... fünfzehn von dreihundert ...     -     6h-Lauf in Weißenstadt

Vor einigen Wochen wählte ich für jedes nicht anderweitig verplante Herbstwochenende eine attraktive Laufveranstaltung aus. Drei Wettkämpfe sind fix, die anderen optional, falls keine sonstigen Aktivitäten anstehen. Das Wochenende 8. / 9. September war eigentlich einer anderen Leidenschaft, den Bergen, gewidmet. Leider zeichnete sich zur Wochenmitte schlechtes Bergwetter ab und zu allem Überfluss fing sich Ines eine Erkältung ein. Also freie Bahn für einen Lauf. Und welcher steht in meiner Liste? Auf einer Hochebene im Fichtelgebirge, in der Nähe von Bayreuth, liegt der Ort Weißenstadt am Rande des gleichnamigen Sees. Der Weißenstädter See wird von der Eger gespeist, einem Nebenfluss der Elbe, hier, nahe seiner Quelle, allerdings noch nicht mehr als ein unscheinbarer Bach. Spaziergänger, Radfahrer und Skater lockt der See mit einem durchgehend asphaltierten und genau 3.885 Meter langen Uferweg. Als Freizeitläufer mag man den harten Untergrund bedauern. Findet er jedoch als Runde eines Sechs-Stunden-Laufes Verwendung, gerät das zum unschätzbaren Vorteil. Vor allem, wenn es seit Tagen immer wieder regnet …

Samstag um Viertel nach sechs kämpfe ich mich widerwillig aus dem Bett, sitze eine Viertelstunde danach im Auto und verlasse zwei Stunden später die Autobahn A9 an der Ausfahrt „Gefrees“. Noch fünfzehn Kilometer bis Weißenstadt und der Himmel wird immer düsterer. Dann beginnt es zu nieseln, das Thermometer fällt noch ein paar Striche auf 9°C und meine „Vorfreude“ passt sich an. Vorgestern wurden meine Absichten hier zu laufen konkret. So kann sich jeder ausmalen, wie „perfekt“ ich auf sechs Stunden Laufen am Stück vorbereitet bin. Zur Erklärung für jene, die die Vorgeschichte nicht kennen: Nach dem schönen und beinhart erarbeiteten Erfolg beim 100 Km-Lauf von Biel im Juni und insgesamt schon 12 Marathons und Ultras in diesem Jahr, gehe ich „ziellos“ in die zweite Jahreshälfte. Keine brutalen Zeitvorgaben und Trainingspläne, der Sinn steht mir nach Belohnung. Ein paar Mal möchte ich dieses Jahr noch finishen, das Verzeichnis meiner Wettkämpfe erweitern. Erst seit ein paar Wochen trainiere ich wieder höhere Umfänge. Selbstverständlich stellt sich die Frage, ob ich auf einen 6h-Ultra ausreichend vorbereitet bin. Wenige lange Läufe stehen nach der sommerlichen Regenerationsphase im Lauftagebuch, außerdem habe ich in dieser Woche bis bis zuletzt voll trainiert. Die elf schnellen Kilometer von vorgestern werden mir heute ganz sicher zu schaffen machen. Es geht im Grunde nur um den „olympischen Gedanken“, Dabeisein, Durchbeißen und Ankommen. Derlei Überlegungen beschäftigen mich kurz vor Weißenstadt, als ich den Weiler „Torfmoorhölle“ passiere. Ist es das, was mich heute erwartet? frage ich mich schmunzelnd …

In Weißenstadt folge ich den Wegweisern zum Campingplatz. Was dort „fehlt“ ist der übliche Auftrieb bei Laufveranstaltungen. Nur ein paar, etwas „verloren“ wirkende Gestalten in Laufbekleidung signalisieren, zur richtigen Lokalität gefunden zu haben. Meine Parkplatznachbarn schicken mich in Richtung See, wo sich in einem Zelt die Anmeldung befindet. Eine Minute später ziehe ich nachgemeldet und mit Startnummer „90“ in der Hand wieder davon. Wieso weiß ich nicht, aber ich erwartete ein paar hundert Teilnehmer. Da kann man sehen, wie blind ich noch in der kleinen Ultra-Welt herum tappe: Woher sollten die denn kommen, bei einem nur Spezialisten oder regionalen Enthusiasten bekannten Wettbewerb? - Kurz vor zehn Uhr versammeln sich jedenfalls exakt 50 LäuferInnen vor dem Starttransparent. Oder besser: Sie würden sich dort gerne aufstellen und die letzten Minuten vor dem Ereignis zelebrieren. Allein die himmlische Gießkanne scheint etwas gegen diesen Lauf zu haben, oder warum beginnt sie just zu dieser Zeit wieder intensiv zu sprühen? Ich verdrücke mich noch ein paar Minuten ins Zelt und treffe dort auf Sören (ein Bekannter aus dem Forum) und seine Freundin. Wir haben uns vorhin schon begrüßt, zum Reden blieb allerdings kaum Zeit.

