24. Oktober 2020

Im Trainingsmodus   -  Dreiburgenland Marathon 2020

Symptomatisch für dieses verkorkste Jahr: Bin auf der Strecke eines Marathons unterwegs, den ich eigentlich im Frühjahr hätte laufen wollen. Den der Veranstalter seiner Not gehorchend in den Oktober verschob; auf ein Wochenende, an dem ich meiner Planung gemäß auf dem Peloponnes in Griechenland läuferischen Lorbeer erwerben wollte. Die Ursache aller Wirren ist bekannt, nervt von Woche zu Woche mehr und deshalb schweige ich sie in diesem Bericht einfach mal tot. "Facts as they are": Der Dromos Athanaton* wurde um eine Woche verschoben, so dass ich mein zu Jahresbeginn entrichtetes Startgeld an diesem Samstag im Bayrischen Wald, in Thurmansbang, dann doch noch "abtrainieren" darf.

*) Ob der 145 km-Lauf Dromos Athanaton tatsächlich am 31. Oktober in Tripolis auf dem Peloponnes gestartet werden wird, bleibt bis zur letzten Stunde unsicher. Ähnliches gilt mitten im "Gischten" der zweiten Welle auch für unsere Reise. Spannung pur. Spannung, auf die wir gerne verzichten würden.

Der Dreiburgenland Marathon besteht aus zwei identischen Halbmarathon-Runden. Den ersten Umlauf habe ich gerade in ziemlich exakt 2:14 Stunden beendet. Davor schenkte ich der Uhr so gut wie keine Aufmerksamkeit. Ganz bewusst, weil mein "Auftritt" heute vor allem einen Zweck erfüllt: Letztes Langdistanztraining gewürzt mit "ein paar" Höhenmetern (880) eine Woche vor dem Dromos Athanaton. Die Einstufung "ein paar Höhenmeter" ist höchst relativ und nur im Bezug auf den Trail-Exzess der Vorwoche (2.270 Höhenmeter) im Zittauer Gebirge (Sachsen) gültig.

2:14 Stunden für Runde eins hat nach meiner Selbsteinschätzung wenig Aussagekraft im Hinblick auf die zu erwartende Zielzeit. Nach dem Trail-Boliden am letzten Wochenende und aus vollem Training in dieser Woche heraus werde ich wohl bald "elefantös" schwere Beine bekommen. Wenn ich die inneren Signale richtig deute, dann hat diese Entwicklung bereits eingesetzt. Darüber hinaus verfolge ich die Absicht meine Kohlenhydratspeicher heute noch einmal einer Tiefentladung zu unterziehen und verzichte auf Gel. So die Absicht, weswegen ich die Gelpäckchen zu Hause ließ. Dummerweise drückte man mir gerade am Verpflegungstand "100 kcal-Zuckerschlecken" mit den Worten "Bitte schön! Ein bisschen schnelle Energie!" in die Hand. Automatisiertes Handeln plus mein Läuferdasein als "Gel-Junkie" ließen mich die Packung flugs aufreißen und konsumieren. Na und wenn schon!? Welchen Vorteil verschaffen mir schon 100 kcal Zucker auf Marathondistanz? Um völlig korrekt abzurechnen: Den Nährwert einer halben Banane bei Kilometer 10,5 muss ich gleichfalls eingestehen. Die mampfte ich eilends zum eiskalten Wasser, um Sperenzien meines Magens vorzubeugen. Also nochmal 50 kcal - wennís hoch kommt.

Verpflegung wird ausschließlich abgepackt gereicht: Bananen- und Apfelstücke in Plastiktüten, Wasser in Halbliterplastikflaschen. Infolge der anfänglich mäßigen, feuchtkalten 10°C und der unguten Auswirkungen für die Umwelt, wenn ich alle paar Kilometer eine nur teilentleerte Flasche wegwerfe, verfolge ich heute eine ungewöhnliche Verpflegungstaktik: Trinken nur etwa alle 10 Kilometer, dafür dann jeweils bis die Bauchdecke spannt. Trinken am Verpflegungsstand, die Flasche dort im Abfallsack entsorgen*.

*) Ich hoffe, dass die vielen Plastikflaschen, die ich entlang des Laufweges liegen sah, letztlich gefunden und umweltgerecht entsorgt wurden.

