Gedanken  zum  Laufsport

Dienstag, 12. Februar 2019

Du kannst laufen!  -  Bedenkenswertes, nicht nur für Laufeinsteiger

„Wir leben (…) in einer Zeit, da Orientierung eigentlich nur noch zum Portfolio von Kirchentagsbesuchern und Brieftauben zu gehören scheint.“

Aus „Das Streiflicht“, Süddeutsche Zeitung, vom 31.12.18, Seite 1

„Meine Herzfrequenz ist zu hoch. Auch wenn ich langsam laufe. Wie kann ich sie senken?“ - So oder so ähnlich wiederholt sich banges Wehklagen in Läuferforen. Bei „Herzfrequenzproblemen“ - für mich der Klassiker joggender Ratlosigkeit im 21. Jahrhundert - melde ich mich zu Wort. Erkläre, argumentiere, appelliere. Tenor: Kümmere dich nicht um die Herzfrequenz, für die ist dein Nervensystem zuständig. Insbesondere Einsteigern lasse ich meinen Rat angedeihen. Deren Entschlossenheit zu laufen droht zuweilen vom gordischen Knoten ineinander verschlungener Fragezeichen erdrosselt zu werden: Was ziehe ich an? Welche Schuhe brauche ich? Welcher Pulsmesser ist für mich der richtige? Wo soll ich laufen? Wann soll ich laufen? Wie oft in der Woche soll ich laufen? Wie schnell? Wie lang? Ach ja, und überhaupt … ???

Das World Wide Web weiß alles …

„Guter Rat ist teuer“ sagt das Sprichwort mit Blick auf Situationen, in denen man zunächst nicht weiter weiß. Mit jedem weiteren Sonnenaufgang scheint die Redensart allerdings an Bedeutung einzubüßen. Selbst für Menschen meiner Generation, die sich jenen kollektiven Reflex erst mühsam antrainieren müssen. Den automatisierten Griff zum Smartphone, auf dessen Display nach leuchtendem Erwachen, gefolgt von routiniertem Wischen ein „Google-Symbol“ Allwissenheit verheißt. Gleich welches Stichwort: Google weiß Rat, versorgt den User mit Links.

Ich mache die Nagelprobe und tippe „Laufeinstieg“ ins Eingabefeld, schließlich auf #Enter#. Mit gefühltem Stolz meldet Google 35.500 Ergebnisse, die die Suchmaschine in rasanten 0,31 Sekunden in ihrem Speicher fand. Lächerlich wenig, hält man 8,93 Milliarden Treffer dagegen, die beispielsweise den Suchbegriff „Auto“ lawinenartig verschütten. Nebenbei: „Auto“ scheint im deutschsprachigen Cyberspace weit höher im Kurs zu stehen als „Leben“. Erkundige ich mich nach Letzterem, meldet der Browser vergleichsweise bescheidene 575 Millionen Informationsangebote*. Ist das nicht fantastisch!? - Gesetzt den Fall, es gelänge dir, jeden feilgebotenen Link binnen 20 Sekunden hinsichtlich seiner Relevanz zu bewerten, dann hättest du bereits nach rund 1.094 Jahren alle Links gesichtet - vorausgesetzt du tust 8 Stunden am Tag nichts anderes, arbeitest auch am Wochenende weiter, wirst nicht krank, fährst nicht in Urlaub …

*) Das Echo der Suchmaschine stellt die Bedeutung der Begriffe „Auto“ und „Leben“ auf den Kopf. Vielleicht steckt darin das tiefere Geheimnis, weshalb Deutschland als einziges Land in Europa kein generelles Tempolimit auf Autobahnen einführt …

Wie viel einfacher haben es da Laufeinsteiger. Magere 35.500 Links. Unter gleichen Arbeitsbedingungen dauert die Durchsicht nur etwa 3,5 Wochen … Klingt absurd? - Aus einleuchtendem Grund: Den amorphen Datenhaufen auf diese Weise durchdringen zu wollen wäre absurd. Guter Rat ist also zunächst billig, nur eine Eingabe weit entfernt und dann doch wieder teuer: Welchen Links schenke ich Aufmerksamkeit und Vertrauen? Vorzugs- da bequemerweise denjenigen auf der ersten, aufpoppenden Bildschirmseite? Mithin die Tatsache der aus wirtschaftlichen Gründen manipulierten Reihenfolge ignorierend? Misstrauische und Unermüdliche blättern vielleicht noch ein, zwei Seiten weiter …