50 LäuferInnen, Teilnehmerrekord, wie der Mann am Mikro mit Freude und Stolz verkündet. In diesem Moment ist mir das noch nicht bewusst, alle Sinne richten sich auf die elend langen nächsten Stunden und das wenig einladende Wetter. Im Nachhinein lüfte ich dann aber vor Respekt und Dankbarkeit diverse Hüte. Organisation und Aufwand, kurz jede Menge Arbeit, für gerade mal 50 Läufer? Wenn ich die Helfer in Gedanken überschlage, dann kommen auf einen Offiziellen zwei bis drei Läufer. Wie viel Liebe zum Sport und Gemeinsinn muss in Menschen regieren, die sich in den Dienst einer solchen Sache stellen? Danke!

Noch zwei Minuten verkündet der Sprecher. Zeit das Zelt zu verlassen und die Schar der 50 „Aufrechten“ zu vervollständigen. Sören steht neben mir. Sylvi und Roland, gleichfalls Bekannte aus dem Forum, stehen ein paar Meter vor mir. Meine Stimmung passt ganz und gar nicht zum Anlass. Wegen des schlechten Wetters ist mir eher nach ein bisschen Training: Loslaufen, eine Weile Ungemach aushalten, „es“ einfach hinter mich bringen, danach duschen und wohlfühlen. Was soll das hier? Was mach ich da? Bin ich wirklich drauf und dran mir diesen Schmerz zuzufügen? Denn weh tun wird es, das ist sicher. Irgendwann tut es immer weh, egal wie bedächtig ich die Sache auch angehen lasse. Absichten? Na klar: Minimalziel ist der Marathon, das wäre der einunddreißigste. Minimal-Mehr-Ziel sind die 50 Kilometer. „Du hast aber doch nicht wirklich vor nach dem Marathon oder den 50 aufzuhören?“ hat mich Roland vorhin gefragt. Nein, habe ich nicht, aber weiß man’s? Durchlaufen und eine Strecke zwischen 60 und 6x Kilometer möchte ich schaffen. 60 sollten kein unüberwindliches Problem darstellen, eine Pace von 6 min/km traue ich mir jederzeit über sechs Stunden zu. Mal sehen …

Echter Frohsinn oder demonstrativ zur Schau gestellter Zweckoptimismus? Lachen und Scherzen kann bekanntlich dasselbe bedeuten wie mein sicher ernster Gesichtsausdruck. Ich spüre keinerlei Spannung, will einfach nur los, fröstele ganz leicht, obschon ich mich für das lange Trikot unter dem ärmellosen entschieden habe. Der Countdown, der Startschuss, die ersten Schritte, noch etwas staksig steif, von der langen Autofahrt und dem Herumstehen in der nassen Kälte. Das hat ein bisschen was von einem Vatertagsausflug: Munter plappernd setzt sich die Meute in Bewegung und Frauen sind auch nur sporadisch vertreten.

Sören läuft neben mir. Sein erster Ultra und er muss sein Tempo finden. Keine Ahnung, was er sich zutraut. Auch ich muss mein Tempo finden. Keine Ahnung was ich in den Beinen hab. Zunächst geht es mir nur um eines: Warm werden! Also wähle ich einen zügigen Trab, der mir dieses Geschenk in etwa einer Viertelstunde bescheren wird. Bis dahin vertage ich die innere Tempodiskussion. Wird der erste Kilometer markiert sein? Ich hab vergessen zu fragen und wenn ich erst mal laufe, krieg ich sowieso kaum noch einen Satz über die Lippen. ‚Werden sehen, wenn nicht, dann nicht.’ Das Nieseln ist schwächer geworden, hört schließlich ganz auf. Ein Versprechen ist das nicht. Gleich in welche Richtung ich blicke, dunkelgraue, vor Nässe triefende Wolkenschwaden „kleben“ auf der Landschaft oder den Dächern der Stadt gegenüber.

Mehr zufällig als bewusst suchend erwischt mein Blick die Markierung: „1000m“ wurde hier mit Schablone auf den grauen, jetzt patschnassen Asphalt gepinselt. 5:21 Minuten lese ich auf der Uhr. Sicher zu schnell für sechs Stunden, doch einstweilen das richtige Tempo zum warm werden. Immer wieder gilt es Pfützen auszuweichen. Tief sind sie nicht, das Geläuf ist angenehm eben. Doch platsche ein paar Mal da rein und du hast schon nach einer halben Stunde nasse Füße. Die Nierenform des Sees erzwingt häufige Richtungswechsel. Nach einer Rechtskurve geht es auf den Komplex des neuen Kurzentrums zu. Gleichzeitig stemmt sich uns eine kalte und recht steife Brise entgegen. Die Entscheidung pro langes Hemd war goldrichtig!

