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Das Triple „H“ Erlebnis – Allgäu Panorama Marathon 2012

Eine arge „Viecherei“ habe ich heute im Sinn und das keineswegs, weil mir Roxi auf vier Pfoten durchs Allgäuer Bergland voraus laufen wird. Dieser Sonntag, der 19. August, soll laut Wettervorhersage der heißeste Tag des Jahres werden. Allerdings gilt meine Sorge weniger mir selbst (Grundeinstellung: Irgendwie komme ich immer durch!) als meiner vierbeinigen, schwarz-felligen Begleiterin. Auf Ultrapfaden bewältigte Roxi überlange Strecken und Höhenmeter bisher spielend. Hitze in Verbindung mit starker Sonneneinstrahlung bringen ihr eingebautes Hechel-Luftkühlungssystem jedoch an die Grenze seines Leistungsvermögens. Folglich stelle ich mich darauf ein ihr Fell mit Teil- oder Vollbädern in Tümpeln und Bächen, wo nicht verfügbar mit Wasser aus Bechern, feucht zu halten. Verstreichende Zeit – Laufzeit – darf dabei keine Rolle spielen!

7:45 Uhr: In makellosem Azur wölbt sich der Himmel über dem Städtchen Sonthofen. Entsprechend hurtig wird die Quecksilbersäule von jetzt noch angenehmen 15, 16°C in Richtung Hitze klettern. Ines und ich treffen liebe (Lauf-) Bekannte am Start, Sybille und Dennis beispielsweise. Dennis laboriert seit dem Supermarathon am Rennsteig an einer „Fersengeschichte“ und wird Sybille moralisch unterstützen. Sie nutzt den „APM“ (Allgäu Panorama Marathon) zur Vorbereitung auf einen Ultra am Wörthersee, Ende September. Kurz vorm Start (8 Uhr) stößt Kraxi zu uns, den man Lesern meiner Laufberichte nicht mehr vorstellen muss. Mit dem Steiermärker geht einer der besten Ultraläufer Österreichs an den Start und sein Ziel ist ein Platz unter den ersten zehn. Mit Roxi an der Seite kann man sich in einem überschaubaren Feld von etwas mehr als 300 Marathonstartern nicht verstecken. Deshalb grüßen nach und nach bekannte Gesichter, die uns von anderen Läufen her kennen oder auch aus dem Läuferforum.

Es ist so weit: Ich verabschiede mich von Ines, die um 9:15 Uhr den Halbmarathon als langen Lauf im Rahmen ihres Marathontrainingsplans für New York bestreiten wird. Mit der angeleinten Roxi stelle ich mich ans Ende des Feldes. Einerseits, weil sie sich gleich wie eine tollwütige Bestie gebärden wird, wenn ein paar hundert Beine zeitgleich loslaufen. Zum anderen werden wir bereits nach wenigen hundert Metern die Iller erreichen und dort will ich Roxi zum ersten Bad in die Fluten schicken. Um die junge Dame auf dem Besenfahrrad mit unserem Manöver nicht in heillose Verwirrung zu stürzen, teile ich der meine Absicht mit und bitte sie auf uns keine Rücksicht zu nehmen.

Da hilft kein Zerren, Schimpfen oder Drohen: Nach dem Startkommando setzt sich der Tross in Bewegung und 14 kg Dynamit auf vier Beinen explodieren! Ließe ich sie gewähren, setzte sich Roxi mit irrwitzigem Spurt vor das Feld, ihrer Natur gehorchend. Aber genau das geht in der Startphase nicht und so eiern wir bis zum Fluss uneins hinter dem Feld her. Am Ufer der Iller lasse ich Roxi von der Leine und schenke ihr ein Vollbad (nach Fressen, Schlafen und Rennen ist Schwimmen ihre viertliebste Beschäftigung). Dazu genügen ein, zwei geworfene Steine, die sie gerne fangen würde. Nach beherztem Sprung klatscht sie ins Wasser, wird von der starken Strömung mitgerissen und paddelt rasch wieder ans Ufer. Aktion erfolgreich, Hund triefnass! Wohl zwei Minuten hat uns das Manöver gekostet, von der bunten Läuferschar ist nichts mehr zu sehen. Dafür wartet die Besenradlerin vor der Fußgängerbrücke, um ihre „Pflicht zu erfüllen“.

Mit Roxi als Späherin (die Leine ist jetzt überflüssig) und der Radlerin als Nachhut suche ich den Marathon. Erst bei Kilometer zwei bekomme ich wieder Tuchfühlung mit den letzten Läufern, just am Ufer des idyllischen Sonthofener Sees. Kurz danach beginnt auch schon der Aufstieg, die ersten gut 900 Höhenmeter am Stück. Wie ein Lindwurm windet sich die Läuferschlange durch die Landschaft. Mein Fortkommen leidet unter ständigen Fotostopps. Die Ausblicke sind bereits hier unten traumhaft schön: Saftig grüne Wiesen, wie ein weicher Teppich über Hügel gebreitet. Hügel, die sich immer höher auftürmen und irgendwann Berg genannt werden wollen. Fahrwege, einzeln stehende Gehöfte, Baumgruppen und weiter oben Wälder gliedern die Landschaft. Gemächlich streben wir bergwärts und der Schweiß fließt bereits in Strömen.