Die Qual der Wahl

Etliche Seiten im World Wide Web spucken Bewertungen aus, taxieren nahezu alle Produkte und Dienstleistungen. Doch kein Algorithmus vergleicht und bewertet die Qualität themenidentischer Internetseiten! - Macht nix denkt der findige Surfer: Melde ich mich halt in einem Forum an und frage dort! - Resultat: Kann helfen, muss aber nicht. Denn auch in Foren lauert die Falle Fehlinformation: Welcher, der dozierenden Laienprediger gibt mir verlässlichen, auf meine Umstände zutreffenden Rat?

Ein nach Orientierung Suchender wird auch im Zeitalter des Internet-Info-Tsunamis zuletzt auf seinen gesunden Menschenverstand zurückgeworfen. Es scheint, als sei die Unsicherheit vorm ersten (Lauf-) Schritt lediglich aus dem realen, analogen in einen digitalen Raum transferiert worden. Weg von der Möglichkeit kundige Mitmenschen zu fragen, hin zu Cyberinstanzen in einer virtuellen Scheinwelt. Tatsächlich hat das Internet die Alternativen der Info-Beschaffung lediglich erweitert, weil hergebrachte reale Optionen fortbestehen. Nur: Wer würde nicht dem digitalen, anonymen, allzeit verfügbaren Orakel des dreifachen „W“ den Vorzug geben? Da doch den joggenden, flüchtig bekannten Nachbarn zu fragen die Überwindung physischer und mentaler Schwellen verlangt.

Aus Unsicherheit wird Verunsicherung

Seit Anbeginn der Menschheit war jeder erste Schritt aufs Eis ein Wagnis, egal wie dick die Schicht auch scheinen mochte. Unsicherheit ist ein fester Bestandteil menschlicher Existenz. Und wenn schon: Ein vorsichtig tastender Einstieg sollte gelingen. Methodisch dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ huldigend, kontrolliert vom eigenen Verstand. Erfolg ist nicht garantiert, aber wahrscheinlich. Bis hierhin eigentlich kein Grund Druckerpapier oder Speicherplatz auf einem Server zu verschwenden … wäre da nicht mehr: Zu normaler, menschlicher Unsicherheit gesellt sich vermehrt Verunsicherung. Verunsicherung, die von der Verfügbarkeit technischer Hilfsmittel ausgeht. Hilfsmittel, die vor drei Dekaden noch nicht ersonnen waren. Vormals also weder helfen, noch verwirren konnten.

Die normative Kraft des Faktischen

Menschliches Verhalten orientiert sich an Normen und Regeln, geschriebenen und ungeschriebenen. Normen und Regeln unterliegen Veränderungen, manchmal als Reaktion auf gesellschaftliche Entwicklungen oder technische Innovationen. Mein laufspezifisches Beispiel dazu: Der Herzfrequenzmesser. In seiner heutigen Form und für Freizeitsportler seit Mitte der 1980er-Jahre verfügbar. Den konnte man sich kaufen oder nicht. Eine Regel, derzufolge ein Läufer derlei besitzen müsse, gab es nicht. Gleich mir stuften manche das Gerät irgendwann in ihrem Läuferdasein als nützlich ein, steuerten damit ihr Lauftraining. Der Anschaffung des „Pulsmessers“ ging eine bewusste Kaufentscheidung auf Basis eines „Das-brauche-ich-weil“ voraus. Zu einer Zeit als die Laufwelt noch dreidimensional war. Draußen vor der Haustür ohnehin aber auch in Fragen unerlässlicher Ausrüstung.

Das änderte sich schleichend, nichtsdestoweniger dramatisch. Auch angestoßen von gesellschaftlichen Umwälzungen: Laufen wurde Volkssport, persönliche Fitness zum Fetisch - nicht zuletzt als Folge gesundheitspolitischer Diskussionen rund um die Konsequenzen grassierenden Bewegungsmangels. Zunehmend balgten sich diverse Sportartikelfirmen um den Läufer als Kunden. Bedienen einen riesigen Markt laufspezifischer Produkte. Schuhe und Funktionskleidung, Zubehör jedweder Art und nicht zuletzt Elektronik. Computer am Handgelenk, die mehr sein wollen als schnöde Uhr und Herzfrequenzmesser. Parallel zum gesellschaftlichen und technischen Wandel vollzog sich der Siegeszug des Internets. „Was brauche ich, wenn ich mit dem Joggen beginnen will?“ - Diese Frage wird inzwischen per E-Mail, WhatsApp, in sozialen Medien oder in Läuferforen gestellt. Und überall hagelt es Antworten.