Vorbei am Kurzentrum, dann am Südende des Sees links ab und auf eine kleine Holzbrücke über einen schmalen Bach. Ein paar Meter querab klärt mich eine Tafel über die Identität des Zulaufes auf: „Eger“ und daneben eine Höhenangabe - 610 Meter. Hab keine Zeit für „Fräulein Eger“, denn zwanzig Meter hinter der Brücke erwartet mich einer von zwei Verpflegungsständen. Dieser erfreulichen Entdeckung überlagert sich eine recht Unangenehme, 50, 60 Meter jenseits der Straße. Ausgerechnet heute müssen die dort einen Riesenhaufen von Ästen und Laub verbrennen. Natürlich nass, natürlich mit viel Rauchentwicklung und natürlich treibt der Wind die Schwaden genau in unsere Richtung. Am Stand greife ich mir einen ersten Becher Cola, zwei Schlucke, und weiter. Cola!? Alles andere als ein ideales Sportgetränk. Die Kohlensäure bläht unangenehm, der enthaltene Zucker ist zu hoch dosiert und hat zudem nicht die richtige Zusammensetzung. Außerdem lehne ich das darin enthaltene Koffein strikt ab. Eigentlich möchte ich beim Laufen nichts zu mir nehmen, was auch nur entfernt an Doping erinnert. Und Koffein, selbstverständlich in weit höherer Konzentration, stand früher mal auf der Dopingliste. Aber was soll ich machen. Ich hatte auf „Iso“ gehofft, das gibt der kleine Etat des Veranstalters jedoch offensichtlich nicht her. Und den Zucker brauche ich, um sechs Stunden durchhalten zu können. Gesüßten Früchtetee gibt’s auch, aber wie viel Zucker ist da drin? Reicht das? Mal wähle ich Tee, dann wieder Cola.

Ein paar Schritte hinter dem Verpflegungspunkt: „2000 m“ und 10:45 Minuten auf der Uhr. Ein sanfter, cirka fünfzig Meter kurzer Anstieg folgt, dann geht es wieder bretteben dahin. Stege mit gut vertäuten Segelbooten schieben sich ins Blickfeld. Heute gehört die Wasserfläche allein den Enten. Doch selbst denen scheint es für einen Schwimmausflug zu unwirtlich. Nur vorhin konnte ich am Gegenufer eine kleine Kolonie auf dem Wasser entdecken. Und der Uferweg? Der gehört heute fast ausschließlich uns Läufern. Nur ab und an, hauptsächlich hier auf der östlichen, der Stadt zugewandten Seite des Sees, „verirren“ sich ein paar Spaziergänger auf die Promenade. Manchmal erzwingt so ein Pulk eine kleine Extrakurve. Andere weichen aber auch bereitwillig zur Seite und nehmen das Schauspiel der Startnummer-dekorierten Wettkämpfer dankbar zur Kenntnis, als willkommene Abwechslung an diesem tristen Tag.

Irgendwann nimmt Sören Fahrt auf. Eine Weile sehe ich ihn vor mir, dann ist er verschwunden. Ich registriere es mit einem gewissen „Stirnrunzeln“, weil er diese Geschwindigkeit auf keinen Fall über sechs Stunden halten kann. Seine in diesem Jahr erzielten Ergebnisse schließen das eigentlich aus. - „3000 m“ und die Uhr hat bis knapp über 16 Minuten gezählt. Warm gelaufen bin ich jetzt, auch wenn es sich witterungsbedingt nicht so anfühlt. Die milde Kälte wird verhindern, dass ich übliche Mengen ausschwitze. Ein Vorteil, so kann ich mich an den beiden Verpflegungspunkten mit je einem Becherchen begnügen. Und die verzögerte Rehydrierung bei Cola und Tee dürfte dadurch auch nicht ins Gewicht fallen.

Sollte ich etwas Tempo rausnehmen? Ist ein Schnitt von 5:20 bis 5:30 min/km nicht zu anspruchsvoll für meinen augenblicklichen Trainingsstand? Wer erklärt mir jetzt diese Gleichgültigkeit? Gar nichts ändere ich. Folgende Absicht gewinnt Kontur: ‚Zunächst weiter so und wenn ich müde werde eben langsamer bis zum Schluss.’ Stellt sich dieser Gedanke ein, weil ich testen möchte, wie weit meine Ausdauer schon reicht, oder einfach nur um meinen „Stiefel“ wie gehabt weiter zu laufen? Das Wetter spielt eine Rolle, die unschöne Aussicht bei langsamerem Trab zu frieren. Und natürlich die Gewissheit leiden zu können. Auch ein paar Stunden lang, wenn es sein muss. Ich will nicht behaupten, es mache mir nichts aus. Aber jenen Punkt, an dem der Wille vor der Knute anschwellender Schmerzen und elender Schwäche kuscht, habe ich eben noch nie erlebt. Heute vielleicht? Mischt sich da eine Prise „Lust am Untergang“ in meinen stoischen Trott? Nein, eigentlich nicht. Schon eher der „Verdacht“ das Tempo letztlich doch durchstehen zu können. Die vielen Erfolge auf langen Strecken haben mein Selbstbewusstsein und Gespür für das Machbare gestärkt. Selbstüberschätzung vielleicht? Nein, dazu bin ich dann doch zu selbstkritisch. Also weiter und sehen was geschieht …

