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Um es gleich vorweg zu nehmen: Für viele Aktivitäten, passive wie aktive, ist diese herrliche Insel hundertfach besser geeignet als zum Laufen. Den meisten von uns - und ich nehme mich da nicht aus - wird einer der misslichen Begleitumstände beim „Laufen auf Gran Canaria“ sauer aufstoßen. Doch nun der Reihe nach und ausführlicher: Insgesamt schnürte ich siebenmal in zwei Wochen die Laufschuhe und legte dabei 100 Kilometer zurück. Auch Ines rang sich zu einem Start durch, verspürte danach allerdings wenig Lust auf eine Wiederholung dieser Erfahrung. Mehr als neun Zehntel meiner Kilometer spulte ich auf Asphalt ab, den Rest auf „Pistas“, „Caminos“ oder „Senderos“. Feld- oder Waldwege für zivilisations- und menschenfernes Joggen sind rar. Und findet man welche, vergällen einem üble Wegverhältnisse die Lauffreude. Zwar gelangt man auf diese Weise in reizvolle Ecken, genießt Ausblicke, die vielen verborgen bleiben; einsame Buchten an der Steilküste, von Gischt und Brandung umtost, atemberaubende „Barrancos“ oder typisch kanarische Landschaften landeinwärts, wo der würzige Geruch einheimischer Flora die Nase verwöhnt. Wunderschön bis aufregend, erlebnisreich und intensiv, doch dafür hadern deine Laufwerkzeuge mit gröbstem Geläuf. Anstrengend gestaltet sich Joggen auf Gran Canaria auf jeden Fall. Dazu trägt einerseits die Witterung bei. Die grundsätzlich hohe Luftfeuchte garantiert Schwitzen, unabhängig von Lufttemperatur und Tageszeit. Hat der Läufer „Glück“, erwischt er schlechtes, das heißt in kanarischen Gefilden kühles Wetter und einen bedeckten, bisweilen regnerischen Himmel. Hat er „Pech“, treiben ihm auch in den Wintermonaten und bis in die Abendstunden Temperaturen über 20°C den Schweiß „literweise“ aus den Poren. Ich lief unter mehrerlei Bedingungen, tags, abends, in der Sonne, unter bedecktem Himmel, in kühler und in schwüler Luft. Keinen dieser Umstände empfand ich als unangenehm, verfüge in dieser Hinsicht aber auch über eine eher hohe Toleranzschwelle. Das galt ausnahmsweise sogar für die steife Brise, die mir auf einem von zwei 20 km-Joggs entgegen blies. Sie kühlte und war willkommen. Aus der Sammlung meiner Trainingsläufe und dem übrigen Wettergeschehen leite ich eine vielleicht unerwartete Bekleidungsempfehlung ab: Wer auf den Kanaren laufen möchte, sollte eine Komplettausstattung an Laufbekleidung im Gepäck haben; von luftig leicht in praller Sonne oder an lauen Abenden, bis langärmlig bei Schlechtwetter. „Sonnenflüchter“ lassen schulterfreie Varianten besser zu Hause. Auch im Winter besitzt die Sonne in diesen Breiten (Höhe Nordafrika!) genug Kraft dir in 30 Minuten einen bösen Sonnenbrand zu verpassen. Anstrengend ist Laufen auf Gran Canaria auch, weil flache Strecken eher Seltenheitswert genießen. Natürlich kann man an der Strandpromenade mehrmals hin und her laufen und auf diese eher eintönige Art Laufminuten sammeln. Ein-, zweimal mag das Spaß machen. Und dann? Maspalomas oder auch die Hauptstadt Las Palmas warten mit kilometerlangen Sandstränden auf. Im Badeurlaub sicher eine (Lauf-) Alternative. Wer sich jedoch abseits massentouristischer Pfade einquartiert, dem bleiben regelmäßig nur die vielen Straßen - meist mit reichlich Höhenmetern gewürzt.
