchen und Hund dieses "Spiel" praktisch umsetzen, hängt natürlich von der zwischen beiden bestehenden Bindung ab. Intervallläufe treiben den Trainierenden nicht selten in seinen physischen Grenzbereich. Wer seinen Hund nicht zu hundert Prozent und unter jeder Belastung sicher kontrollieren kann, sollte ihn zu Hause lassen.

... der Kontakte zu Artgenossen? - Die Zahl der Hunde/Hundehalter hat im letzten Jahrzehnt für jeden sichtbar zugenommen. Sprunghaft noch einmal während der Corona-Pandemie. Zumindest in der Nähe von Wohngebieten werdet ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Gassigeher treffen. Dein/euer Verhalten anlässlich einer solchen Begegnung hängt natürlich davon ab, wie es um die Sozialisierung deines Vierbeiners bestellt ist. Hunde, deren natürliches Verhalten gegenüber Artgenossen nicht "verkorkst" wurde, werden sich instinktiv "richtig" verhalten. Richtig bedeutet "der Gattung Hund entsprechend", jedoch nicht zwingend "wie von dir oder dem anderen Halter gewünscht". Mögliche Wünsche der Menschen können sein: "kontaktlos weiterlaufen" oder "möglichen Sozialkontakt wahrnehmen". Hündischer Instinkt mündet in vier mögliche Reaktionen: "Aversion ohne Aggression", "Aversion mit Aggression", "Desinteresse", "Kontaktaufnahme". Meist darf man den Ablauf der Begegnung den Hunden überlassen. Denn weder ist es sinnvoll Hunde, die sich - hier im wahren Sinne des Wortes - nicht riechen können, zum gegenseitigen Beschnüffeln zu animieren, noch sollte man einen sich anbahnenden sozialen Kontakt mit Artgenossen unterbinden. Es sei denn, der andere Halter signalisiert seine Ablehnung. Ein- oder gegenseitige Ablehnung der Vierbeiner kann von Knurren oder Zähnefletschen begleitet sein. Solches Verhalten ist Teil hündischer Kommunikation und kann getrost toleriert werden. Auch Menschen, die sich begegnen und Anstoß aneinander nehmen, sagen sich die Meinung ... Selbst eine kurze Keilerei bleibt infolge Beißhemmung in den meisten Fällen folgenlos. Dazwischengehen ist erforderlich, wenn die Vierbeiner nicht voneinander ablassen. Ernsthafte Beißereien bilden die seltene Ausnahme.*

*) Einen solchen Fall haben wir in mehr als 20 Gassi- und Laufjahren mit Hund nur einmal erlebt. Dabei stürzte sich ein stärkerer, abgeleinter Hund ohne Vorwarnung auf Roxi, die sich in den Fang des Angreifers verbiss, weil sie sich so am besten schützen konnte. Durch beherztes aber vorsichtiges Eingreifen konnte ich die Hunde trennen. Für solche Situationen gibt es außer "Ruhe bewahren und Tiere irgendwie trennen" kein Patentrezept.

... der erforderlichen Ausrüstung? - Wer ausschließlich tagsüber und in der Regel abgeleint unterwegs ist, braucht keine zusätzliche Ausrüstung. Es genügen Halsband und die zur Sicherheit mitgeführte Leine. Laufduos, die weitgehend mit Leinenverbindung joggen, möchte ich die Anschaffung einer Joggerleine empfehlen. Am Läuferende wird die Leine wie ein Gürtel um die Hüfte getragen. Hinweis: Wenn man schon Geld für ein solches Accessoire ausgibt, dann sollte der Kauf alle möglichen Bedürfnisse abdecken: In die Leine sollte ein Ruckdämpfersystem integriert sein und am Gürtel eine Tasche für Kotbeutel, Leckerchen, Schlüssel - was auch immer. Willst du deinen Hund phasenweise ableinen, dann achte beim Kauf auf die Möglichkeit die Leine einfach vom Gürtel lösen und in der Gürteltasche verstauen zu können. Zum Laufen in der Dämmerung und im Dunkeln empfiehlt sich der Einsatz eines LED-Leuchthalsbandes. Übrigens auch, wenn ihr angeleint unterwegs seid, weil Passanten deinen Begleiter sonst nicht wahrnehmen, folglich über ihn stolpern oder sich heftig erschrecken könnten.