Ein kleines Partyzelt, nach drei Seiten offen, spannt sich über den Uferweg. An der Seite ein Biertisch mit Bank, noch verlassen. Beidseits des Weges stecken zwei Täfelchen im Gras, drauf steht „42km“. Aha, hier werden sie nachher die Zeit für den Marathon stoppen. Und ein paar Meter weiter stoße ich auf zwei weitere Markierungen: „50 km“. Bis dahin ist es noch weit. Zehn volle Runden und etwas für den Marathon, danach zwei weitere bis zur 50 km-Zwischenzeit.

Die Stimme des Sprechers im Startbereich wird lauter, ich nähere mich dem Ende der ersten Runde. Im Eingang des Zeltes und neben dem Starttransparent haben sich die Rundenzähler postiert. Meine Vorderleute machen mir vor, wie man sich elektronisch registriert: Auf einem Biertisch ist der am linken Handgelenk getragene Transponder kurz auf eine schwarze Matte zu drücken. Dann ertönt ein Gong. Jedenfalls wurde uns vor dem Start ein solcher angekündigt. Ich höre leider gar nichts. Vielleicht weil ihn die Stimme des Sprechers übertönt? Ich knalle mein Handgelenk noch ein paar Mal hektisch auf die Matte, dann gebe ich auf und folge der Aufforderung weiter zu laufen. Aber nur zehn Meter, dann ist wieder ein Becher Cola fällig. Reinschütten und weiter.

Roland hat zu mir aufgeschlossen, erzählt mir dies und das. Ich bleibe einsilbig, lasse mir wenig mehr als ein paar bestätigende „Ahas“ entlocken. Unterm Laufen hänge ich gerne meinen Gedanken nach. Immer wieder beobachte ich redselige Läufer, die sich die lange Laufzeit mit schier endloser Konversation verkürzen. Meine Art ist das nicht. Stundenlang zu schweigen, mit sich und der Situation alleine zu bleiben, mag manchen unerträglich erscheinen. Aber es ist nun mal so: Schweigend, schauend, sinnend werde ich mit Strecke und Zeit am besten fertig. Ich hoffe nur die nette Plaudertasche Roland nimmt mir meine Art nicht übel.

Mittlerweile habe ich mitbekommen, dass die Strecke in 200 m-Abschnitten markiert ist, mal am linken, dann wieder am rechten Rand des Weges. Auf den nächsten Runden nehme ich jeweils zwischen 1000 und 2000, bzw. 3000 Metern meine Zwischenzeiten. Monoton wiederkehrende Zeitansagen können langweilen und langweilen will ich meine Leser nicht. Deshalb hier: Die Kilometersplits sind und bleiben konstant zwischen 5:20 und 5:30 min/km. Methode „Uhrwerk“ also.

Womit soll ich dich nun unterhalten? Was geschieht während sechs Stunden „sturen“ Dauerlaufs? Spannend ist die Welt in dieser Zeit woanders. Dem „Kreisläufer“ wird schon ein Regenwurm auf nassem Asphalt, der ihn nötigt seinen nächsten Schritt ein wenig zu verlängern, zum Ereignis. Und mit Schnecken renne ich immer wieder um die Wette. Natürlich gewinne ich. Die halten sich auch nicht an die vorgegebene Strecke. Kommen mal von links, dann wieder von rechts und zertreten willste die auch nicht ... Weitere Hindernisse gefällig? Besonders auf der Westseite des Sees, hier grenzen Fluren direkt an den Weg, hinterließen Enten ihre grünlichen Spuren. Auch darein setzt man nicht gerne seinen Fuß. Solchermaßen bewegende Erlebnisse prägen Läufers Geschick, wenn er stundenlang, bei nasskaltem Wetter um eine Wasserfläche rennt. - Ich höre die Frage bereits, obschon dieser Bericht ja grad erst vor aller Welt verborgen entsteht. Drum hier die Antwort: Nein, das ist überhaupt nicht langweilig! Aber frag mich bitte nicht warum. Erklären könnte ich es nicht.

Womit vertreiben sich mitgereiste Ehefrauen und Freundinnen der Läufer hier die Zeit? Von zweien weiß ich es, denn sie drehen stramm und gegensinnig marschierend eigene Runden um den See, begegnen mir alle paar Minuten. Die eine ist Sörens Freundin und lichtet mich zwei-, dreimal ab. Die andere kenne ich nicht, muss ihr aber unbedingt ein Denkmal setzen und einen Lorbeer ganz eigener Art aufs Haupt drücken: Jedem Läufer und jeder Läuferin spendet sie jedes Mal (!) ein wenig Beifall. Unermüdlich, ausnahmslos und stundenlang. Ihre Hände schmerzen sicher heute noch. Nachdem sich das mehrfach wiederholt, komme ich nicht umhin, ihr jeweils mit einem Lächeln, einem Nicken oder einer knappen Bemerkung für die Unterstützung zu danken. Toll!