Die Straße als Laufrevier bringt mich zum wichtigsten Punkt: Laufen auf Gran Canaria ist nicht ungefährlich! Kaum jemand wird stark befahrene Hauptstraßen für sein Lieblingshobby wählen. Die wären breit genug, um als „Corredor“ sicher vom rollenden Verkehr getrennt zu sein. Ich suchte landschaftlich attraktive, weniger befahrene Nebenstraßen und wurde fündig. Nachteil: Schmal sind die, zuweilen passen nicht einmal zwei Autos nebeneinander. Viele Canarios befahren enge „Carreteras“ entsprechend vorsichtig und defensiv. Aber auch die rücksichtslose, schnelle Fahrweise hat mindestens so viele Anhänger wie bei uns. Hinzu kommen ein paar wichtige Umstände, die man in keinem Augenblick vergessen sollte:
Einen besonderen Hinweis adressiere ich an jene, die Angst vor Hunden haben. Auf den Kanaren - und für das Gran Canaria des Jahres 2008 gilt das nach meiner Beobachtung in besonders zahlreicher Weise - scheinen mehr Hunde zu leben als Menschen. Hundegekläff ist allgegenwärtiges Hintergrundgeräusch, das allenfalls vom Meeresrauschen am Strand oder dem Wind in den Pinien einsamer Hochlagen für längere Zeit übertönt wird. Und Läufe ohne mannigfach aus Verschlägen oder hinter Grundstückseinfriedungen anschlagende Hunde halte ich für ausgeschlossen. Mit Sicherheit werden dir auch streunende Kläffer auf der Straße begegnen, bisweilen abseits jeglicher Behausung. Natürlich stellten sich auch mir die Nackenhaare auf, als plötzlich mitten in der „Pampa“ ein „Perro“ wild und ohne Vorwarnung auf mich zupreschte. Ein junger, scheinbar herrenloser Hund, der endlich jemanden zum Spielen gefunden zu haben glaubte und nach hundert Metern ein wenig enttäuscht zurück blieb. Alle tierischen Begegnungen waren vollkommen harmlos, was selbstverständlich nicht immer so sein muss, auch wenn die wirklich scharfen, bösen Exemplare, an erbarmungswürdig kurzen Ketten zerrend, sicher weggesperrt waren. Der Faktor „Hund“ wird jedoch jedem diesbezüglich sensiblen Charakter Läufe zum Herzinfarktrisiko werden lassen.
Kann „Laufen auf Gran Canaria“ unter dergestalt erschwerten Begleitumständen überhaupt noch Spaß machen? - Eine Frage des Naturells auf die es nur individuelle Antworten gibt. Trotz Anstrengung und gelegentlichen Schrecksekunden hab ich jeden meiner sieben Läufe genossen, freute mich über fremdartige Gerüche, Geräusche und nicht zuletzt Bilder in einzigartigen Farben. Auch mancherlei kuriose Begegnung und Beobachtung möchte ich nicht missen. Als mir der hellblaue Wagen der „Policia local“ die ersten beiden Male auf Streifenfahrt in „meinem“ Tal entgegen kam, wahrten Insassen und Läufer vornehme Zurückhaltung. Beim dritten „Rendezvous“ hoben sich dann drinnen wie draußen die Hände zum Gruß. Zum Glück reicht meine Fantasie nicht mir vorzustellen, was in den Köpfen der Uniformierten angesichts des zum wiederholten Mal bergwärts keuchenden Fremden vorging …
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Miniwörterbuch Barranco = Schlucht Camino = Weg Carretera = Verbindungsstraße Corredor = Läufer Cuidado con los perros = Vorsicht Hund(e)! Perro = Hund Pista = Piste, Fahrweg Policia local = Ortspolizei Sendero = Pfad ![]() Für vieles eignet sich Gran Canaria hervorragend ... zum Beispiel zum Bergwandern. ![]() Einsame Buchten an der Steilküste ![]() Atemberaubende Barrancos Die Straße zu verlassen ist stellenweise nicht ratsam ... ![]() ... oder nur unter erschwerten Bedingungen möglich. ![]() Was willst du hier? Verschwinde! ![]() ![]() Ob die vier ohne Kette gefährlich wären? Diese Höhlen, direkt an der Straße von Agaete nach irgendwo, ![]() unterbrachen meinen 20 km-Lauf für 3 Minuten ... "Mein" Tal ... ![]() |