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Andere Hundesportarten

Nicht alle Hunde und übrigens auch nicht alle Hundeführer entwickeln sich zu passionierten Langläufern. Noch einmal sei an Hundepersönlichkeiten erinnert, die sich ausdauernder, monotoner Vorwärtsbewegung widersetzen. Das kann tatsächlich so aussehen, dass der als Laufpartner ausersehene Vierbeiner sich am Wegrand niederlegt und nur widerwillig - wenn überhaupt - zum Mitlaufen bewegt werden kann. Auf gescheiterte Laufduos warten jedoch andere Hundesportarten, die das Hundehirn auf vielfältige Weise fordern und deshalb vielleicht eher willkommen sind. Auch der Hundeführer wird gefordert, allerdings von Hundesportart zu Hundesportart in unterschiedlicher Weise. Die weitest verbreiteten Hundesportarten sollen im Folgenden kurz erläutert werden. Begonnen wird mit Diszplinen, die läuferisch die höchsten Ausdaueranforderungen stellen.

Geländelauf mit Hund und CaniCross

In beiden Sportarten bezwingen Hundeführer und Hund, die über eine flexible Leine miteinander verbunden sind, eine Strecke im Gelände. Es handelt sich um Turniersportarten mit festen Regeln. Beim Geländelauf mit Hund sind feste Streckenlängen (1.000, 2.000 oder 5.000 m) vorgegeben. CaniCross kennt keine starren Streckenformate, darüber hinaus sind die Zugangsvoraussetzungen weniger streng (u.a. ist keine Begleithundeprüfung erforderlich). Canicross wird mit einem oder zwei Hunden gelaufen. Außerdem gibt es Starts für Walker, Mountainbiker oder auf so genannten "Dogscootern", einer Art Tretroller.

Beide Sportarten stellen hohe Anforderungen an die Ausdauer von Herrchen und Hund, bieten folglich Hunden (oder Hundeführern) mit Jogging-Unlust keine wirkliche Alternative.

Turnierhundsport

Unter dem Oberbegriff Turnierhundsport verbergen sich mehrere, vom DVG (Deutscher Verand der Gebrauchshundsportvereine) und DHV (Deutscher Hundesportverband)* mit Regelwerk definierte Disziplinen. Das Ganze lässt sich mit menschlicher Leichtathletik vergleichen, da neben einzelnen von Ausdauer, Schnelligkeit und Geschicklichkeit getragenen Diszplinen auch Mehrkämpfe gefordert werden - jeweils für ein Duo "Mensch-Hund". Neben Hindernislauf und dem oben schon erwähnten Geländelauf, gibt es noch Drei- und Vierkampf, CSC (Comination-Speed-Cup), Shorty und K.O.-Cup. Näheres zum Turnierhundsport erfährst du auf der DVG-Seite.

Auch der Turnierhundsport fordert von Hundeführer und Hund gute körperliche Voraussetzungen.

*) Dachverband für alle Belange, Hundezucht und Hundesport, ist der VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen), der Deutschland international repräsentiert und vertritt.

Agility

Der Hund überwindet so schnell er kann verschiedene Hindernisse in einem Parcours. Der Sport hat Ähnlichkeit mit Springturnieren im Pferdesport. Der Hundeführer begleitet seinen Hund durch den Parcours, überwindet jedoch selbst die Hindernisse nicht. Die eigentliche Leistung des Duos wird im Training erbracht, wo das Überwinden der unterschiedlichen Hindernisse mit dem Vierbeiner erarbeitet und eingeübt werden muss. Hindernisse sind: Laufsteg, Wippe, Schrägwand, Slalom, fester und Stofftunnel, Reifen und ein Weitsprung. Wie die Hindernisse kombiniert werden bleibt der Fantasie des Kampfrichtes überlassen, lediglich zwei Richtungswechsel sind vorgeschrieben. Streckenlänge und Mindestgröße des Parcours sind festgelegt. Mehr zu Agility auf den Seiten des DVG und VDH.