Nach der vierten Runde, die Uhr steht etwa bei 1:25 Stunden, ist es Zeit für einen Energieschub. Deshalb steuere ich in Höhe des Starts meine Sporttasche an, die ich neben ein paar anderen unter einer Bank deponierte. Ich fische mir einen Beutel Energiegel heraus, registriere mich per Transponder und greife mir einen Becher Wasser am Verpflegungsstand. Kurze „Brotzeitpause“: Den Becher stelle ich auf einem nahen Holzgeländer ab, um mir zunächst den Beutelinhalt einzuverleiben. Das Wasser spült nach und verdünnt das süße Zeug. Leeren Beutel und Becher in den Abfallsack - weiter geht’s.

Udos These: Je weiter die Distanz, umso mehr läuft man mit dem Kopf. Und ultraweit geht nicht ohne kritische mentale Phasen. Mich erwischt es nach etwa zwei Stunden. Es geht von den Beinen aus, die ich bereits jetzt spüre. Nach 120 Minuten und diesem angenehmen Tempo sollte ich eigentlich noch locker, „flockig“ traben. Dem wär’ wohl auch so, hätte ich nicht ausgerechnet vorgestern noch Tempotraining absolviert. Mit den Signalen „von unten“ verbündet sich die Erkenntnis noch vier Stunden laufen zu „müssen“. Die Folge: Ein heftiges Empfinden von Hoffnungslosigkeit. Verdrängen hilft. Dafür flackert dieses Sch…gefühl immer wieder mal auf. Weiter laufen, die Signale dabei vergessen, spüren, dass noch genug Saft im Akku ist, hilft auch. Hilft sogar viel besser und lässt mich diese Anfechtung irgendwann völlig überwinden.

Schon wenige Minuten nach dem Start hörte es auf zu regnen. Zeitweise verirrten sich gar ein paar Lichtstrahlen mehr zum bleigrauen Spiegel des Sees. Bei mir reicht das, um den Funken Hoffnung auf besseres Wetter am Glimmen zu halten. Nach ziemlich genau zwei Stunden erlischt er dann mit leisem Zischen in neuerlich einsetzendem Nieseln. Ich bin im Fichtelgebirge, eine wunderschöne Gegend muss das sein und allmählich wächst die Befürchtung, sie in ein paar Stunden zu verlassen ohne etwas davon gesehen zu haben …

(Hinweis: Einige der Fotos entstanden eine Woche später bei besserem Wetter, als ich zufällig noch mal in der Gegend war ...)

Ich war bei diesem Lauf dabei, ganz sicher, ich finde mich in der Ergebnisliste und kann mich auch an vieles erinnern. Allerdings lassen sich damit keine sechs Stunden Bewusstsein füllen. Rückblickend schrumpft die verbrachte Zeit, manifestiert sich in erstaunlich wenigen konkreten Erinnerungen, kommt mir viel kürzer vor. Jetzt, da ich laufe, ist das ganz anders: Die Stunden ziehen sich in die Länge wie Kaugummi. Ich messe immer wieder Zeiten, rechne viel, denke in Runden, ergehe mich in Spekulationen. Kopfrechnen ist ein guter Zeitvertreib. Zumal es ja laufend, also unter Belastung, viel länger dauert als am Schreibtisch. Ich kalkuliere, nach wie vielen Runden ich zum Marathon komme, es sind volle zehn und dann fast noch eine elfte, dass ich dann weitere zwei Runden zum Fünfziger brauche. 21 Minuten und ein paar Sekunden errechne ich als Rundenschnitt. Einfach so, um es jedes Mal bestätigt zu finden, wenn ich die große Uhr am Start passiere. Irgendwann hab ich dann keine Lust mehr zum Messen und Rechnen, überlasse mich meinem Läuferschicksal. Aber auch dieser Anfall ist nicht von Dauer, von Zeit zu Zeit will ich’s dann doch wieder wissen. Und währendessen laufe ich, laufe, laufe, laufe. Mit konstanter Geschwindigkeit und nur winzigen Unterbrechungen: Zum Trinken - höchstens fünf Sekunden, ach was, meist weniger. Zweimal für die Notdurft - na ja so lange wie so was halt bei Männern dauert. Dreimal insgesamt an meiner Tasche, Reißverschluss auf, Beutel raus, Reißverschluss zu, und ab - zehn Sekunden?

