8. Juni 2022

Er kannís nicht lassen!  -  Ostfildern Marathon (3)

Keine Minute nach meinem Solostart begegne ich zwei weiteren Teilnehmern am Ostfildern Marathon.* Einen kenne ich nur flüchtig, dafür folge ich dem läuferischen Wohl und Wehe des anderen mit umso größerer Anteilnahme. Klaus erlitt vor wenigen Monaten ebenfalls einen Herzinfarkt und feiert heute sein Marathon-Comeback. Und wer, wenn nicht ich, könnte ermessen, welche Mühen damit verbunden sind, nach der gesundheitlichen Zäsur, praktisch bei null beginnend, wieder marathonreif zu werden.

"Er kannís nicht lassen!" lacht Klaus mir entgegen ... Was genau ich antworte, daran erinnere ich mich nicht. Definitiv wünsche ich ihm einen guten Lauf. Gemeint sind Freude daran wieder weit laufen zu können und das Glück in ein paar Stunden die Ziellinie zu erreichen. Dergleichen wünschen Läufer einander, wenn sie sich kennen und begegnen. Doch nur selten dürfte der Wunsch mit derart empathischem Nachdruck ausgesprochen werden wie in diesen Sekunden von mir. Dass mir der genaue Wortlaut entfiel, stellt keinen Widerspruch dar. Ich konnte noch nie zweigleisig denken oder handeln. Sein "Er kannís nicht lassen" weckt gedankliches Aufbegehren, während ich zugleich meine hoffentlich aufmunternden, motivierenden Sätze spreche.

Wieso das innerliche Aufbegehren? - Klaus weiß von meinem Ultralauf "Rund um Detmold", den ich vor erst vier Tagen meinen Beinen über mehr als siebeneinhalb Stunden abtrotzte. Per E-Mail-Kontakt erfuhr er überdies, dass ich erwog am heutigen Mittwoch hier in Ostfildern noch einen Marathon draufzusatteln. Daher sein flotter Spruch. Und doch "könnte ich es durchaus lassen", mir nach so kurzer, unvollständiger Regeneration erneut die volle "Erschöpfungsdröhnung" zu verpassen. Dass ich "es nicht lasse", geschieht ausschließlich aus Trainingsgründen. Mehr noch: Ich darfís nicht lassen, darf die Chance dieses harten Zusatztrainings nicht ungenutzt lassen, will ich mich in 10 Tagen beim "Hunderter" in der Lüneburger Heide erfolgreich und ungeschoren aus der Affäre ziehen. Deshalb und NUR deshalb bin ich heute hier.

Ich kenne die Runde des Ostfildern Marathons* inzwischen wie meine Westentasche. An diesem Tage trete ich zur dritten Auflage an. Ein Umlauf über die so genannten "Filder" (südöstlich von Stuttgart gelegen) entspricht exakt einem Drittelmarathon, vermessen vom Veranstalter des Laufes, Michael Weber. Folglich durfte ich die Runde insgesamt schon sechsmal "studieren", je dreimal im Februar und März. Damals trug Mutter Natur ihr Winterkleid, weswegen ich heute doch so etwas wie ein Debüt erlebe: Alles grün, explodierende Vegetation, Vogelstimmen dringen aus jedem Gebüsch. Wiesen, in denen das Gras so hoch steht, dass Rehe selbst in relativer Nähe unentdeckt bleiben würden. Und das Beste: Ich darf hier endlich mal ohne Vermummung laufen, in kurzem Trikot und ebensolcher Tight.

*) Zum besseren Verständnis des Ostfildern Marathons: Individueller Startzeitpunkt an beliebigem Punkt der Strecke; Übermittlung der per GPS-Aufzeichnung nachgewiesenen Laufstrecke an den Veranstalter; Strecke ist vom Veranstalter markiert aber auch als Rundweg "S3" von der Stadt Ostfildern beschildert; ein Teil der im Text verwendeten Begriffe (zum Beispiel "Filder") lasse ich unerklärt. Erläuterungen dazu finden sich im Text zu meinem Ostfildern-Debüt vom Februar.

Alles bekannt auf den ersten Kilometern: Der Start- und Wendepunkt, wo ich auch mein Auto abstellte, ist auf der Straße vor der Körschtalhalle markiert. Von dort durchs namensgebende Tal, alsbald auf guter Schotterpiste. Nach anderthalb Kilometern der erste markante Buckel, nicht sonderlich hoch, dafür steil, anschließend vorbei an umzäunter Weide und Stallung. Wie gesagt: alles bekannt aber eben doch anders. Kein Morast mehr in Höhe der Weide und infolge dichten Grüns mangelt es mir erfreulicherweise auch an "Durchblick". Klausí Begleiter von vorhin holte mich mittlerweile ein. Wir wechseln ein paar Sätze, bevor der junge Mann Fersengeld gibt und mühelos die Distanz zwischen uns vergrößert.