Nach und nach arbeite ich mich im Feld voran, weil schon ab der ersten ernsthaften Steigung alle gehen. Alle, bis auf einen. Mein Credo lautet: „Ich bin Läufer und kein Geher!“ Daran halte ich fest, bis mich innere oder äußere Teufel zum Gehen zwingen. Schon möglich, dass das heute passiert, da ich die Kombination Hitze und Höhenmeter in bisher 96 Marathons noch nicht zu überstehen hatte. Ich käme schneller voran, wäre mir die Laufzeit wichtig. So aber bleibe ich alle naselang stehen, schieße Foto um Foto. Einmal steige ich sogar ein paar Meter den Hang hinauf, um Läufer vorm Allgäuer Panorama abzulichten.

Immer wieder wird die unvergleichliche Weitsicht von Waldpassagen unterbrochen, was sicher niemand bedauert. Beim Verlassen des kühlen Schattens spürt man, wie heftig die Sonne zu früher Stunde schon einheizt. Bislang fühle ich mich von der Strecke nur mäßig gefordert: Meist Asphalt, selten Schotterstrecken oder unbefestigte Passagen über Wiesen, überwiegend sanft bergan. Schon auch mal steiler, aber nie endlos lange. Angenehmes Traben, so recht geeignet die Rundumsicht zu genießen. Nach Süden begrenzt die atemberaubend schöne Kette des Allgäuer Hauptkammes die Sicht. Darin ein paar markante, jedem passionierten Bergwanderer bekannte Gipfel: Großer Krottenkopf, Kratzer, Mädelegabel, Trettachspitze, um nur einige zu nennen. Hinter mir, Richtung Nordosten und vorbei am Sonthofer Hausberg, dem Grünten, verliert sich der Blick im flacheren Allgäu. Und zu meiner Rechten, jenseits des schönen Gunzesrieder Tales, verläuft der Kamm der Nagelfluhkette, auch nicht gerade ein hässlicher Anblick …

Über Beschäftigung kann ich mich nicht beklagen: Laufen, schauen, fotografieren … laufen, schauen, fotografieren. Dann und wann Roxi herbei rufen, wenn Gefahr von einem Fahrzeug oder einem Radler droht. Und natürlich alle paar Sekunden Schweiß aus der Stirn wischen. An der ersten Verpflegungsstelle habe ich mir mit drei vollen (!) Pappbechern Isobrühe einen prallen Bauch beschert. Will ich nicht irgendwann völlig dehydriert umkippen, dann brauche ich diese Menge mindestens. Zwar schmeckt die ausgeschenkte Iso-Marke „wie eingeschlafene Füße“, dafür kenne ich sie seit den 100 Kilometern von Biel, im Jahr 2007, als gut verträglich. Damals füllte ich mir auch an jeder Tränke den Bauch, wie ein durstiges Kamel vor der Wüstendurchquerung. Laufen, schauen, fotografieren – längst ist mir klar, warum der Allgäu Panorama Marathon als einer der schönsten Landschaftsläufe Deutschlands gilt.

Anhaltendes Schwärmen könnte leicht den Eindruck hinterlassen, dass mir pure Lauflust aus den Poren dringt. Tatsächlich ist es Schweiß, literweise. Unterdessen merke ich, wie viel Kraft mir Sonne und Höhenmeter stehlen. Das Zählwerk der Uhr arbeitet fleißig, dafür bewegt sich die Entfernungsanzeige irgendwie gar nicht. In einer Stunde habe ich es nicht mal auf acht Kilometer gebracht. ‚Ist doch klar. Ständig bergauf! Das wird besser, später dann, bergab …’ beruhige ich mich. Die nächste Tränke kommt in Sicht und dort wartet Dennis. Von ihm erfahre ich, dass Sybille etwa drei Minuten Vorsprung hat. Zeit mich um Roxi zu kümmern. Erst biete ich ihr einen Becher zum Saufen an und animiere sie mit „Wasser! Wasser!“ zum Trinken. Das Wort kennt sie in zwei Bedeutungen: Trinken und baden. Nach ein paar Sekunden Schlabbern beginne ich mit dem Baden, was sie – erwartungsgemäß – verabscheut. So gern sie von sich aus in jeden Teich oder auch reißende Bäche springt, gegen Nass-Gespritzt-Werden hat sie eine starke Abneigung. Hilft aber nix: Mit mehreren Bechern Wasser feuchte ich sie von Kopf bis Hinterteil an. Das wird zwar rasch trocknen, schützt sie aber eine Zeit lang vor der Sonne.