Das unverhoffte Gel und zum zweiten Mal eine gehörige Portion Wasser erreichen meinen Verdauungstrakt, während ich mich in Höhe des Starttors wieder in Bewegung setze. Auf der gepflasterten Dorfstraße von Thurmansbang und vom ersten Meter an in leichter Steigung. Mein Stimmungsbarometer steht stabil auf "gut temperiert und sonnig", auch wenn ich, dem unschönen Beginn nach zu urteilen, eher das Gegenteil von mir erwartet hätte. Unschöner Beginn um 10 Uhr im Nieselregen, anschließend Zwielicht im Wald. Das Nieseln endete jedoch Minuten später und zur Mitte des ersten Umlaufs hellte sich der Himmel sogar auf. Für gute Stimmung sorgten auch die aus der Abteilung "Fortbewegung" eintreffenden Meldungen. Tenor: Also wirklich frisch und prallvoll Lauffreude sind wir nicht, aber, um es in der Sprache hiesiger Eingeborener auszudrücken: Ois guat, basst scho so weid! Die Steigungen fielen mir leichter als am Ende einer ungebremsten Trainingswoche befürchtet.

Hinter der Ortschaft dem Waldrand entgegen, steil auf Asphalt bergan, was mich gehörig anstrengt, nicht zuletzt die schon absolvierte Runde eins spüren lässt, aber nicht ans Limit bringt. Grün, gelb, rot, braun - ich betrete einen Dom aus kräftigen Farben. Die jetzt sogar leuchten, weil sich die mit Wolken und Nebel ringende Sonne bereits Vorteile verschaffte. Selbst Nässe, die nach dem vielen Regen der Nacht als fein verteilter Dunst zwischen den Bäumen hängt, kann die Farborgie nicht bremsen. Stille, Gerüche, Bilder - die Stimmung um mich her ist ... unbeschreiblich schön. Ich zügele meine Schritte, halte einen Moment inne, schieße ein paar Fotos. Rechts von mir bemooste Felsen, die mich in einem - ich finde keinen passenderen Ausdruck - "grellen", fast unwirklichen Grün anstrahlen. Einfach großartig dieser Ort. Umso mehr, als ich die zig-tonnenschweren Felsen vor gut zwei Stunden, als ich erstmals hier vorbeijoggte, nicht einmal bemerkte ...

Einen weiteren Waldsträßchenkilometer weit bleibt der Asphalt mir treu. Über und über mit welkem Laub und was Herbstwinde sonst noch so herbeiwehen bedeckt. Hie und da drückt Wurzelgewalt von unten, wirft Wellen und Beulen in der Asphaltdecke auf. Eine vom Wegmarkierer gepflanzte Warntafel rät achtzugeben. Auch die - Beulen und Warnhinweis - gab es schon als ich vor Jahren das letzte Mal hier war. Wann zuletzt und wie oft eigentlich schon? Mindestens drei, wenn nicht vier von insgesamt bald 280 Finishes erkämpfte ich mir auf diesem Kurs. Stets im Frühjahr, im herbstlichen Gewand durfte ich die Gegend noch nicht erleben. Vom Asphalt auf einen festen Wirtschaftsweg. Na ja, was heißt schon "fest", wenn der Himmel seine Schleusen stundenlang sperrangelweit offenhielt? Da und dort weiche ich morastigen Stellen aus, nicht weiter von Belang.

Trabe ich durch Mischwald? Wohl eher "Wechselwald", der eigene Regeln aufstellt: Dunklere Forstpassagen zwischen Fichten, hellere in der Nachbarschaft von Buchen und anderen Laubgehölzen. Umlauf zwei absolviere ich ihn relativer Einsamkeit. Näherte mich eben einem Läuferpaar, Ihr und Ihm, die ich meiner Fotoleidenschaft wegen aber wieder aus den Augen verlor. Und nun, in Höhe einer Verpflegungsstelle, überhole ich die beiden, weil ich aufs Trinken verzichte und biege kurz danach vom Wirtschaftsweg auf einen Wanderpfad ab. Ein Wechsel von "sicher und risikolos" zu "stark abschüssig, glitschig und damit sturzgefährdet". Tempo raus, kontrollierte, kleine Schritte setzen. Möglichst nicht dorthin, wo schon hunderte Füße vorher durch schmierige Pampe stampften. Lieber randseitig, im Gras, aber auch dort bedächtig, achtsam ...