Im Körschtal halte ich weiter Kurs gen Osten in leichtem Gefälle. Liegt es am Gefälle oder eher am Ausbleiben schwerer Beine, die ich nach nur drei Tagen Erholung befürchtet hatte? Zuversicht macht sich breit: Vielleicht geht heute doch mehr, als nur "ungestraft davonkommen"!? Ich trabe unter der hoch über mir das Tal überspannenden Straßenbrücke hindurch und linse dann doch mal von Neugier getrieben auf meinen GPS-Tacho. Was ich ablese widerspricht meinem Empfinden durchaus: nur mäßiges Tempo, trotz frischer Beine. Korrigieren werde ich meine Pace nicht, weil sich das mit der "Frische" alsbald geben wird. Vielleicht schon nach dem ersten kapitalen Aufstieg, der mich aus dem Tal hoch auf die "Filder" hieven wird. Und dieser Aufstieg beginnt jetzt: Links vom Talweg abbiegen, augenblicklich deftige Steigung, die infolge asphaltierten Wirtschaftsweges allerdings erträglich bleibt. Wiesen beidseits, alsbald vorbei an zwei zufrieden im Gras liegenden, wiederkäuenden Rindviechern. Ein Stück mit reduzierter Anstrengung folgt, anschließend wieder fordernder hinan, weitere zweimal abbiegen und final das härteste, da steilste Stück Arbeit, dem unterdessen überwiegend blauen Himmel entgegen ...

Im Landeanflug auf den nahen Flughafen Stuttgart donnert gerade der fünfte oder sechste Düsenclipper vorbei, seit ich zum Landeanflug auf den nächsten Marathonsieg ansetzte. Im Tiefflug, manchmal nur im Minutenabstand, rauschen die Linien- und Ferienflieger im Tiefflug über meinen Kopf hinweg. Auch das unterscheidet die heutige von meinen vorherigen Teilnahmen am Ostfildern Marathon: Im Februar und März waren deutlich weniger Flieger am Himmel*.

*) Ich will daraus nicht schließen, dass im Februar/März - aus welchem Grund auch immer - das Flugverkehrsaufkommen geringer war. Möglich wäre auch, dass der Landeanflug auf Grund der damals vorherrschenden Windrichtung aus der Gegenrichtung erfolgte.

Meine Vorfreude heute hier zu laufen hielt sich der eingangs geschilderten Umstände wegen im Rahmen - vorsichtig ausgedrückt. Dass ich Marathonkilometer auf bekannter, in nur fünf Monaten bereits zum dritten Mal besuchter Strecke sammeln wollte, tat ein Übriges. Die grandiose Verwandlung der Natur entlang bekannter Wege hatte ich dabei allerdings nicht auf der Rechnung. Kaum sattsehen kann ich mich am allerorten sprießenden Grün. Obstbäume, die nun nicht mehr winterlich kahl ihre Äste in den Himmel recken. Bestellte Felder, auf denen sich dicht stehende Halme mit schon erstaunlicher Wuchshöhe sanft in schwacher Brise wiegen.

Den ersten "Klimmzug" vom Körschtal hoch auf die "Filder", etwa 50 Höhenmeter, scheine ich gut weggesteckt zu haben, die Schritte gehen mir rasch wieder locker vom Fuß. Das wird spätestens in Umlauf drei anders sein, doch im Moment genieße ich das Unverhoffte. Die "Leichtigkeit läuferischen Seins" ebenso, wie das frühsommerlich lebendige, von der Sonne bunt in Szene gesetzte Panorama. Leicht bergab auf den Ortsteil Nellingen zu, binnen fünf Minuten hindurch und wieder hinaus ins bäuerliche Umland Stuttgarts. Vom "Bäuerlichen" bleibt jedes Jahr weniger übrig. Wohnbebauung okkupiert Flächen, erheblich gefräßiger gebärdet sich jedoch der Verkehrswegebau. Ich kenne die Region der "Filder" nicht anders als "im Bau". Über Jahrzehnte ging es dabei um den Aus- und Umbau der Autobahn A8 und die Verkehrsanbindung des Stuttgarter Flughafens. Doch dann wurde Stuttgart 21 durchgeboxt, darin enthalten der Neubau der Schnellbahnstrecke parallel zur Autobahn, und die Wühlmäuse in Baggern bekamen erst richtig Arbeit ...