Dann liegt Runde acht hinter mir, in Gedanken verbuche ich ungefähr 31 Kilometer und die Uhr strebt der Vollendung der dritten Stunde zu. Mein „Kopfrechner“ prognostiziert noch etwa zwei Kilometer bis zur Halbzeit. Tatsächlich habe ich ziemlich genau 33 Kilometer in den Beinen, als die „2“ in der Anzeige durch eine „3“ ersetzt wird. Dieser Moment spornt mich an, macht Mut, setzt Kräfte frei. Plötzlich ist es egal, dass noch drei Stunden fehlen. So ähnlich war es auch oft zur Hälfte eines Marathons: Jetzt geht’s nach Hause! Halbzeit! - 33 mal zwei: Das ergäbe 66 Kilometer und unglaublich viel, bedenkt man Trainingsstand und Umstände. ‚Ok, ich werde langsamer werden. Aber deutlich über 60 - das müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn ich das nicht ...’

Inzwischen bin ich längst vom schnellsten Läufer überrundet, es muss in Runde 7 passiert sein. Vorher „schoben“ sich von Zeit zu Zeit ein paar Läufer an mir vorbei - langsam - oder ich an ihnen - auch langsam. Wenn dann aber einer mit vergleichsweise eiligem „Tapp, tapp, tapp“ davon zieht, ist das eindeutig. Apropos Mitläufer … Ultralaufen ist anders. Natürlich! Die Distanzen sind größer, die Beine fühlen sich länger wohl, die Kräfteauszehrung ist schleichender, dafür letztlich tiefgreifender, nachhaltiger. Aber das ist es nicht allein. Ultras gehen anders miteinander um. Rücksicht und Hilfsbereitschaft prägen das Geschehen. Viele erarbeiten sich ehrgeizig Kilometer um Kilometer, aber das Interesse am Überholenden oder Überholten bleibt dabei erhalten und ist echt. Dass sich hier nur ein übersichtliches Häuflein von fünfzig Unentwegten um die große „Pfütze“ quält, hat damit wenig zu tun. In Troisdorf letztes Jahr rannten viermal so viele Läufer gegen die Uhr, die Atmosphäre war dieselbe. Da gibt es zum Beispiel diesen älteren, um einen ganzen Kopf kleineren Läufer. Dreimal wohl überrundete ich ihn. Beim ersten und zweiten Mal wandte er sich mir zu, um eine anerkennende Bemerkung an den Mann zu bringen. Auch wenn ich solchen Ansporn nicht brauche, tut er doch gut. Beim dritten Mal war er dann wohl zu fertig, sein Kopf hatte sich bereits in Richtung Brust gesenkt. Tja - jetzt hätte ich die Gelegenheit IHM was zurück zu geben und bleibe doch einfallslos stumm. Udo, du musst noch einiges lernen. Um dich Ultraläufer zu nennen, reicht es nicht weit laufen zu können.

Man kennt sich, das fiel mir schon vor dem Start auf. Dafür ist nicht allein die regionale Herkunft der meisten verantwortlich. Selbst mir, der heute erst seinen vierten Lauf jenseits der Marathondistanz bestreitet, begegnen bekannte Gesichter, wenngleich ich sie nicht zuordnen kann. Mit einer Ausnahme: Blond, mittellanges Haar, schlanke, drahtig muskulöse Gestalt, weibliche Attribute und männlich markante Gesichtszüge. Zuletzt begegnete ich ihr beim Westerwaldlauf im Mai diesen Jahres (sh. Laufbericht). Damals „verwirrte“ mich die Anwesenheit einer im Geschlecht konvertierten Läuferin noch. Heute bin ich nur noch ein wenig befangen, was leider verhindert sie zu begrüßen und an die gemeinsame Strapaze zu erinnern. Nach dem Start zog sie mit schnellen Schritten davon, in der letzten Runde werde ich sie wieder einholen.

Es mag eigenartig klingen, aber die zweite Hälfte ist tatsächlich einfacher zu laufen. Nicht körperlich, aber ich hob ja bereits hervor, wie wichtig der Kopf auf solch langen Distanzen ist. Nach der Halbzeit motiviert der Marathon als nächstes, recht bald erreichtes Zwischenziel. Schon einige Runden vorher nahm die dreiköpfige Zeitnahme am Biertisch unterm Partyzelt Platz. Jetzt laufe ich mit ein bisschen Spannung auf sie zu und bekomme meine Marathonzwischenzeit bestätigt: 3:49:06. Das Minimalziel ist erreicht. Ans Aufhören denke ich, aber nicht als ernsthafte Alternative. Beine und vor allem Füße schmerzen bereits heftig. Doch, doch! Es tut weh und ich will mir diesen Umstand nicht schön reden. Es enttäuscht mich sogar gelinde, dass ein auf Sparflamme gelaufener Marathon solche „Spuren“ da unten hinterlässt. Aber ich bange nicht um weitere Kilometer. Das ist ein für allemal vorbei. Dazu habe ich den „Rubikon des konstanten Schmerzes“ schon zu oft und zu weit überschritten. Mit Gewissheit: Wenn ich fühle, wie ich augenblicklich fühle, dann sind da noch große Reserven. Ertragen muss ich es halt. Weiter laufen, immer weiter …

Kurz vor dem Startbereich: Ich passiere zum ach wievielten Mal den Mann am Mikro. Startnummer 90 macht ihn unzufrieden, denn wieder steckt er den Kopf in seine Listen und wieder findet er dort keine Angaben. Wenn er mich schon nicht mit Namen ansagen und dergestalt motivieren kann, dann will er mich wenigstens ein bisschen „rügen“. Und so schlägt er dann vor die Anmeldung nächstes Mal doch ein wenig früher vorzunehmen, damit er was von mir zum Besten geben kann.