Dennis verspricht einen ausgesprochen „schönen“ Streckenteil, der mich auf den nächsten Kilometern erwartet. „Schön“? Noch schöner? Geht das denn? Das fußfreundliche Asphaltband endet schon wenige Minuten nach der Tränke. Auf einem Wanderweg lernen meine Füße nun Stück für Stück, was Dennis als schön empfindet. Wer schon einmal in den Alpen unterwegs war, weiß, welche Beschaffenheit und Tücken Bergpfade haben können. Harmlos breit und fein geschottert geht es los, um schon bald im kühlen Hochwald mit Wurzeln und Steinen jeglicher Größen den Laufrhythmus zu zerbrechen. Flache, dann wieder steile Passagen, über unregelmäßig hoch gestufte Absätze fordern volle Konzentration und unendlich viel Körner. Auf solchem Geläuf kann man nicht Kraft sparend tippeln. Entweder man geht oder hält durch und keucht … und schwitzt … und verflucht die eigene Sturheit …

Zum Glück bleibt der Weg nicht so anspruchsvoll, das hielte ich keine halbe Stunde laufend durch. Hinterm Wald warten wieder eine Alm, neue tolle Aussichten und ein recht brauchbarer Wirtschaftsweg. Beweidete Almen, dann und wann auch eine Almhütte, sind heute eminent wichtig. Häufig stoßen wir auf Tröge mit fließendem Wasser, meist als Tränke fürs Vieh gedacht. Wie viele andere auch, suche ich Erfrischung an jeder (!) der zahlreichen Wasserstellen. Allerdings nicht für mich. Rasch lernt Roxi die Tröge zu hassen, lässt sich nur noch widerstrebend herbei befehlen, am Halsband festhalten und ordentlich einnässen. – Wie bitte? Ja, dafür brauche ich zwei Hände. Die Kamera? Anfangs lege ich sie zur Seite. Nachdem ich sie jedoch einmal fast vergesse, klemme ich mir künftig die Trageschlaufe zwischen die Zähne. Das häufig wiederholte Roxi-Kühlprozedere an Vieh- und Läufertränken kostet eine Menge Zeit. Aber es muss sein und lohnt sich. Im Gegensatz zu mir springt Roxi munter durch den Allgäuer Bergsommertag …

Mir fällt das Laufen immer schwerer, von Viertelstunde zu Viertelstunde, von Bergkuppe zu Bergkuppe. Meist kann ich die nächste schon einsehen, wenn ich gerade eine Höhe schwitzend und heftig pumpend wie ein Maikäfer vorm Jungfernflug erreiche. Ich beginne zu stöhnen, einmal, viele Male. Innerlich. Mein Stolz lässt nicht zu, dass man um mich rum bemerkt, wie sehr mir der Vorsatz „Alles-Laufen“ zu schaffen macht. Nach und nach beschleichen mich Zweifel ihn heute durchhalten zu können. Aber noch laufe ich. Und jener Zweifler, der, ziemlich zu Anfang, seinem Vordermann zuraunte: „Ja jetzt läuft er noch! Aber warte mal eine Stunde ab!“ würde sich wundern. Dieses „Warte mal ab!“, mehr noch das unausgesprochene „ … dann macht er schlapp!“ spornt mich zusätzlich an. Der Satzfetzen steht mir jedes Mal vor Augen, wenn es hart wird. Nein, den Triumph gönne ich ihm nicht! Ich halte durch!

Weiter rauf, immer weiter bergwärts. Oft so steil, dass ich nur mit zentimeterkurzen Steppschrittchen auf den Fußballen vorwärts komme. Quälend langsam, aber immer noch schneller als die Geher um mich her. Natürlich weiß ich, dass mich diese Unbeugsamkeit, mein elendes Dogma, aufreibt. Zu Gehen wäre effizienter! Das zu wissen ist härter als die Anstrengung selbst. Mit meiner Sturheit verschwende ich Energie, die mir in flacheren Passagen oder abwärts höheres Tempo erlauben würde. Roxi kann mein Tempo nicht beeindrucken. Ich nehme ihre Zunge als Zustandsindikator: Meist lugt das Organ nur ein, zwei Zentimeter aus dem Maul. Überhitzung sieht anders aus: Dann schleift der rosa Lappen fast auf dem Boden.

Der erste, beinahe unausgesetzte Anstieg endet am Gipfelkreuz des Weiherkopfs, zugleich der höchste Punkt des Kurses. Ich sollte mich wirklich mehr um mich selbst, als um Roxi sorgen. Die demonstriert hier oben erst einmal Lebensfreude. Sie schmeißt sich ins Gras, wälzt und windet sich wie ein Aal auf dem Trockenen und gibt dabei wohlige Brummgeräusche von sich. Nach ein paar Metern Gipfelgrat stürzen wir uns in die Tiefe. Jeder schwächere Ausdruck schiene mir untertrieben. In halsbrecherisch steilem Hang, durch zig Serpentinen und über gefährlich rolligen Schotter geht’s hinab. Immer wieder mal rutschend und nur wenig schneller, als es aufwärts möglich wäre. In meinen Füßen lauern Krämpfe, ausgelöst durch die ungewohnte Haltearbeit der Muskulatur. Bremsen statt Beschleunigen. Krämpfe kenne ich sonst nicht, nicht mal ansatzweise. Ich nehme sie als deutliches Zeichen für die fortschreitende Dehydrierung und beschließe noch mehr zu trinken!