Irgendwann seit März musste der mobile Hühnerstall seine Mobilität unter Beweis stellen. Die vormals "bepickte und bescharrte" Wiese rechts des Betonsträßchens darf sich erholen, die Freilauf-Eierleger residieren nun auf der anderen Seite des betonierten Feldweges, ein paar Metter querab. Ich passiere drei Aussiedlerhöfe und steuere auf die "Rechtsabbieger-Kreuzung" zu. Sowohl von meiner Seite, nach etwa 6,5 gelaufenen Kilometern, als auch von der Gegenseite kommend, dem baldigen Ende der Runde entgegen strebend, biegen Marathonis und Marathonas rechts ab. Der Zufall will es, dass just zu diesem Zeitpunkt zwei Läufer auf Kollisionskurs das korrekte Rechtsabbiegen demonstrieren. Beide heben die Hand zum Gruß und richten das Wort ans abbiegende Gegenüber. Der eine bin ich, im anderen erkenne ich Ulrich Tomaschewski, selbst Ausrichter einer Marathonserie an seinem Wohnort nahe Crailsheim (Hohenlohe Marathon).

300 Meter weiter schere ich zum verbuschten Rand der Strecke hin aus. Ja, schon auch, um mich zu erleichtern. Vor allem aber, um aus einer von zwei Flaschen zu trinken, die ich bei der Anfahrt dort hinterlegte. Ungefähr in Höhe der Rundenhalbierung deponierte, so dass ich im 7-km-Takt Zugriff auf Wasser habe. Übrigens nur Wasser heute. Nach dem Gel-freien fast Acht-Stunden-Ultra vom Samstag ohne Zusammenbruch mutig geworden, habe ich mir heute strengste Nulldiät verordnet ...

Kurz hintereinander drei Verkehrswege überqueren: Straße, Gleise der Stuttgarter Stadtbahn und noch eine Straße. Auf Grund lebhaften Verkehrsaufkommens drei potenzielle Gefahrenstellen. Überlebt. Und nun zum sicher exklusivsten Schnipsel des Kurses verzweigen. Die "Finnenbahn" beginnt mit zwei Höhenmetern, die mich über einen bepflanzten Lärmschutzwall und an den Zaun eines Sportgeländes bringen. 150 Meter federn die Füße über den zur Gelenkschonung gemulchten Untergrund, dann schere ich aus und strebe per Trampelpfad dem nächsten festen Feldweg zu. Alles verwachsen. Zuletzt der Trampelpfad, über den sich von beiden Seiten hohes Gras neigt (hoffentlich fange ich mir keine Zecke ein!), auch die Bepflanzung des Lärmschutzwalles davor könnte einen entschlossenen Rückschnitt vertragen.

Sicherheitshalber verharre ich ein paar Sekunden auf dem betonierten Wirtschaftsweg und fahnde nach heimtückischen Insekten, die mir eventuell im Gras auflauerten. Zeckenfrei!, vorausgesetzt ich betrieb die Fahndung mit ausreichend Sorgfalt. Anlauf nehmen zur zweiten langen Steigung der Route. Etwa gleich lang wie die erste, allerdings harmloser - zu diesem frühen Zeitpunkt jedenfalls. Erfahrungsgemäß "versteilen" böswillige Mächte die Rampe nach jedem Umlauf ... Mit merklich erhöhter Atem- und Herzfrequenz schlussendlich vorbei am "Naturkindergarten", von dessen beschattetem Areal helle, ins Spiel vertiefte Stimmen herüberschallen. Links ab, flach geradeaus und vorbei an Schrebergärten.

Minuten später stelle ich beunruhigt fest, dass die Aliens den Planeten Erde noch immer nicht verließen!!! Nach wie vor halten sie sich irgendwo versteckt, mutmaßlich zur Täuschung in Menschengestalt. Um die fortwährende außerirdische Unterwanderung zu verschleiern, wollen dir viele vormachen, beim Raumschiff dort drüben handele es sich keineswegs um ein Fahrzeug mit intergalaktischer Reichweite. Vielmehr habe man eine Kirche vor sich. Sogar "Google" leistet dieser Weltverschwörung Vorschub und bezeichnet den in der Vogelperspektive seiner "Maps" sichtbaren Raumgleiter als "St. Dominikus". Letzte Zweifel konnte ich bei mir noch nicht ausräumen, doch mit hoher Wahrscheinlichkeit ist auch "Bill Gates" in dieses skandalöse "Alien-gate" verstrickt - wie ja schon der Name des Bösewichts ahnen lässt. Er soll - so hörte ich aus stets gut unterrichteten Kreisen - sogar ein Virus in die Welt gebracht haben! Als Vorwand, um alle Bewohner des Planeten impfen zu können. Diese Impfung dient mitnichten der Virusabwehr, sie fördert sehr wirksam das Vergessen. Oder weiß noch jemand außer mir von der Anwesenheit der Aliens? - Wie bitte? Doch schon, ich bin auch geimpft. Mir konnten die drei Injektionen jedoch zum Glück nichts anhaben, obwohl man mein Erinnerungsvermögen mit zwei verschiedenen Präparaten niederspritzen wollte! Wo war ich noch gleich ... ach ja, beim Laufbericht Ostfildern!