Hoopers

Wie beim Agility-Sport gibt es einen (hier weitläufigen) Parcours mit Hindernissen, die vom Hund zu überwinden sind. Dazu gehören jedoch keine Sprünge, was den Sport für Hunde empfiehlt, die wegen körperlicher Einschränkungen nicht springen sollen. Der Hundeführer läuft im Unterschied zu Agility nicht mit, er lenkt seinen Hund mit Sicht- und Hörzeichen (Hoopers auf der DVG-Seite).

Treibball

Acht Gymnastikbälle liegen in einer Entfernung von 20 Metern im Dreieck angeordnet. Akustisch von seinem Hundeführer gelenkt treibt der Hund die Bälle mit Schnauze und Körper so schnell wie möglich in ein Tor. Entscheidend für den Erfolg ist das Geschick des Hundes sowie das Zusammenspiel zwischen Mensch und Hund auf der Basis perfekt trainierter Kommunikation (Infos zu Treibball auf der DVG-Seite).

Dogdancing

Was in der Vorstellung ein wenig zum Lachen reizt, erweist sich in der Praxis als sehr anspruchsvolle Aufgabe, wo in Perfektion ausgeführt auch mit künstlerischem Anspruch. Mensch und Hund bewegen sich entsprchend einer ausgearbeiteten und in vielen Stunden trainierten Choreografie zu ihrer Musik. Talent oder gar Vorerfahrung in Disziplinen wie Bodenturnen oder Rhythmischer Sportgymnastik sind von Vorteil. Ähnlich wie bei menschlichen Tanzpaaren kommt es zwischen Mensch und Hund auf perfektes Timing und blindes Verständnis an. Dogdancing kennt Disziplinen wie Heelwork to music (HTM) und Freestyle. Die Nase vorn hat dasjenige Duo, das nach Addition von artistischer und technischer Note den besten Wert erzielt (Dogdancing auf der DVG-Seite).

Dog-Frisbee

Im Mittelpunkt dieser Sportart steht das Fangen und/oder Apportieren von Frisbee-Scheiben, die der Hundeführer wirft. Im Freestyle dreht sich alles um den spielerisch artistischen Umgang von Mensch und Hund mit der Scheibe. Zu einer selbst gewählten Musik wird eine zweiminütige Kür mit diversen Wurftechniken und trickreicher Bewegung des Hundes vorgeführt. Bei den Disziplinen Mini-Distance und Long-Distance geht es um Wurfgenauigkeit, Schnelligkeit und Anzahl der apportierten Würfe (Dog-Frisbee auf der DVG-Seite).

Flyball

Beim Flyball überwinden zwei Hunde einer Mannschaft im Staffellauf vier Hürden, wobei sie Bälle apportieren, deren Abwurf sie selbst an einer Ballwurfmaschine ausgelöst haben (Flyball auf der DVG-Seite).

Obedience und Rally Obedience

Wie der Name sagt stehen bei Obedience Gelehrigkeit und Gehorsam des Hundes im Mittelpunkt. Obedience Prüfungen verlangen vom Hund die Ausführung von Kommandos auf Distanz zu seinem meist stehenden Hundeführer. Im Gegensatz dazu arbeitet das Mensch-Hund-Duo bei Rally Obedience diverse Gehorsamsübungen im Rahmen eines Parcours ab (Obedience und Rally Obedience auf der DVG-Seite).

Weitere Hundsportarten

Wettkämpfe gibt es auch in Disziplinen, bei denen Fähigkeiten von ausgebildeten Gebrauchshunden geprüft werden. So etwa im Rettungshundesport, dem Mantrailing oder dem Mondioring (Infos dazu auf der DVG-Seite).