Nach etwa hundert Höhenmetern mündet der Mörderhang vor der Bergstation der Hörnerbahn in einen bequemen Wirtschaftsweg. Bis zum Berghaus Schwaben freuen sich die Füße über ein Stück Asphalt, zunächst weiter talwärts, später wieder rauf. Erst 16 Kilometer gepackt und schon zweieinviertel Stunden um. Ich registriere Kilometertafeln nur beiläufig und schaue selten auf die Uhr. Dass ich nur langsam vorwärts komme, scheint normal angesichts vieler Höhenmeter, Fotostopps und dem häufig wiederholten Roxi-Kühlen. Bei mir selbst beschränke ich mich aufs „innere Befeuchten“ – jeweils in solchen Mengen, dass ich mich gerade noch nicht übergeben muss. Äußerlich trieft der ganze Kerl nur so vor Nässe, wischt sich ständig die Brühe aus Stirn und Augen. Es wäre wirklich kein Spaß hier zu laufen, wären da nicht diese unbeschreiblich schönen Bilder …

Bilder – immer wieder ähnlich und doch immer wieder anders. Stundenlang gruppieren sich die herrlichsten Ansichten in allen Schattierungen von Grün, darüber das blaueste Blau des Sommers. Gezackte Linien am südlichen Horizont, weiches Hügelrund voraus. Farne und Büsche, Fichten und Latschen. Und jetzt dieses Kar, eine hellgrüne Wanne, einst von eiszeitlichen Gletschern in den Hang geschliffen, darüber im Halbrund der Gipfelkamm, immer wieder von Einsattelungen unterbrochen. Ganz sanft nur „eingedellt“, als hätte Mutter Natur alles Schroffe vermeiden wollen. Meine Augen folgen dem Verlauf des Wanderweges viele Laufminuten im Voraus. Meist flach sieht er aus und wenn ansteigend, dann nur behutsam. Nicht lange und meine inzwischen bleischweren Beine entdecken die Wahrheit: Solche Höhenwege sind niemals wirklich flach und Anstiege höchst selten gutmütig. Gutmütig geben sich höchstens die bimmelnden Allgäuer Rindviecher auf den Almwiesen ringsum – meistens jedenfalls. Roxi ist davon allerdings nicht überzeugt. Um den ersten Wiederkäuer, mitten auf dem Weg stehend, macht sie einen weiten Bogen, was beim zweiten nicht geht, weil der eine Art Hohlweg blockiert. Also nimmt sie all ihren Mut zusammen und zischt mit maximaler Beschleunigung an dem gehörnten Hundefresser vorbei …

Ich erreiche den Grat und bringe gerade den x-ten Weidezaundurchlass unfallfrei hinter mich. Auf dieser Marathonroute lässt sich die ganze Vielfalt von Weidezaundurchlasstypen studieren: Da gibt es verschiedene, etwa kniehohe Holzbarrieren, über die man einen weiten Schritt tun muss – eher harmlos im Gebrauch. Auch die noch harmloseren Drehkreuze finde ich mehrmals vor. Als unberechenbar und tückisch erweist sich dagegen eine aus Stahlbügeln geschweißte „Klappe“ – insbesondere zu Beginn des Laufs, als ich noch mit vollem Elan darauf zu rausche. Man klappt die in der Draufsicht einer Astgabel ähnelnde Vorrichtung zu sich heran, windet sich geschmeidig um den Endpfahl des Zauns, klappt zur anderen Seite auf und ist wieder frei – lauf-theoretisch. Lauf-praktisch bleibt Udo beim ersten Exemplar besagter Läuferfalle am Bügel hängen und hätte sich um ein Haar die Allgäuer Bergwelt aus Roxis Perspektive betrachtet. Merke: Man kann die Strecke des Allgäu Panorama Marathons zur Gänze laufend absolvieren. Allerdings schaffen das nur solche Athleten, die – grob geschätzt – ein Dutzend Weidezaundurchlässe in Manier eines Hürdensprinters überwinden …

Wie bereits gesagt: Ich erreiche den Grat und blicke hinunter in einen welligen Talboden. Gegenüber zeigt sich die merkwürdigste Felsgestalt der ganzen Allgäuer Alpen, mit keinem anderen Berg verwechselbar, der Hohe Ifen. Bis über 2.200 Meter Meereshöhe schichtete frühzeitliche Tektonik mächtige, kilometerlange Platten übereinander, deren schroffe Abbruchkanten mir nun entgegenblicken. Auf den nächsten dreieinhalb Kilometern, bis etwa zur Halbmarathondistanz, verliere ich fast 300 Meter Höhe. Jetzt in einen Temporausch zu verfallen hielte ich für einen groben Fehler. Auf dem anfangs asphaltierten Wanderweg, in erträglichem Gefälle, versuche ich mich stattdessen zu erholen. Auch abwärts spüre ich, wie müde meine Beine sind, erschöpfter als die erst 18 (!) zurückgelegten Kilometer das vermuten ließen. Ermutigend: Sicher dreiviertel der insgesamt 1.500 Höhenmeter habe ich bereits „im Kasten“. Ich kalkuliere erstmals grob die zu erwartende Zielzeit, von der ich bisher keine rechte Vorstellung hatte. Da ich weiterhin eine Menge Zeit in Roxis Wohlergehen und Fotos investieren werde, sind fünf Stunden heute wohl das Maß der Marathondinge.