Unter schattigen Bäumen hin zum Rand der Parksiedlung. Die entstand auf dem ehemaligen Terrain der Landesgartenschau BaWü. Und die Gartenschau wiederum nutzte einen Teil der Flächen der aufgelassenen "Nellingen Barracks". Dort waren zu Zeiten des Kalten Krieges US-Truppen stationiert, die einen Hubschrauberlandeplatz betrieben. Es ging die Mär der Kalte Krieg sei vorbei, die United States of America reduzierten ihr Truppenkontigent in Europa, die Hubschrauber hubschraubten von hinnen. Stand heute weiß man, dass der Kalte Krieg nur eine Pause einlegte. Kommen die Hubschrauber jetzt zurück? - Aber ich schweife ab.

Jedenfalls entstand auf einst militärisch genutzem Gelände ein blitzsauberes Wohnviertel. Infolge durchdachten Umbaus gelang es sogar optisch erträglichen Wohnraum aus potthässlichen, mehrstöckigen Unterkunftsgebäuden zu gewinnen. Deren Parade nehme ich nun auf dem Trottoir der gegenüberliegenden Straße ab, bevor ich an der Nordwestecke der Siedlung zur Graspiste des ehemaligen Flugfeldes hin abbiege. Die Graspiste wurde zu einem riesigen Park mit ausgedehnten Grasflächen umgewidmet. Einer mehrere hundert Meter langen, schnurgeradeaus führenden, eigens gepflanzten Allee folgend bewahre ich mir die Hoffnung, dass dieses wundersam leere Areal auf immer genauso leer bleiben wird. Als Refugium für spielende Kids, Gassi gehende Zeitgenossen mit Vierbeinern, sonstigen Frischluftfanatikern (wie uns Läufern) und vor allem als Lebensraum für die Vertreter der hoffentlich zahlreich zwischen hohen Halmen wohnenden Fauna.

Die abwechselnd pink und neongrün gefärbte Fauna am Ende der Allee, fünfzig Meter abseits mitten in der Rasenfläche, rund um eine drei oder mehr Meter hohe Möhre ausharrend ist allerdings Fake aus Plastik. Okay, ich akzeptiere auch den Begriff "Kunstwerk" für die kreisförmig um eine verlockende Riesenrübe versammelt lauernden Sitz- und Fliehhasen ... Nach 90°-Richtungswechsel trabe ich in Wurfweite am ehemaligen Offizierskasino der "Amis" vorbei. Von dem ist derzeit allerdings infolge ausgebrochenen Sommers, gegen den sich die Bäume mit Blättern wappnen, nichts mehr zu sehen. Erst in Höhe der so genannten "Alten Wache", wo sich einst die Kasernenzufahrt befand und heute die ungewöhnliche Allee beginnt, kann man mit Blickwendung mehr von den ehemaligen, längst zu Wohnungen umgebauten Kasernengebäuden einsehen.

Die "ungewöhnliche Allee" betritt, wer ungefähr in Höhe der "Alten Wache" nach Norden hin abbiegt. Was die Strecke auch uns Marathonis/-as abverlangt. Beidseits einer "Flachtreppe", die aus rein bundesgartenschau-baulichen Gründen, also zur Zierde, angelegt wurde, ragen Eichen in den Himmel. Tatsächlich Eichen, wie ich im Vorbeilaufen durch Beschau der Blattform feststelle. Gibt es Eichen, die ihrem Genom gehorchend in der schlanken Form von Zypressen oder wenigstens den in Mitteleuropa beheimateten Pappeln wachsen? Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, wie es ansonsten möglich sein sollte die (von mir in Google Earth vermessene) etwa einen Kilometer (!) lange Doppelreihe von Eichen, von der jeder Baum eine (geschätzte) Höhe von vielleicht sieben Metern erreicht, in schlanker Form zu halten. Wenn die Gärtnertruppe den Schnitt am einen Ende vollendet hätte, müsste sie schätzungsweise am anderen von Neuem beginnen - zumindest in der Wachstumsperiode.