„Was brauche ich, wenn ich mit dem Joggen beginnen will?“ - Funktionelle Kleidung, passende Laufschuhe und eine beliebige Uhr. Damit wäre meine Aufzählung schon komplett, richtete man die Frage an mich. Vollkommen ausreichend. Fürs Erste. Damit lassen es viele Einsteiger aber nicht bewenden, geben Geld für einen Pulsmesser in ihrer Laufuhr aus. Warum? - „Irgendwer hat gesagt man brauche eine Pulsuhr!“ begründete kürzlich ein Laufeinsteiger in einem Läuferforum die Anschaffung. An der Notwendigkeit brauchbarer Klamotten und Schuhe fürs Laufen zweifelt niemand. Selbsterklärend! Und wie ist das mit der Pulsuhr? - Wird gekauft, weil es sie gibt. Weil sich überdies immer irgendwo, irgendjemand findet, der behauptet man brauche „sowas“. Damit ist Verwirrung gesät, fehlt noch der Nährboden, in dem sie wild ins Kraut schießt …

Mein Brötchenproblem

Will ich jemandem im Gespräch verdeutlichen, worin nach meiner Auffassung eine der größten Herausforderungen unserer Zeit besteht, konfrontiere ich ihn mit meinem höchst persönlichen „Brötchenproblem“. Das ist rasch erzählt: Wenn ich samstags zum Bäcker schlenderte, um Gebäck fürs Frühstück zu holen, damals in den 1970er Jahren, kaufte ich Brötchen und Laugenbrezeln. „Semmeln und Brezen“ wie man bei uns in Bayern sagt. Meine Bestellung musste ich für die Verkäuferin lediglich mit Mengenangaben präzisieren. Will ich uns heute fürs Frühstück versorgen, ist ein Maß an Entscheidungskraft gefragt, das mich manches Mal überfordert. Etwa 20 verschiedene Brötchensorten helle, dunkle, aus diesem oder jenem Getreide, mit und ohne Körner, Vollkorn oder nicht Vollkorn, Croissants, Laugencroissants und solche mit Körnern lassen dem Hungrigen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Sogar etwas so entschieden Einmaliges wie eine Laugenbrezel fiel der Diversifizierung anheim: Außer mit Salz kann man die krosse Köstlichkeit auch mit Pfefferkörnern, Mohn, Sonnenblumen- oder Kürbiskernen gespickt erstehen. Um es zu präzisieren: Schlimm ist nicht die breite Angebotspalette. Schlimm ist meine Unentschlossenheit, weil mir fast alles Gebackene schmeckt. Und wer wäre imstande morgens oder über den Tag verteilt zwanzig Brötchen und Brezeln zu essen?

Ich sehe dich schmunzeln. Registriere da und dort gar ein Stirnrunzeln mangels Themabezug. Verstehe mein Brötchenproblem als Gleichnis für die materielle, exzessiv wachsende Vielfalt der Alternativen auf allen Feldern gegenwärtiger Lebensführung. Wo Technik im Spiel ist, gar mit der explosiven Gewalt eines Urknalls, rasant, unaufhaltsam, unausgesetzt. Was immer du tust, zumindest beim ersten Mal wirst du zwischen xx Möglichkeiten wählen müssen. Dabei ist mein „Brötchenproblem“ noch das Kleinste, da dreidimensional. Die Bäckertheke ist breit, tief und hoch. Das begrenzt die Auswahl. Kauf dir ein elektronisches Gerät und schon musst du dich mit zwei weiteren Dimensionen herumschlagen. Zum einen mit der Zeit, die in immer kürzeren Intervallen Neuentwicklungen zeitigt.