Die elektronische Registrierung per Transponder funktioniert nicht mehr. Diesen Eindruck hatte ich schon einige Male, aber erst jetzt kommt dazu ein offizieller Hinweis. Die Anlage versagte schon im letzten Jahr, vielleicht versuchen sie es künftig mit einer anderen Einrichtung, oder verzichten gleich ganz auf den technischen Firlefanz.

Zwei Runden noch bis zum Fünfziger. Auf Streckenlängen jenseits Marathon ist auch genug Zeit für Gedanken purer Vernunft: ‚Wäre es nicht besser bei 50 Kilometern aufzuhören? Das reicht als langer Trainingslauf, gilt sogar als Ultra. Bedenke das anstrengende Training von vorgestern! Du bist praktisch ohne Tapering, eben spontan, in diesen „Run“ gegangen. Besteht nicht die Gefahr sich zu verletzen?’ Mit diesem Risiko läuft man immer. Aber es wird gut gehen - zumindest versprechen es Laufgefühl und Erfahrung. „46 Kilometer!“ - die Ansage unterm Dach des Partyzeltes unterbricht meine Gedanken.

Zeitmessungen hatte ich zwischenzeitlich eingestellt. Mir fehlte die Lust mich darauf zu konzentrieren und wohl auch eine schleichende Tempoverschleppung feststellen zu müssen. Obwohl - das Tempoempfinden suggeriert mir keine allzu große Abweichung!? Schließlich ringe ich mich doch wieder zur Zeitnahme durch und bekomme bestätigt, dass meine Pace sich kaum verändert hat.

„50 Kilometer, 4:33:30!“ - schallt es mir unter dem Baldachin entgegen, obwohl ich die Täfelchen mit der entsprechenden Aufschrift erst ein paar Meter weiter passiere. Und wieder der Gedanke aufzuhören. Wieder nur kurz bis hinter die nächste Kurve und erneut ohne Konsequenz. Die fehlenden anderthalb Stunden schaffe ich jetzt auch noch …

Einen „Wettlauf“ ganz eigener Art liefere ich einem Läuferpaar. Sie fanden sich nach ein paar Runden, unterhalten sich bisweilen angeregt. Irgendwann ziehen die beiden Männer mit deutlich höherem Tempo an mir vorbei. Bis zur nächsten „Tränke“, da hole ich sie wieder ein. Sie lassen sich zum Verpflegen Zeit, während mich mein Becher nur zu vier, fünf Gehschritten zwingt und so bin ich wieder im Vorteil. Jedoch nur für ein paar hundert Meter, dann schließen sie neuerlich auf und streben mit schnellem Schritt davon. Das wiederholt sich fortan zweimal pro Runde, anlässlich etlicher Trinkpausen. „Der hat uns doch schon mal eingeholt“ höre ich zwischendurch. Meine Taktik der kurzen Unterbrechungen, verknüpft mit entsprechend niedrigerer Laufgeschwindigkeit, halte ich für effektiver. Aber wer weiß: Vielleicht macht es den beiden mit ihrer Methode mehr Freude und sie sind auf diese Weise letztlich schneller. Die Psyche entscheidet auf solchen Strecken über den Erfolg.

In Runde 14: Ziemlich genau fünf Stunden werden um sein, wenn ich gleich die Startlinie erreiche - hat die Rechenmaschine in meinem Kopf ermittelt. Dann hab ich nur noch eine Stunde vor mir. Nur noch eine lächerliche Stunde! ‚Eine Stunde Laufen zieht sich elend lang’ mahnt es unwillkommen von ganz weit hinten … Aber der Miesepeter kann sich im Duell der Emotionen nicht durchsetzen. Es resultiert ein kleiner Schub Motivation in Richtung Ziel, als eine Art Gedankenecho: ‚Nicht mehr lang, nicht mehr lang, nicht mehr lang …’

In Runde 15: Wie weit werden die Füße mich heute tragen? Die mit dem Halbzeitergebnis angepeilten 66 Kilometer werde ich nicht schaffen, ein wenig vom Anfangstempo habe ich dann doch eingebüßt. Eine grobe Kalkulation lässt mich auf knapp 65 Kilometer hoffen - wenn ich nicht noch einbreche. Danach sieht es zwar nicht aus, aber man weiß ja nie.