Hundert Meter Rutschbahn - die einzige übrigens - zum zweiten Mal unfallfrei überstanden. Am Waldrand weiter, alsbald zwischen Wiesen und Feldern. Im spitzen Winkel scharf nach links und wieder auf den Wald zu. Ich wappne mich mental vorm zweiten, wirklich mühsamen Anstieg. Umso mühsamer da unter Bäumen einem nur unzulänglich befestigten Hohlweg folgend. Ein paar hundert ruppige, stetig steiler werdende Meter. "Hässliche", aus heftiger Anstrengung resultierende Gefühle bleiben nicht aus; vor allem in einem Körper, dessen Inhaber sich zwar nicht der Einsicht, wohl aber deren Umsetzung verweigert, dass Gehen ökonomischer wäre als "Sau-Steiles" im Tippelschritt zu bewältigen - so wie es der Typ stets von sich verlangt ...

Wieder abwärts auf brauchbarem Forstweg und dann, nach anderthalb Kilometern, gilt bis auf weiteres - wenn ich es recht bedenke sogar bis ins Ziel: Wald adieu! Zum zweiten Mal durchmesse ich den Weiler Altfaltern mit seinen 19 in der Mehrzahl bäuerlichen Anwesen. Natürlich habe ich unterwegs keinen Nerv Häuser zu zählen. Habís dafür jetzt beim Schreiben nachgeholt. Es lebe das Satellitenbild!

"Hinweis: Bitte auf der linken Straßenseite laufen". Zum zweiten Mal frage ich mich, ob es wirklich nötig ist einer doppelt, von der Straßenverkehrsordnung und gesundem Fußgängerverstand, vorgegebenen Verhaltensweise plakativ Nachdruck zu verleihen. Die Überlebenstaktik gilt für die nächsten, ungefähr sechs Kilometer, wenngleich die Nebenstraße nur vereinzelt von Fahrzeugen genutzt wird. Wobei ich Berg- und Talbahn als Bezeichnung für das Sträßchen treffender fände. Hügel reiht sich an Hügel. Immer wieder gilt es auch kleinere Ansiedlungen zu durchqueren. Kilometer 30: Ein sanfter Anstieg, der meine Beinmuskeln fordert. Fordert aber eben auch nicht mehr. Mit jeder bewältigten Kuppe und jedem Schritt wächst meine Zuversicht keinen entscheidenden Einbruch vorm Zielstrich zu erleiden. In dieser Hinsicht hegte ich durchaus Bedenken. Es ist lange her, dass ich bei einigermaßen anspruchsvollem Tempo meine Reserven unter (fast) völligem Verzicht auf die Zufuhr von Kalorien auslotete.

Immer wieder streift mein Blick zu nahen, herbstlich bunten Waldrändern. Kein Zweifel, die Wolkenuntergrenze hat sich um ein beträchtliches Stück gehoben. Während des ersten Umlaufs in den Tälern verbliebene Nebelreste lösten sich zwischenzeitlich auf, zuweilen drückt sogar die Sonne durch die Wolken. Die Gegend gefällt mir, hat mich noch jedes Mal erfreut. Der häufige Perspektivwechsel des Läufers, mal auf dem Buckel, alsbald wieder in der Senke, verstärkt den Reiz des landschaftlichen Flickenteppichs aus Wiesen, Wald, zuweilen auch Feldern. Die Silhouette einer der Namensgeberinnen der Veranstaltung, der Englsburg, in Runde eins noch hinter einer Wand aus Dunst verborgen, lugt über die bewaldete Kuppe eines Hügels in Laufrichtung. Burg Fürstenstein, über der Ortschaft Fürstenstein thronend, erblicke ich erst später und nur von einem Abschnitt des Kurses aus. Obwohl nach einer Kopfdrehung unübersehbar, vermag ich mich seltsamerweise nicht an den ausgedehnten Komplex aus Mauern, Gebäuden und Türmchen zu erinnern. Ich ging davon aus, "Burg Nummer zwei" ebenso wie "Burg Nummer drei" von keinem Punkt der Strecke aus erspähen zu können.

Am Straßenrand steckt die Kilometertafel "HM 13 / M 32", also noch ungefähr 10 Kilometer bis ins Ziel. Zum ersten Mal stelle ich eine grobe Hochrechnung an, deren Ergebnis zufolge ich nach etwas mehr als viereinhalb Stunden bis ins Ziel brauchen werde. Nach dann fast 900 Höhenmetern und "lau" bis "gar nicht" ambitioniert getrabtem Marathon ein Wert, der sich sehen lassen kann. Auf jeden Fall bin ich schon jetzt mit dem Trainingsverlauf und mir selbst hoch zufrieden.