Ausufernder noch in der fünften Dimension: Vernetzung der Geräte ist „State of the Art“. Fernseher, die sich mit dem Internet verbinden. Heizungen und Küchengeräte die von Apps auf dem Smartphone gesteuert werden, Sprachboxen, Alexa und Konsorten, die daheim das Regiment übernehmen. Oder, um endlich wieder Themabezug herzustellen: Computer am Handgelenk, die wie Uhren aussehen, jedoch auf ewig beleidigt wären, wollte man sie lediglich Sekunden zählen lassen. Sie messen Herzfrequenzen, Strecken, Höhenmeter und koppelt man sie per Smartphone mit dem Internet, lässt sich noch im Austrudeln der letzten Laufschritte jeder nur erdenkliche statistische Zusammenhang errechnen und darstellen.

Muss man nun wirklich noch erklären, warum so viele Laufeinsteiger, auch Fortgeschrittene in Foren ihrer Hilflosigkeit schreibend Ausdruck verleihen?

Pandemie

Die Mär von der Unabdingbarkeit des Pulsmessers (und anderer Gimmicks) verbreitet sich epidemisch, wie ein hochansteckendes Virus, vor allem per Internet. Sogar Wikipedia kolportiert solchen Unfug unter dem Stichwort „Herzfrequenzmesser“: „Gleichwohl sollte die Puls-Uhr von sportlich Untrainierten, besonders in fortgeschrittenem Alter, genutzt werden, da die Gefahr besteht, dass diese die Grenzen der vernünftigen Belastbarkeit ihres Körpers noch nicht kennen oder überschätzen.“ Das klingt überzeugend, von Fachwissen getragen, ist bei Licht besehen jedoch nicht mehr als gedanklicher Dünnpfiff! Wo bitte liegt die medizinische Grenze „vernünftiger Belastbarkeit“? Welche Herzfrequenz ist für einen Menschen noch „vernünftig“ und welche nicht?

Hier ein (gekürzter, notgedrungen also unvollständiger) Blick auf die Fakten zur Bloßstellung solch unsinniger Veröffentlichungen: Die maximale Herzfrequenz (Hfmax) ist von Mensch zu Mensch verschieden, weil genetisch vererbt. Sie sinkt mit dem Älterwerden um etwa ein bpm (beats per minute: Herzschläge pro Minute) pro Jahr. Langsames, unangestrengtes Laufen stimuliert das Herz trainierter Läufer zu etwa 70 Prozent Leistung bezogen auf Hfmax. Untrainierte Laufeinsteiger bewegen sich in den ersten Wochen oft mit „überschießender Herzfrequenz“. Das meint hohe Werte der Herzfrequenz, unabhängig vom Lauftempo, weil das Nervensystem überreagiert, erst lernen muss mit der neuartigen Belastung umzugehen. Das ist nicht krankhaft, sondern völlig normal.

Schon aus diesen wenigen Fakten lässt sich unschwer ableiten, dass Einsteigern eine Bezugsgröße fehlt, die sie als „Grenze vernünftiger Belastbarkeit“ einhalten könnten. Damit nicht genug: Da überlebenswichtig, ist das Herz ist der stärkste, überdies mit großzügiger Sauerstoffversorgung ausgestattete Muskel des Menschen. Von allen Muskeln der letzte, der „schlapp macht“. Egal wie hart ein Läufer seine Skelettmuskulatur belastet, wie nachhaltig erschöpft er auch sein mag, der Herzmuskel schlägt unbeeindruckt weiter. Es gibt medizinisch auch keine Veranlassung ein Versagen zu befürchten, wenn die maximale Herzfrequenz kurzzeitig erreicht wird. Länger hält das ohnehin niemand durch. Nichts wird passieren, von Erschöpfung und zeitweiliger Kurzatmigkeit abgesehen.

Das gilt natürlich für einen herzgesunden Menschen, weshalb Sportärzte und Kardiologen mit Recht einen medizinischen Check anraten, der dem Laufeinstieg vorangehen sollte. Angeborene oder erworbene Defekte/Beeinträchtigungen des Herzmuskels spürt man nicht. Und auf dem Display eines Herzfrequenzmessers lassen sie sich schon gar nicht ablesen.

