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Irregulär        Halbmarathon Ingolstadt 2012

Welches Wetter ist nach Schneesturm, Eisregen oder Meteoritenhagel zum Laufen am wenigsten geeignet? Jeder Läufer weiß, dass 34°C im Schatten nicht nur die Leistung gravierend reduzieren, sondern auch Menschen mit empfindlichem Kreislauf gefährlich werden können. Ebendiese Bedingungen, dazu nachmittags um 17 Uhr strahlenden Sonnenschein, fanden die Teilnehmer meines für die TG Viktoria Augsburg ausgerichteten HM-Seminars bei ihrem Wettkampf in Ingolstadt vor. Und das am 28. April (!).

Neben acht Seminarteilnehmern waren auch Ines und ich zum Start vorangemeldet, um Schrittmacherdienste zu leisten. Die übrigen Seminarteilnehmer liefen (bzw. laufen) ihren HM anderenorts, zum Beispiel in Leipzig, München und Augsburg. Von unseren acht Ingolstadt-Schützlingen mussten leider zwei recht frühzeitig die Waffen strecken und wegen Kreislaufproblemen aufgeben. Den Frust ein Ziel nicht realisieren zu können, auf das man 10 Wochen lang hart hintrainiert hat, kennen die meisten Läufer. Umso glücklicher war ich über die kluge Entscheidung von Regina und Uwe rechtzeitig abzubrechen und damit ihre Gesundheit nicht zu gefährden. Anders als die vielen von Rotkreuzhelfern am Streckenrand betreuten Opfer des Hitze-GAU in Ingolstadt. Es mangelt mir sicher nicht an Wettkampferfahrung. Doch selbst ich habe noch nie einen Wettkampf erlebt, bei dem so viele Menschen behandelt werden mussten, dazu die "Hintergrundmusik" aus den Martinshörnern ständig fahrender Rettungswagen. Das empfindet einer wie ich, für den die Gesundheit der Läufer immer im Vordergrund steht, schon als blanken Horror. Ich hoffe sehr, dass niemand wirklich zu Schaden kam.

Wer von Sicherheit redet, muss allerdings auch die völlige Überfüllung der Strecke kritisieren. Als Zugläufer für einige meiner Seminarteilnehmer befand ich mich lange Zeit etwa in der Mitte des Feldes, später, als meine Pacemaker-Dienste nicht mehr benötigt wurden, in Aufholjagd im ersten Drittel. Selbst im ersten Drittel gab es immer wieder Situationen, wo freies Laufen nicht möglich war. Sogar die letzten 200 Meter vor dem Ziel waren so viele Läufer unterwegs, dass ich Slalom laufen musste. An den Getränkeständen kam es zu tumultartigen Szenen, weil die Menge an Läufern nicht zu bewältigen war. Natürlich stürzten sich viele der Unerfahrenen auf den ersten Tisch, wo doch am zweiten, dritten oder vierten eher noch ein Becher zu bekommen gewesen wäre. Beidseits Getränke anzubieten war auf Grund der Streckenbeschaffenheit und Enge teilweise gar nicht möglich, wurde in mindestens einem Fall aber auch einfach nicht so gehandhabt.

Fazit: Von der Teilnahme am Halbmarathon in Ingolstadt kann man nur abraten. Im Hauptfeld ist sportliches Laufen, das freie Laufen mit einer konstanten Geschwindigkeit entsprechend der eigenen Leistungsfähigkeit und Absicht, nicht möglich. Der Sport wird dem Event-Charakter der Veranstaltung geopfert. Manche Veranstalter erkennen irreguläre Zustände auf ihrer Strecke und beschränken das Teilnehmerfeld. Dieser Schritt ist auch in Ingolstadt erforderlich.

Das soll's nun aber mit der Negativbetrachtung gewesen sein. Immerhin haben sich sechs neue Lauffreunde von Ines und mir bis zur Ziellinie durchgebissen. Die dabei erzielten Zeiten sind weit von dem entfernt, was die/der Einzelne bei normalem Wetter zu laufen im Stande ist. Die beiden Aussteiger werden bei nächster Gelegenheit erneut zu einem Halbmarathon antreten und sich dann ihren Traum erfüllen ...

Katrin legte einen fantastischen Wettkampf hin und bestätigte ihre im Testlauf schon bombige Form durch einen 28. Platz von 464 Frauen. In ihrer Altersklasse wäre sie sogar fast aufs Treppchen gestiegen, verpasste den 3. Platz nur um eine knappe Minute.

Susanne stellte sich der Hitzeschlacht ebenfalls, obwohl sie urlaubsbedingt über eine Woche lang nicht trainieren konnte.

Christine hielt an der Seite von Ines durch bis zum harten, schweißtreibenden Finale. Wasser nutzten die beiden nicht nur zum Trinken, sondern auch für Duschbäder ...

Andreas ging mit der Empfehlung eines Halbmarathons unter zwei Stunden, als Trainingslauf (!) beim HM in Berlin erzielt, in diesen Wettkampf. Er meinte nach etwa 9 km zu mir: "Das ist jetzt schon härter, als der ganze Halbmarathon in Berlin!"

Günter konnte trotz Trainingsrückstands (wegen einiger Blessuren) eine unter diesen Umständen gute Zeit erzielen. Und nun auf zum Marathonseminar ...

Sven hatte mit der Hitze immense Probleme. Zur Hälfte brach ich meine Schrittmacherdienste ab, um ihn nicht zu gefährden. Natürlich hatte er zuvor immer wieder versucht an mir dranzubleiben. Es war unmöglich einzuschätzen, wie langsam ich hätte laufen müssen, um ihn gefahrlos auf einem Tempo zu stabilisieren. Ihn das Tempo selbst bestimmen zu lassen war in diesem Fall die einzig sinnvolle Lösung.

Die Ergebnisse von Ingolstadt:

 Katrin Faßnacht 1:50:39 h
 Susanne Lindenpütz 2:22:19 h
 Christine Sieber 2:30:57 h
 Andreas Jessberger 2:05:28 h
 Günter Sohr 2:14:43 h
 Sven Timm 2:16:00 h
   
 Ines Pitsch 2:30:58 h
 Udo Pitsch 1:52:02 h

 

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