Abwärtslaufen ist auf andere Art anstrengend. Deshalb bin ich dankbar für den Trinkstopp an der Talstation der Grasgehren-Skilifte. Längst habe ich es aufgegeben Roxi abseits zu „parken“, bevor ich trinke. Es gibt keine dichten Läufertrauben mehr, in denen sie jemanden zu Fall bringen könnte. So wird sie an jedem Haltepunkt zum umschwärmten Star und findet zuverlässig jemanden, der den „armen Hund“ mit Wasser laben möchte. Roxi lernt schnell: Wasser in Bechern kann man ihr flugs über Kopf und Rücken schütten, weshalb sie solchen Angeboten ausweicht. „Hund gut?“ – „Streicheln?“ – Die bruchstückhafte Anrede eines vielleicht vierzehnjährigen Jungen stiftet augenblicklich Verwirrung in mir. Hilft er hier am Stand aus? Hat er eine geistige Behinderung oder nur eine sprachliche und wo ist der Unterschied? Wie verhalte ich mich richtig? Es gibt keine Antwort auf diese Fragen, jedenfalls nicht aus einem reichlich egozentrierten, bereits auf Sparflamme arbeitenden Läuferhirn. Eilig versichere ich ihm, dass er den Hund gerne anfassen darf, was er dann doch unterlässt. Warum? Einmal mehr fülle ich meinen Magen bis kurz vorm Platzen, sage artig „Danke!“ und mache mich davon …

Weiter abwärts, mal unmerklich, mal mit mehr Gefälle, insgesamt moderat. Ich muss mal, eigentlich schon eine Weile, was ich freudig begrüße und en passant erledige. Von manchen älteren Herren weiß man, dass sie jedes „Müssen“ gefolgt von „Können“ mit gewisser Erleichterung zur Kenntnis nehmen. Da ich – obschon reich an Jahren – noch nicht zu diesem bedauernswerten Club betagter Männer gehöre, muss meine Freude andere Gründe haben. Das nasse Intermezzo beweist, dass ich genug getrunken habe! Nicht genug, um die fortschreitende Dehydrierung aufzuhalten, aber zumindest so viel, dass ein Überschuss entsorgt werden muss. Und mehr kann ich gegen die Hitze nicht tun.

Weiter abwärts durch ein Wäldchen, Fahrgeräusche auf naher Straße: „Roxi zu mir!“ Einträchtig, Seite an Seite, traben wir ein kurzes Stück auf der Riedbergpassstraße, bis uns eine Markierung in einen Wander- und Wirtschaftsweg schickt. Noch immer mit geringem Gefälle hinab und auf eine steil aufragende Felswand zu. Eine Almhütte – nichts Idyllisches, einfach ein moderner, alpiner Kuhstall! – markiert den einstweilen tiefsten Punkt des Kurses. Daran vorbei und neuerlich aufwärts. Die ersten bleischweren Schritte – ach was Schritte: Schrittchen! – lassen Übles befürchten. Umso mehr, als ich diese aktuelle Steigung ausgeruht kaum als solche wahrnehmen würde. Müde schleppe ich mich den Hang entlang. Vor mir stoppt einer: „Sind wir noch auf dem richtigen Weg?“ Was soll ich antworten? Bisher ließen die Markierungen keinen Raum für Zweifel, außerdem habe ich mich meist an Vorderleuten, zuletzt an ihm orientiert. „Ich hoffe es!“ entgegne ich also schicksalsergeben. „Das passt schon!“ meint da einer hinter uns, worauf die beiden den Weiterweg ausdiskutieren. Ersterer meint er habe sich das Profil eingeprägt, demzufolge es nach Grasgehren nur noch eine Richtung gäbe: Bergab. Der Ortskundige erklärt, dass wir um dieses Felsmassiv drum rum müssen und uns dabei noch zwei Anstiege bevorstehen. Außerdem spricht er von einem weiteren kapitalen Buckel in Obermaiselstein … Oh mein Gott! Wollte ich es so genau wissen? Ich spreche das Schlusswort: „Hauptsache wir sind richtig!“ Der Trotz in meiner Stimme, mit dem ich mich gegen das Unabwendbare wappne, ist dabei sicher nicht zu überhören …