Die Umzäunung des Museumsdorfes Bayerischer Wald kommt in Sicht. Ich nähere mich der beträchtlichen Ansammlung ortsversetzter, historischer Bauernhäuser, Werkstätten und Mühlen von der Rückseite. Der Parkplatz ist so gut wie leer, was mir jetzt, um Viertel vor zwei Uhr an einem Samstagnachmittag, merkwürdig vorkommt. An Urlaubern ist in der Gegend kein Mangel und die Witterung hat sich inzwischen auch für "stabil trocken" entschieden. Also wo bleiben die Besucher?

Dem Museumsdorf folgt der mit Abstand malerischste Streckenabschnitt, anderthalb Kilometer am Ufer des Dreiburgenland Sees. Mit bunten Farbtupfern durchsetzter Wald säumt das Ufer, spiegelt sich im vollkommen stillen Wasser. Ich umlaufe eine kleine Bucht, in der sich Herbstlaub zu einem schwimmenden, hellbraunen Teppich verdichtete. Natürlich hat der Mensch hier überall seine gartenbaulichen Finger im Spiel. Das eigentliche Idyll kreierte jedoch Mutter Natur. Genial arrangierte sie im Jahreslauf Verfügbares unter Zuhilfenahme witterungsbedingt zufälliger Kräfte zu farbenfrohen, stimmigen Bildern. Nur hinschauen und genießen muss ich noch selbst ...

... und laufen, um die ständig wechselnden Eindrücke entlang des Ufers einzusammeln. Zuletzt teilt ein schmaler Damm den See in zwei ungleiche Teile. Ein schmaler Bach, den ich auf einem Steg überquere, verbindet die Gewässer. Und nun einmal mehr aufwärts ... "Geht schon noch" signalisieren meine Beine, können sich zeitgleiches Ächzen allerdings nicht verkneifen. Noch sechs Kilometer. Soll ich es langsamer angehen lassen? - Ich finde kein Argument, das dafür spräche. Beeilen wäre sinnlos, Trödeln aber auch. Einmal mehr kalkuliere ich meine wahrscheinliche Zielzeit und bestätige das stets gleiche Ergebnis: Knapp über 4:30 Stunden.

Soll ich mir diese 4:30 als Ziel vorgeben und dementsprechend Fersengeld geben? Wozu, was brächte das? Anders als sonst scheint mein Ehrgeiz diesen Lauf im Tiefschlaf zu verdämmern. Das zeigt wie wenig ich mich im "Wettkampf-" und wie sehr im "Trainingsmodus" befinde. Auch der nahezu komplett fehlende Bezug zu meinen Mitläufern spricht Bände. Da joggen "irgendwelche Leute" durch die Gegend, denen ich seit Stunden so gut wie jede Aufmerksamkeit verweigere. Fast fühlt es sich an wie ein beliebiger langer Lauf daheim, der allerdings vor ungewohnter Kulisse deutlich mehr Laune macht.

Ein paar hundert Meter bergan, die ich nicht mag. Nicht mal sonderlich steil, dafür aber auf grobem Schotter zu laufen, überdies neben emsig befahrener Straße. Zwei Geher unterbrechen ihren Dialog, um mich passieren zu lassen. Ich stürme den Hügel, um ihn, wie alle anderen zuvor, hinter der Kuppe wieder aufzugeben. Flotten Schrittes hinab, eine Pfadspur am Wiesenrand dem matschigen Feldweg vorziehend. Aber Achtung! Am Ende der Wiese ragt die einzige hundsgemeine Stolperfalle, ein grauer, gut getarnter Feldstein, in den Laufweg. Alles gut gegangen! Auf einem Stück Asphalt weiter und dann zum Verpflegungspunkt vor einer Kapelle. Diesmal sehe ich aus dem Augenwinkel, dass man rechtsseitig, beinahe außerhalb des schmalen Tunnels, der Udo beim Laufen für sichere Wahrnehmungen verbleibt, eine Hinweistafel aufstellte. Zu spät, um die Aufschrift zu lesen und zurücklaufen will ich auch nicht ...*

*) Es handelt sich um die Wallfahrtskapelle Maria Bründl.