Vorentscheidungen in Runde 16: Sylvie überholt mich. „So gut wie sie derzeit drauf ist, traue ich ihr 70 Kilometer zu“ hatte Roland schon zu Anfang gemutmaßt. Und nun hat sie mir bereits eine Runde abgenommen. Letztlich wird sie die sechs Stunden mit einer fantastischen Leistung von 70,5687 Kilometern abschließen. Ein, zwei Sätze der Anerkennung gebe ich ihr mit auf den Weg. - Eine halbe Stunde noch und mein Kopf beschäftigt sich zum x-ten Male mit Multiplizieren und Addieren. Auch diesmal steht hinter dem Gleichheitszeichen ein Finish zwischen 64 und 65 Kilometern. Wie befürchtet, hat sich das Wetter kaum gebessert. Zwar hielt der Himmel seine Schleusen in den letzten anderthalb Stunden geschlossen, aber noch immer wabern fette Wolkenbänke knapp über den Baumwipfeln und vermitteln den Eindruck eines tristen Novembertages. Im letzten Jahr drängten sich Badegäste auf dem schmalen Streifen zwischen Uferweg und Wasser, so jedenfalls erzählte es mir Roland. Um mich heute dieses Bild schauen zu lassen, muss meine Fantasie hart arbeiten. - Sören taucht vor mir auf. Wenig später bin ich auf gleicher Höhe. „Geht es noch?“ erkundige ich mich. Er bejaht und macht dabei einen durchaus stabilen Eindruck. Also kein Grund zur Sorge. Hinterher wird er mir erklären, dass ihn der Wunsch nach einer guten 50 Km-Zeit getrieben hat.

Zum letzten Mal laufe ich über die Startlinie und empfange dabei ein Stück Kreide. Es dient dem Schlussritual, der Markierung und Beschriftung jener, nach sechs Stunden erreichten Stelle. Eine läuferfreundliche Lösung, hatte ich doch befürchtet, wie in Troisdorf, auf das Eintreffen des Wertungsrichters mit seinem Messrad warten zu müssen. Eine ungute Vorstellung angesichts dieses Mistwetters. Und nun wieder der Blick zur Uhr: Noch fünfzehn Minuten und 62 Kilometer sind zurückgelegt. Wenn ich die „65“ noch vollenden will, muss ich die Beine in die Hand nehmen. Wer mich auch nur ein klein wenig kennt, weiß was nun geschieht: Ich lasse meinem Ehrgeiz freien Lauf - im wahrsten Sinne des Wortes. Diese Schlussoffensive hat nun wahrhaft experimentellen Charakter. Ich habe keine Vorstellung davon, was der Hamster nach fast sechs Stunden im Laufrad noch drauf hat. Gut möglich, dass er in ein paar Minuten kläglich einbricht …

Doch genau das geschieht nicht - im Gegenteil. Das wird die beste und schönste Viertelstunde des ganzen Laufes. Woher diese Kraft noch kommt, darüber kann ich nur spekulieren. Die Schinderei des ersten Halbjahres hat meine Ausdauer nachhaltiger geprägt, als ich zu hoffen gewagt hätte. Und so renne ich, renne und staune. Staune über stetig fließende Energie und freue mich. Nein, es ist mehr. Ich bin glücklich. Allein für diese letzten fünfzehn von dreihundert Minuten hat sich die Schinderei gelohnt. Der Schmerz ist natürlich noch da, der Schmerz von unten, aus gepeinigten Muskeln, Sehnen, Bändern. Aber jetzt hat er keine Bedeutung mehr - überhaupt keine. Noch fünf Minuten und die 3000 Meter-Markierung ist mein individuelles Ziel. Dort bin ich ganz sicher jenseits der 65 Kilometer. Ich halte das Tempo, bin mir meiner Form vollkommen sicher. Fünfzig Meter voraus gibt ein anderer Läufer gleichfalls Fersengeld. Erst lasse ich mich von ihm ziehen, komme näher, will ihn dann gar einholen. Hört er seinen Verfolger kommen? Kaum, es zieht ihn einfach in den Strudel der finalen Minuten. Unser Abstand verringert sich nicht mehr, obwohl ich das Tempo noch zwei-, dreimal verschärfe. Jetzt gebe ich wirklich alles. Noch zwei Minuten, dann noch eine, die 3000 Meter-Markierung fliegt vorbei. Aber meinen „Gegner“ werde ich nicht mehr erreichen. Der erste Schuss bricht. Bis das Signal zu mir durchdringt und ich geradezu widerwillig stehen bleibe, hat es bereits weitere zweimal geknallt …

Ich stehe, atme ein paar Mal kräftig durch, kennzeichne dann meine Position. Ein fetter Strich, dreiseitig begrenzt von einer „90“ bleibt zurück, als ich wieder locker in Richtung Start antrabe. 65,2864 Kilometer liegen hinter mir. Auf den letzten Metern zum Startbereich erfüllt mich eine große Zufriedenheit.

 

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