Ich verlasse die moderne Parksiedlung und wende mich wieder den Feldern der "Filder" zu. Nach nur einem Kilometer und etwa anderthalb Kilometer vorm Ende der Runde laufe ich abermals auf die "Rechtsabbieger-Kreuzung" zu, diesmal selbst aus nördlicher Richtung. Anders als vorhin, begegne ich keinem der anderen Läufer, aus der heute ziemlich stattlichen Schar von 15 Teilnehmern. Der Rest der Strecke ergibt sich aus 1,2 Kilometer "Rücksturz" ins Körschtal und weiteren dreihundert flachen Metern im Talgund, um zum Wendepunkt zurückzukehren. Der dreimalige "Rücksturz" tut mir nicht gut heute. Ganz und gar nicht, was ich im Eifer des Gefechts (= unter muskulärer Anspannung und prächtig durchwärmt) allerdings nicht merke. Mein Körper behält sich vor mir die Rechnung in den kommenden Tagen zu präsentieren. Er wird sie mit schmerzenden Stichen in meinen unteren Rücken eingravieren, dabei mit dem Schreibgriffel bis ins Mark der Lendenwirbelsäule vordringen ...

Den angenehmen Teil des Marathons habe ich hinter mir, als ich hinterm offenen Kofferraum meines Pkw stehe und mir den Bauch bis zum Platzen mit Wasser fülle (es ist merklich wärmer geworden und Schweiß fließt reichlich). Ich erspare dem geneigten Leser mein Gejammer über zunehmende Schmerzen in der Gesäßgegend, erst links, dann rechts, die sich an diesem Tag in lange nicht mehr gefühlter Heftigkeit aufbauen werden. Woran das liegt, wüsste ich gerne, könnte außer wilden Spekulationen jedoch nichts anbieten. Und auch davon sollen meine Leser verschont bleiben. Ansonsten verstreichen die beiden folgenden 14 km-Runden mit der Wahrnehmung derselben, bereits geschilderten Eindrücke. Jedenfalls so weit sich mir die Begebenheiten und Panoramen in wachsender Erschöpfung und sich aufbauenden Schmerzen im Fahrgestell noch mitteilen.

Nach und nach begegnen mir noch andere der "üblichen Verdächtigen". Einige jener, die - wie Klaus es ausdrückte - es nicht lassen können. Zum Beispiel überhole ich den "Comrades-Klaus". Klaus Neumann, der mehr als Tausendender, was die Zahl der gelaufenen Ultras und Marathons betrifft. Auch auf den hiesigen Veranstalter, Michael Weber, laufe ich irgendwann auf. Der verbannt ein Abbild meines Läufer-Ichs in seinen Kameraspeicher, um - was für eine tolle Idee! - daraus eine individuelle Urkunde zu gestalten. Umso größer mein Lob, als er diese Nettigkeit sicher nicht nur mir hat angedeihen lassen. Danke Michael!

Andy Schick und Begleiter überhole ich auch irgendwann. Es fällt wahrscheinlich auf und bleibt festzuhalten, dass ich heute mehrfach überholte und nur einmal selbst überholt wurde. Mithin wird nicht erstaunen, dass ich Runde zwei und drei etwa gleich schnell absolvierte und dafür sogar ein paar Minuten weniger benötigte als im ersten Umlauf. Wundern möge man sich - ich selbst tue das auch - ob meines überraschenden Stehvermögens. Dass ich zu diesem konstanten, hinten raus eher gesteigerten Tempo über den gesamten Wettkampf überhaupt fähig war. Was mich wiederum der Notwendigkeit enthebt post-marathonal zu grübeln, wieso ich die Folgetage völlig erschöpft und ziemlich "malade" erleben werde ... Wie dem auch sei: Nach 4:53:10 Stunden, mit der viertschnellsten Zeit des Tages und meiner persönlichen Streckenbestzeit beende ich den Lauf.

Um es noch einmal zu unterstreichen: Ich hätte es gerne gelassen, bin aber hinter der Ziellinie doch froh es nicht gelassen zu haben. Abschließend noch die wichtigste Nachricht des Laufberichts: Klaus Mantel konnte sein Marathon-Comeback erfolgreich in 5:20:54 Stunden abschließen!

 

Fazit zur Veranstaltung

Siehe meine Ausführungen vom Februar.

 

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