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Laufen mit Laska - Nachruf auf eine vierbeinige Laufkameradin

Ein Teil der "Schuld" trifft unsere erste Hündin Laska. Schuld woran? - Wer weiß, ob Udo je zu einem Marathon angetreten wäre, hätte ihn Laska nicht in den Jahren davor auf unzähligen Joggs begleitet. Nicht mehr in ihren letzten Lebensmonaten, da fehlte ihr die Ausdauer. Laska gehörte zur Rasse der Shetland Sheepdogs (Sheltie) und wurde über 16 Jahre alt. Am 15. Mai 2006 - einen Tag nach Udos noch immer geltender persönlicher Bestzeit beim Prag Marathon - mussten wir sie gehenlassen. Zum Marathon in Prag begleitete sie uns noch, konnte aber nicht mehr stehen, fraß seit drei Tagen nichts mehr, verschmähte selbst Wasser. Hunde wollen fressen, müssen Wasser saufen und haben Spaß am Gassigehen. Laska, die unermüdliche Läuferin, war zu alledem nicht mehr fähig. Ihre Uhr war abgelaufen und so konnten wir ihr nur noch die Gnade eines raschen und schmerzfreien Abschieds schenken.

Wie fing es an? - Von Beginn ihres erwachsenen Hundelebens an verband ich meine Joggingleidenschaft mit Laskas rassebedingtem Bedürfnis nach viel Bewegung. Jeder Läufer kennt die Situation: Die Vernunft sagt „Lauf!” und das Gefühl antwortet "Bei dem Mistwetter hab' ich keine Lust!” Einem Hundehalter kann es jedoch egal sein, ob er sich joggend oder Gassi gehend den Elementen aussetzt. Auf dieser Basis intensivierte und verstetigte Laska mein Training, es trieb mich häufiger in Laufschuhen nach draußen.

Viel erlebt haben wir dabei auch: Einmal blieb Laska zum Wassersaufen am Bach ein wenig zurück. Darüber machte ich mir keine Gedanken, weil sie mich bei ähnlichen Anlässen nach kurzer Zeit wild kläffend ein- und überholte. Doch an diesem Tag blieb das Manöver aus. Ich rannte zurück, um nach ihr zu sehen. Weg war sie! Ich war an einer Kreuzung geradeaus gelaufen, Laska offenbar rechts abgebogen. Ich raste hinterher ohne sie einholen zu können. Kehrte dann zum Auto zurück und fuhr mit Panik im Herzen und verbotenerweise, was mir aber herzlich gleichgültig war, bekannte Waldwege ab. Ohne Erfolg ... Stunden später und der Verzweiflung nahe fand ich sie auf einem weiter entfernten Parkplatz, auf dem wir oft zu unseren Läufen gestartet waren. Dort lag sie und wartete voller Vertrauen darauf abgeholt zu werden! Gottlob, ich hätt’ mich sonst nicht recht heim getraut zu Frauchen. Was mir noch lange danach eisige Schauer über den Rücken jagte, war die Tatsache, dass Laska eine der meistbefahrenen Straßen im Landkreis überquert haben musste, um zu diesem Parkplatz zu gelangen ...

Hin und wieder "fingen" wir andere Hunde ein, wurden sie zum Glück aber immer wieder an ihre Besitzer los. Auch, wenn das bisweilen erforderte, in eine völlig andere Richtung als der beabsichtigten zu laufen. Meist war schon von weitem ein verzweifelt rufender, wild gestikulierender Hundebesitzer auszumachen.

Frauchen nutzte Laskas Begleitservice selbstverständlich auch. Ihr und mir gab es ein gutes Gefühl, wenn der "gefährliche Kampfhund" sie in einsamen Gefilden beschützte. Einen harmloseren Hund als Laska kann es zwar kaum geben. Das wussten aber nur Frauchen, Herrchen, Verwandte und Freunde. Potenzielle Täter jedoch - so sie irgendwo gelauert haben sollten - mussten mit Laskas Beißabwehr rechnen.