Bin wieder allein, da aufwärts getippelt, während die anderen sich mit Gehen begnügten. Wie vorhergesagt, umkurven Roxi und ich den Felsstock. Auf und ab, auf und ab, auf und ab … Schwer zu sagen, wo der zweite Buckel beginnt und wo er endet. Oder kommt er etwa noch? Zwei Mountainbiker schieben mir schwitzend und keuchend ihren Drahtesel entgegen. ‚Bei der Hitze wüsste ich auch was Besseres als hier ein Rad durch die Gegend zu schieben!’ Denke es und merke schon im Entstehen des Satzes wie blöd er ist! Viele mögen so urteilen, doch ausgerechnet ein abgehalfterter Marathoni, klatschnass, müde, mit schon schmerzenden Beinen, sollte „im Glashaus nicht mit Steinen schmeißen!“

Neuerlich bergab, jetzt wieder ziemlich „eklig“. Will heißen: Ziemlich steil und auf gefährlich gerölligem Pfad. Aufpassen! Schritte sicher setzen! Wie ich Roxi beneide. Die springt da runter wie ein Gamsbock, als wäre sie in alpiner Umwelt aufgewachsen. Zum Glück ist der Abschnitt nicht lang, zwei, drei Minuten höchstens. Ein Sanitätsjeep parkt am Wegrand, der zugehörige Sani sitzt erhöht auf einem Felsblock. „Geht’s euch gut?“ bekundet er Interesse an unserem Schicksal. „Gleich kommt eine Verpflegungsstelle!“ meint er noch und „Trinken nicht vergessen!“ Ich beschließe diesen überflüssigen Spruch als ehrliche Sorge zu interpretieren und den Mann in mein Nachtgebet einzuschließen …

Asphalt! Wunderbarer, glatter Asphalt. Mir doch egal wo das schmale Sträßchen herkommt und erst recht wo es hinführt. Auch dass es wieder ein paar Höhenmeter zu überwinden gibt, tut da nicht ganz so weh. 22 Kilometer gelaufen. Merkwürdig. Obwohl der Schweiß literweise aus allen Poren quillt und meine Hände im Minutentakt über Stirn und Augen wischen, empfinde ich die Wärme (Hitze?) nicht als unangenehm. Ob das noch kommt? – Was erst einmal „kommt“, ist die nächste Läufertränke. Während ein, zwei, drei Becher Iso in mich rein rinnen, wird von weitem ein Martinshorn hörbar. Da hat es anscheinend jemanden erwischt! Schließlich braust der vorhin gesichtete Jeep heran und ich packe Roxi zur Sicherheit am Halsband. Auf unserer Höhe hält er und fragt in die Versammlung aus Helfern und Durstigen, wo der gemeldete, gestürzte Läufer zu finden ist. Niemand weiß etwas und so saust er mit lautem Tatütata davon. „Da macht sich einer wichtig!“ kommentiert einer der Helfer die Szene. Ich sehe das anders – ganz anders – halte mit meiner Meinung allerdings hinter dem Berg.

Zeit mich um Roxi zu kümmern … aber ich komme zu spät. Ein Mädchen hat sich ihrer bereits erbarmt und einen Eimer Wasser herbei geschleppt. Das würde reichen um mehrere Kühe zu tränken. Einerlei, Roxi schlabbert mit Hingabe. Zum Schluss mische ich mich dann doch noch ein und verteile reichlich Eimerwasser in ihrem Fell. Wieder einer der Momente in ihrem Hundeleben, da sie Herrchen nicht so recht leiden kann …

Das Sträßchen bleibt uns Kilometer um Kilometer talwärts erhalten. Zunächst mit angenehmem Gefälle. Wieder vorbei an einer Alpe und an einer Viehtränke. Halt! Nicht vorbei! „Roxi zu mir!“ Widerwillig und in weitem Bogen trottet sie heran, kapiert, was Herrchen – schon wieder! – tun will. Meinen anfänglich rücksichtsvollen Umgang mit der Hundedame habe ich aufgegeben, denn Rücksichtnahme kostet Kraft. Ich halte sie am Halsband fest und schöpfe reichlich Nass mit der freien Hand. Dann lasse ich sie wieder frei und das unvermeidliche Schütteln – beim Kopf beginnend, sich über den Rücken fortpflanzend und im Schwanz endend – durchläuft ihren Körper. Plötzlich steht ein anderer Vierbeiner schnüffelnd neben ihr. Etwas hysterisch und völlig nutzlos schreit sein Frauchen von der Almhütte hinter ihm her. Sicher hört er aufs Wort, nur nicht aufs erste. Nach so viel Landschaft kommt Roxi die Gesellschaft gelegen. Zum Abschied startet sie bellend noch einen Scheinangriff – Was für ein Spaß muss das sein! –, um sich dann in Fluchtgeschwindigkeit zu entfernen. Ich kenne meinen Hund, weiß, dass ihm die paar läppischen Kilometer nichts ausmachen. Doch warum fühle ich mich ihr dann einmal mehr sooo unterlegen?