Back to the roots - der Laufeinstieg

Worum geht es? - Laufen! Nichts weiter. Kleinkinder beginnen zu laufen, sobald sie über die ersten wackeligen Schritte hinaus sind. Niemand braucht es ihnen beizubringen, sie schauen es sich auch nicht ab, sie tun es einfach. Weil ihnen die Fähigkeit von den Eltern vererbt wurde. Die Fortbewegungsart Laufen ist in jeder Körperzelle als genetisches Programm vorhanden. Gleichgültig, ob es sich um Nerven-, Muskel- oder Zellen von Körperorganen handelt und unabhängig davon, wo die jeweilige Zelle lokalisiert ist. Deshalb kann man Laufen nicht verlernen oder „vergessen wie das geht“! Deshalb kann jeder (gesunde) Mensch in jedem Alter laufen. Und deshalb braucht man auch keine elektronischen Hilfsmittel, um irgendwelche Körperparameter, wie etwa die Herzfrequenz, zu überwachen.

Wenn jemand den Entschluss fasst zu „joggen“, dann soll er es einfach tun. Rausgehen, loslaufen! Weil er es kann. Auch wenn man beim Surfen im Internet den gegenteiligen Eindruck gewinnt: Ausdauerndes Laufen, zumindest für ein paar Minuten, klappt überwiegend auf Anhieb. So war es bei mir und so war es sicher bei vielen, die mein Klagen rund um die läuferische Orientierungslosigkeit bis hierhin verfolgt haben.

Leider steht publizierter Zeitgeist meinem flammenden Plädoyer entgegen. In den Medien werden vorwiegend (Lauf-) Schwierigkeiten ausgewalzt. Schwierigkeiten, die vor allem Menschen betreffen, die sich jahrelange Bewegungsabstinenz, womöglich mit dabei erworbener Körperfülle ankreiden müssen. In solchen Fällen ist Anleitung sinnvoll, persönlich oder in Form eines Trainingsprogramms. Ansonsten kommen Laufeinsteiger - so sie es wollen - ganz alleine klar.

Eine Tatsache, die jenen nicht in den Kram passen kann, die mit Utensilien oder Anleitung ihren Lebensunterhalt verdienen. Hersteller von Laufuhren gehören ebenso dazu, wie Sportartikelhändler und eine wachsende Zahl von Dienstleistern. „Personal Trainer“ etwa, die ohne heillos verunsicherte Klienten hoffnungslos unterbeschäftigt wären. Keiner dieser Profiteure wird den Laufeinsteiger daran erinnern, dass Laufen in seinem Ursprung nicht mehr ist, als eine von vielen, angeborenen, menschlichen Fähigkeiten. Nichts, was man dich lehren oder dir auch nur erklären müsste. Denn: Du kannst laufen!

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Zur Einordnung …

… damit niemand der Idee verfällt mir Technikfeindlichkeit zu unterstellen: Über viele Jahre steuerte ich mein Marathon- und Ultratraining mit einem Herzfrequenzmesser und war damit sehr erfolgreich. GPS nutze ich nach wie vor, zur Strecken- und Tempobestimmung und, um meine Trainingsleistungen zu dokumentieren. Zudem bieten aktuelle GPS-Uhren die Möglichkeit des Runterladens von Track-Dateien. Bei Wettkämpfen bietet dieses Vorgehen zusätzlichen Schutz gegen Verlaufen, weil man der angezeigten Route folgen kann.

Die Laufseite, auf der du diesen Text fandest, entstand in unzähligen Stunden vorm heimischen PC oder unterwegs auf meinem Notebook. Ihre bloße Existenz sollte genügen, um Zweifel an meiner IT-Affinität auszuräumen.

Dennoch halte ich mir zugute, nie die läuferische Bodenhaftung und Erdung verloren zu haben. Hinsichtlich verwendeter Ausrüstung bin ich im Grunde meines ausdauernd schlagenden Herzens Minimalist geblieben. Will heißen: Immer nur das mitführen, verwenden, vorhalten, auch kaufen, was zur sicheren Erfüllung meiner Laufaufgaben - in Wettkampf oder Training - erforderlich ist. Als ich meine ersten läuferischen Erfahrungen sammelte, verfügte ich über nicht mehr als brauchbare Kleidung, passende Schuhe und eine Stoppuhr. Mehr braucht man auch heute, vierzig Jahre später, noch nicht.

 


Bildnachweis: Die Bilder „Brotkorb“ und „Junge mit Ball“ stammen von der Seite freeimages.com. Die schematischen Darstellungen des Herzens und einer EKG-Linie verdanke ich Ralf Kleindienst, dem Betreiber der Seite EKG-Online. Sonstige Bilder: Ines und Udo Pitsch.