Laska war - wie sicher viele Vierbeiner - ein universelles Bewegungsgenie mit unverwüstlicher Ausdauer. Selbst bei langen Radtouren konnte sie einen Großteil der Strecke laufend zurücklegen, wurde von Frauchen nur abschnittsweise in den Korb gehievt, um ein paar Minuten auszuruhen. Auf unseren Bergtouren stockte uns ein ums andere Mal der Atem, wenn sie steile und gefährliche Routen im Fels, für die wir Menschen mehrere Minuten vorsichtigen Kletterns benötigten, geschickt und beherzt mit ein paar Sprüngen überwand. Lediglich mit Leitern und Eisen versicherte Felspassagen konnten sie stoppen. Über diese Hindernisse ließ sie sich völlig bewegungslos unterm Arm tragen oder im zuvor leer geräumten Rucksack verstauen ...

Zu spät fiel mir auf, dass nur ein Foto von gemeinsamen Läufen existiert: Darauf begleitet Laska Ines zu einer Joggingrunde. Meine zahllosen Läufe mit ihr blieben sämtlich undokumentiert. Neben vielen Erinnerungen an gemeinsame Stunden und Erlebnisse blieb in mir ein Gefühl der Dankbarkeit zurück. Laska bereicherte nicht nur allgemein unser Leben, sie brachte Ines und mich auch in läuferischer Hinsicht voran.

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Laufen mit Roxi

Den Start ins Dreier-Rudel-Leben verkündete ich 2009 mit folgender Notiz:

Ab jetzt läuft Roxi mit!

Fast drei Jahre haben wir es ohne vierbeinige Begleitung auf den Lauf- und Fahrradstrecken ausgehalten. Ab jetzt läuft Roxi mit. Roxi ist knapp zwei Jahre alt. In ihr mischen sich die besten Eigenschaften der Rassen Golden Retriever (Vater) und Australian Shepherd (Mutter). Ihr bisheriges Zuhause im Harz musste sie aufgeben, weil Frauchen und Herrchen ihren Bewegungsdrang aus beruflichen Gründen nicht mehr befriedigen konnten. Als vorbildliche Tierfreunde und schweren Herzens suchten sie für Roxi ein neues Heim.

Die Bilder unten entstanden bei einem Spaziergang; die oberen zeigen Ines und Roxi beim ersten gemeinsamen Lauf. Mir blieb leider nur die Rolle des "Fotoreporters", weil ich verletzungsbedingt noch eine Weile zuschauen muss ... Ines meinte danach nur: "Roxi läuft mit, als hätte sie nie etwas anderes getan ..." Schon anlässlich der ersten Spaziergänge waren wir überrascht, meistenteils ohne Leine auszukommen. Es lässt sich gut an! Wir hoffen, Roxi wird sich bei uns wohlfühlen!

 

Unser Leben mit Roxi war und ist reich an beglückenden, wunderbaren Momenten und Erlebnissen. Doch die in obenstehenden Zeilen anklingende Euphorie der ersten Tage war verfrüht. Als das schwarzbefellte "Überraschungspaket" zu uns stieß, fehlte ihm jegliche Erziehung. Ihre Integration ins Dreier-Rudel war ein von Rückschlägen begleitetes, Nerven aufreibendes Stück Arbeit. Mehrere Monate schulte Ines die schon ausgewachsene Hündin, bis sie die Sitz-Platz-Fuß-Kommandopalette endlich verlässlich beherrschte. Parallel dazu mussten wir ihr beibringen alleine zu bleiben, was sie in den ersten Wochen nicht mal eine Minute lang ohne Jaulen und Bellen tolerierte. Leinenführigkeit fehlte völlig. Abhilfe in dieser Hinsicht brachte erst die Anleitung durch einen professionellen Trainer - nach und nach. Ein gewaltiges Problem für gemeinsame Joggs war ihr Trieb Fährten zu verfolgen. Mehrmals verschwand sie in den ersten Wochen seitlich im Unterholz. Wir lernten, dass sie exakt an derselben Stelle wieder auftauchen würde, an der sie verschwand. Und Roxi lernte, dass ihr Rudelführer auf dieses Verhalten extrem sauer reagiert und sie nach Rückkehr maßregelt. Entschlossen körperlich maßregelt, so wie das Hundemütter mit ihren Welpen tun, wenn sie vom gewünschten Verhalten abweichen. Immer wieder waren wir in dieser Zeit der Verzweiflung nahe, bis Roxi nach einigen Monaten ihr Erziehungsdefizit aufgeholt hatte.