Die Straße wird steiler und windet sich in Serpentinen hinab, zwei, drei … einige. Abwärts, im kühlen Wald könnte ich Zeit gut machen, wenn ich denn noch könnte. Doch erstens fühlen sich meine Laufwerkzeuge ziemlich zerschlagen an und zweitens darf ich mich nicht schon jetzt völlig verausgaben. Immerhin liegen noch mehr als 12 Kilometer vor mir. Mal wieder einer der seltenen Blicke auf die Uhr: Fast vier Stunden um, also werde ich das Ziel garantiert nicht unter fünf erreichen. Bin unten, verlasse den Wald und empfinde erstmals an diesem strahlenden Sommertag so etwas wie Backofenhitze. Der nächste Kilometer verläuft wohltuend eben, auf dem Radweg entlang einer viel befahrenen Straße. Was bedeutet es, wenn sich im Marathonwettkampf in Höhe von Kilometer 30 „flach“ wie „bergauf“ anfühlt? Genau das! Und deshalb verzichte ich auf jede Tempoverschärfung. Wozu auch? Wollte ich noch unter fünf Stunden finishen, müsste ich auf dem letzten Streckenviertel einen Schnitt von 5 min/km laufen. Unmöglich!

Weg von der Straße, hinein in den Wald: „Roxi lauf!“. Angenehme Kühle umfängt mich für ein paar Minuten. Mehrmals kurz auf und ab, nichts Dramatisches. Der Wald entlässt uns in die weite Wiesenlandschaft des Oberstdorfer Tales. Weit, viel zu weit voraus lugt der von Antennen gekrönte Grünten über den grünen Horizont und markiert das Ziel. Bin in Sonne und Fluten von Schweiß gebadet. Bin müde aber zuversichtlich, zumindest bis zum Streckenposten unterm Sonnenschirm: „Bis zum Parkplatz da vorne und dann links hoch!“ weist er mich ein. Hat er „hoch“ gesagt? Er hat und schon folgen meine Augen ein paar gebeugt gehenden Gestalten bergwärts. ‚Das sieht gar nicht so steil aus …’ beruhige ich mich und mache mich daran den letzten (Ja bitte! Das muss jetzt der Letzte sein!) Berg des Laufes zu bezwingen. Ich setze ultrakurze Schritte, auf dass er mich nicht besiegen möge, der letzte Berg. Es geht. Eine Minute, zwei, drei, vier … Am hölzernen Trog vor einem Bauernhaus lasse ich Roxi die nächste Wasserkühlung angedeihen. Die kleine Pause ist mir willkommen, denn es geht weiter bergauf. Boaahh! Jetzt auch noch auf weichem Wiesenweg … Ich kämpfe mich durch einen Geländeeinschnitt hinan. Mir ist heiß und ich fühle mich ausgelaugt. Aber ich kann noch traben, immer noch. Mein Ziel ist ein Waldrand und … Schatten. Noch ein paar Schritte, dann legt er sich wie ein seidig kühler Mantel um meine Haut. Herrlich!

Auf dunklem Wanderpfad am Hang durchquere ich den Wald. Der letzte Berg ist gepackt – glaube ich. Bis mich eine weitere Steigung eines Besseren belehrt. ‚Na gut, dann die eben auch noch!’ Zuletzt über Stufen brutal steil empor. Mit jedem Absatz werden meine Beine dicker, platzen fast, schreien … Lauthals begrüßen ein paar Wanderer die – natürlich! – vorauseilende Roxi. „Gleich geschafft! Das sieht gut aus!“ lügen sie mich völlig unverfroren an (Entweder lügen sie oder es war einfach zu dunkel im dichten Wald). Noch 10 Stufen, noch 5, 3 und kurz bevor mir die Kräfte endgültig versagen stehe ich oben. Oben heißt am Waldrand, auf einem Wiesenhügel, mit wunderschönem Blick über Obermaiselstein. Stehen und Fotografieren! Der Blick ist wirklich wunderschön. Aber 1.000 andere zuvor waren reizvoller. In Wahrheit dient mir das Foto nur als Alibi für fünf Sekunden Pause, während sich der Sturm in Lunge und Beinen wieder legt …

Im Zickzack durch Obermaiselstein, dabei in sanftem Gefälle abwärts, zuletzt an einem Bach entlang. Kilometer 34. ‚Immer noch acht Kilometer!’ stöhnt es in mir. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich eine Marathonstrecke je so in die Länge zog. War es an dieser Stelle als mir klar wurde, dass ich noch nie fünf Stunden auf einer Marathonstrecke unterwegs war? Egal, einstweilen genieße ich den Baumschatten am Ufer des Bergbachs. Bach? Roxi baden! Ich schlüpfe durchs Ufergebüsch und schicke Roxi mit zwei, drei geworfenen Steinen ins leider nur hundebeintiefe Wasser. Pfoten und Bauch werden nass, immerhin. Und weiter. Langsam weiter. Der Weg hat kaum Gefälle, das mich unterstützen würde. Noch sieben Kilometer. Abschnittsweise wurden im Bach Wehre verbaut. Kleine Wasserfälle stürzen in mehr als knietiefe Becken. ‚Roxi noch mal baden?’ Nicht an dieser Stelle, die von ein paar Jugendlichen zum Baden genutzt wird. Ein Wehr weiter wiederhole ich die Steinwurf-Prozedur. Roxi springt ins Wasser, taucht sogar kurz mit dem Kopf unter. Um mehrere Größenordnungen geschrumpft krabbelt sie ans Ufer und schüttelt sich wild. Das sollte nun bis ins Ziel reichen!