Ich winke dankend zu den Helfern am Stand hinüber, verzichte aber auf Labsal. Wasser, das ich hier bei Kilometer 38 tränke, käme mir erst hinterm Zielstrich zugute. Und dafür will ich den "Flow" nicht noch einmal unterbrechen. Die Kapelle markiert den tiefsten Punkt der letzten vier Kilometer, von hier ab nur noch bergauf, recht moderat allerdings. Ein paar Mitläufer habe ich wohl auf den letzten 10, 15 Kilometern eingesammelt. Auch jetzt bemerke ich wieder "Leben" vor mir, dem ich mich absichtslos, infolge Tempokonstanz nähere. Meine Aufmerksamkeit gilt jedoch mehr der herrlichen, von Wald eingefassten Aue um mich her. Im Frühjahr waren die Wiesen hier schon saftig grün, der Wald stand aber noch nicht im vollen Blattkleid. Jetzt flankiert eine Orgie aus Gelb- und Rottönen meinen Lauf. Bilder, die mich heute mehr anspornen als sportliche Zielvorgaben.

Den Mitläufer überhole ich trotzdem, einem zweiten rücke ich nach und nach auf die Pelle. Kurz vorm Ortsrand von Thurmansbang, etwa anderthalb Kilometer vorm Ziel, ist es dann so weit: Ich ziehe auch an diesem, wie ich im Augenwinkel erkenne, recht jungen Mann vorbei. Weil er geht, ich hingegen meinen Laufschritt unbeirrbar beibehalte. Wenn ich einen jungen Kerl identifizieren konnte, dann ist dem der alte, der an ihm vorbeizieht, sicher nicht entgangen. Offenbar fühlt er sich herausgefordert, mag sich keine Blöße geben und wechselt wieder zum Laufschritt. Was letztlich den Ausschlag gibt, die Aussicht wieder überholt zu werden, das lästige Tapp-tapp hinterrücks, die Chance womöglich doch noch unter 4:30 Stunden zu finishen, der "Sog des nahen Zielbiers" oder vielleicht alle Faktoren zusammen, wüsste ich nicht aufzudröseln. Entschlossen nutze ich den Umstand mich auf zwei Halbmarathonrunden nicht voll verausgabt zu haben und werfe letzte Reserven in die Schlacht. Werde im Anstieg schneller, alsbald auf einer flachen Ortsstraße noch schneller ...

Der Endspurt schafft Distanz, eine halbe Minute später sind die Schritte hinter mir verstummt. Da ich das Mistvieh Ehrgeiz nun schon mal von der Leine ließ, kann ich auch dabei bleiben; sein Ungestüm darauf verwenden ein "optisch" besseres (wenngleich belangloses) Ergebnis zu erstreiten. Kurzer Check: Unter 4:30 ist möglich. Also lege ich mich maximal ins Zeug und wetze durch Thurmansbanger Gassen als hätten alle Anwohner ihre Bluthunde auf mich gehetzt. Unzweifelhaft bade ich auch im Vergnügen, dieses (für mich) nicht unerhebliche Tempo am Ende eines nicht gerade flachen Marathons meinen Beinen noch abtrotzen zu können ... Ein letztes Mal abbiegen, vielleicht noch 500 Meter, ein letzter, böser Buckel, ein Blick zur Uhr: Läuft für mich! Und so biege ich kurz darauf in die Zielgasse ein und setze meinen Fuß nach 4:28:56 Stunden über die Ziellinie. Training gut, alles gut!

 


 

Fazit zur Veranstaltung

Ich erneuere meine Bewertung von 2007, 2013 und 2014, weil sich keine entscheidende Veränderung ergeben hat: Auf Organisation, Durchführung, Strecke, Natur und den Erlebniswert des Dreiburgenland Marathon lassen sich nur Lobeshymnen singen. Einziger Wermutstropfen bleibt, dass viel zu wenige Läufer dieses fantastische Angebot nutzen (auch nicht in diesem, von Laufveranstaltungen nicht gerade verwöhnten Jahr 2020).

Ich wünsche den Sportkameraden in Thurmansbang ein deutlich größeres Teilnehmerfeld - vor allem im nächsten Jahr, wenn sie ihr Jubiläum feiern: 20 mal Dreiburgenland Marathon!

Fazit: Jederzeit gerne wieder!

 

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