Welche Mühe und wie viel Ärger uns Roxi zu Anfang bereitete, mag jedem, der sich mit dem Gedanken trägt aus Liebe zum Tier einen Hund ins Haus zu nehmen, noch einmal Anlass sein diese Absicht zu überdenken. Sich vor allem keinerlei Illusionen darüber hinzugeben, was von ihm verlangt werden wird. Zum harmonisch "funktionierenden" Rudel zusammenzuwachsen erfordert dauernde Zuwendung und intensive Ausbildung. Beides bedeutet vor allem eins: Viel Zeit für den Vierbeiner aufwenden! Wer diese Zeit nicht hat oder wer sich die Mühe nicht machen will, darf sich auf keinen Fall ein Tier ins Haus holen. Unterm Misslingen einer Partnerschaft Mensch-Hund leiden alle, vor allem jedoch der Hund!

Wir blieben hartnäckig, weil wir uns in diese Hündin vom ersten Augenblick an verliebt hatten. Außerdem entsprachen Roxis Grundeigenschaften genau dem, was wir uns von einem vierbeinigen Mitbewohner wünschen. Roxi ist ein Familienhund, zudem - wie sich nach und nach zeigte - vollkommen frei von Aggressionen gegenüber Menschen. Dazu lauffreudig ohne Limit. Es zeichnete sich jedoch recht schnell ab, dass an der Leine zu begleiten nur ausnahmsweise und kurzzeitig eine Alternative sein konnte. Roxi lief meist frei, um ihren Laufrhythmus selbst bestimmen zu können. Schon in den ersten gemeinsamen Tagen verliehen wir ihr das Prädikat "Born to be wild!" Bei gemeinsamen Joggs tobte sie sich rennend aus. Schoss voraus, raste nach Schnüffelstopp hinterher und nicht selten einfach mal ansatz- und sinnlos im weiten Bogen über eine Wiese. Roxi in ihren jungen und mittleren Jahren, das war die Verkörperung purer Lust an der Bewegung - freudig, explosiv, weitschweifig, unerschöpflich.

Keine Distanz war für Roxi zu weit, gemeinsames Training lediglich ermüdend für menschliche Rudelmitglieder. Alsbald nahmen wir sie zu Volksläufen mit. Selbst Marathon- und Ultradistanzen überbrückte Roxi ohne ein hündisches Limit auch nur ahnen zu lassen. Da reines Laufen an der Leine keine Alternative darstellte, begleitete uns Roxi nur zu Veranstaltungen, die nach der Startphase Freilauf zuließen. Kriterien dafür waren:

Zum Zeitpunkt, da dieser Abschnitt verfasst wird, ist Roxi über 13 Jahre alt. Ob und wann ihre altersbedingt niedrigere Grenzbelastung unterwegs erreicht werden wird, lässt sich nicht abschätzen. Zu ihrem Schutz haben wir entschieden sie nicht mehr zu Wettkämpfen mitzunehmen. Sie hat im Training noch immer keine Mühe auf Distanzen von zehn oder mehr Kilometern. Andererseits gibt sie mit ihrem Verhalten klar zu erkennen, dass langes Laufen ihr nicht mehr wichtig ist. So lange wir uns von zu Hause oder vom geparkten Auto laufend entfernen hängt sie weit zurück*. Da sie alle Hausstrecken gut kennt, zudem einen erstaunlichen Orientierungssinn besitzt (Verlaufen unmöglich), merkt sie sofort, wenn die Strecke dem Endpunkt zustrebt. Ab da läuft sie voraus. Dieses Schlussverhalten (teilweise schon ab der Hälfte der Strecke) ist bedeutsam, weil es beweist, dass ihr die Distanz noch immer nicht schwerfällt. Allerdings haben sich ihre Regenerationsphasen in den letzten Jahren unübersehbar verlängert.

*) Bei Wettkämpfen zeigte Roxi bis zuletzt ein völlig anderes Verhalten: Vom Start weg voraus! Vermutlich stimuliert von ihrem Trieb das große Rudel (Läuferfeld) zusammenzuhalten oder gemeinsam etwas zu jagen, das ihr Instinkt in jener Richtung vermutet, in die alle rennen.

Ob im Training oder bei Wettkämpfen, stets besaß Roxis Wohlergehen höchste Priorität. Alle anderen Aspekte, die Wünsche von uns menschlichen Läufern, waren dem unterzuordnen. Da sich Roxi aufgrund ihres fast schwarzen Fells bei warmem Wetter und ungebremster Sonneneinstrahlung rasch aufheizt, wählten wir die Strecke stets so, dass sie an genügend Bächen oder Weihern zum Abkühlen vorbeiführte. Wo dies bei Wettkämpfen nicht möglich war, nässten wir ihr Fell zur Not mit Wasser aus Trinkbechern. Möglichkeiten dazu gab es immer.

Nach dem Abschluss von Roxis "Wettkampfkarriere" ziehen wir Bilanz: Abgesehen von ihrer Teilnahme an einigen kürzeren Volksläufen und Halbmarathons begleitete sie Udo bei 15 Marathons und 12 Ultraläufen. Der längste gemeinsame Lauf erstreckte sich über 72 Kilometer. Auch danach war Roxi nicht wirklich erschöpft und legte dem müden Udo Stöckchen vor die Füße, die sie gerne apportiert hätte. Diese Randnotiz klingt wie Läuferlatein ist jedoch wahr! Dennoch kam eine Begleitung auf noch längeren Strecken aus Sicherheitsgründen nicht in Betracht. 100 und mehr Kilometer? - Für Roxi möglich, auch für Udo, für beide als Duo jedoch nicht ratsam. Bei abgeleintem Hund besteht die wichtigste Aufgabe des Hundeführers darin die Sicherheit seines Hundes und unbeteiligter Menschen zu gewährleisten. Dazu muss er mögliche Gefahrenpunkte (etwa zu überquerende Straßen) rechtzeitig erkennen und in kritischen Situationen rasch und richtig reagieren. Auf Ultrastrecken erreicht ein "Rudelführer" irgendwann den Punkt, ab dem Vorausschau und Reaktionsvermögen erlahmen. Als "Leinenhund" allein vom Laufvermögen limitiert hätte Roxi in jungen und mittleren Jahren Udo jedoch auf seinen längsten Ultrastrecken begleiten können.

 


Bildnachweis: 5 Bilder stammen von der Seite freeimages.com, einige andere wurden uns vom Veranstalter des Sommeralm Marathons, Hannes Kranixfeld, zur Verfügung gestellt. Übrige Bilder: Ines und Udo Pitsch. Das gilt auch für die Bilder scheinbarer Hundekämpfe und das Bild, das uns inmitten eines Hunderudels zeigt. Letztere wurden im "Revier für Hunde" von Andreas Ohligschläger aufgenommen. Unser Umgang mit Hunden ist nicht zuletzt von Andreas Ohligschlägers An- und Einsichten geprägt, die in einem Buch, "Vertrau auf deinen Hund", und der WDR-Sendereihe "Hunde verstehen!" jedermann zugänglich sind.

 

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