Der Bach mündet in die Iller und auf deren westseitigem Uferdamm trabe ich unter glühender Sonne dahin. Noch vier Kilometer. Kein Schatten mehr. Ich bin müde, entsetzlich müde und rätsele warum. Ich nehme Härten hin, keine Frage. Wer solche Strecken laufen will, muss leiden können. Dennoch will ich immer auch die Ursache für einen bestimmten Zustand ergründen, „in den ich mich hinein gelaufen“ habe. Raubten mir die vielen Höhenmeter frühzeitig die Kraft? Oder rührt die Schwäche von der Dehydrierung, die nach fünf (!) Stunden Schweißverlust immens sein muss? Wahrscheinlich lässt mich das Zusammenwirken von beidem mit schwächelnden Stelzen gen Sonthofen schlappen. Denn mehr als Schlappen habe ich nicht mehr zu geben.

Noch drei Kilometer. Ich werde länger als fünf Stunden brauchen. Mehr als fünf Stunden für einen Marathon? Das kratzt am Ego, will erklärt werden. Eine Menge Zeit ging für Roxis Kühlung drauf. 10 Minuten extra? Eine Viertelstunde? Dann die vielen Höhenmeter, die ich – meine Kräfte verschleißend – samt und sonders laufend überwand. Und natürlich die Hitze, hier am Ufer der Iller jetzt über 30°C. Hund, Höhe und Hitze! Mein ganz persönliches Triple „H“ Marathonerlebnis. Nun weiß ich, wie es Läufern ergeht, die um die fünf Stunden für einen Marathon brauchen. Wie sie sich fühlen, wenn sich die Strecke zieht wie Kaugummi und kein Ende zu nehmen scheint. Wie schwach ihr Körper an heißen Tagen wird, weil sie übermäßig Wasser verlieren und die Austrocknung durch noch so viel Trinken nicht aufhalten können. Jemand, der andere berät, manchmal trainiert, sollte das wissen; besser noch: Am eigenen Leib erfahren …

Noch gut zwei Kilometer. Ich schleppe mich auf einer Fußgängerbrücke über die Iller. Sehnsüchtig fällt mein Blick von dort aufs kiesige Ufer, ein verlassenes Strandlaken und munter im Wasser planschende Leute. Weiter. Eine Verpflegungstelle. Ich will ohne anzuhalten vorbei, schaffe es aber nicht. Noch zwei Becher Cola in einen ohnehin schon prallen Magen. Ich kann einfach nicht anders. Durst ist stärker als Vernunft. Wieder antraben. Ich krieche förmlich dem Ziel entgegen. Jeder Meter Raumgewinn will erkämpft werden. Noch ein Kilometer. Fetzen von Lautsprecherdurchsagen dringen an mein Ohr. Nicht mehr weit! Gar nicht mehr weit! Ich habe das Gefühl immer langsamer zu werden. Doch warum überholt mich dann keiner? Ganz einfach: Weil die anderen auch immer langsamer werden! Die letzten vierhundert Meter auf Asphalt. Hitze von oben, Hitze von unten. „Roxi zu mir! Langsam!“ Selbst dieses Kommando kostet jetzt Kraft … Noch zweihundert Meter und dann ist es geschafft. Nach 5:13:33 h laufe ich Seite an Seite mit Roxi durchs Ziel.

 

Ines Halbmarathon

Ein langer Lauf zum Auftakt ihres Marathontrainingsplanes verlangt keine schnelle Zeit, die unter den herrschenden Bedingungen auch nicht möglich gewesen wäre. Insbesondere ein langer Aufstieg, etwa zur Hälfte der Distanz, geht Ines ganz schön in die Beine. Gerade in dieser Passage ist sie stolz auf sich, weil alle anderen gehen und nur sie den Berg laufend erobert (Was habe ich da nur angerichtet?). Obwohl die Strecke überwiegend in Illernähe verläuft, bietet sie wunder- und reizvolle Ausblicke: Auf den Fluss und zu den Bergketten beidseits des Oberstdorfer Tals. Nach 2:20:12 h läuft Ines gut gelaunt durchs Ziel.

 

Fazit zur Veranstaltung

Reibungslose Organisation und eine hervorragende Versorgung kennzeichnen diesen Marathon. Auffallend auch die vielen Sanitäter entlang der Strecke, um ein hohes Maß an Sicherheit für die Läufer zu gewährleisten.

Die Strecke ist unendlich schön, sucht sicher ihresgleichen in Deutschland und wird es nicht finden. Aber sie ist auch bei Hitze unendlich anstrengend und – so es regnen sollte – an der einen oder anderen Stelle brandgefährlich. Sehr gut trainierte Marathonis und Ultras sollten sich diesen Leckerbissen auf keinen Fall entgehen lassen. Müsste ich mich in meinem Leben auf wenige Marathons beschränken – der Allgäu Panorama Marathon wäre mit Sicherheit dabei.

 

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