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Und sie bewegt sich doch!  –   Erkenntnisse bei einem 7,5 km-Testwettkampf

Warum nehmen Menschen an einem Halbmarathon-Seminar teil? Immerhin handelt es sich um LäuferInnen mit teilweise mehrjähriger Lauferfahrung, von denen der eine oder die andere auch schon an Volksläufen teilgenommen hat. Für mich, der ich das Vergnügen habe, diesen Kurs für meinen Verein die TG Viktoria Augsburg durchzuführen, war es wichtig die Erwartungshaltung der 16 Seminaristen zu hinterfragen, um möglichst zielgerichtet und individuell fördern zu können. Dabei zeigte sich rasch, dass das Kursziel, der nach 10-wöchigem Trainingsplan angepeilte Halbmarathon in Ingolstadt, nicht die einzige, für manchen mutmaßlich nicht einmal die Hauptmotivation bildete. Spaß am Laufen in der Gruppe und stagnierende Ausdauerleistungen, das Gefühl ohne Anleitung nicht mehr voran zu kommen, waren wohl gleichermaßen wichtige Beweggründe.

Und dann saßen sie bei bisher zwei Theorieabenden vor mir, lauschten willig, durchaus andächtig, letztlich aber auch recht skeptisch meinen Erläuterungen zu erfolgreichem Ausdauertraining. Wiederholt lange laufen zu müssen, um einen Halbmarathon durchzustehen, das leuchtet jedem ein. Aber Fahrtspiele? Intervalltraining? Tempodauerläufe? Ein Kurzdistanzwettkampf als Trainingseinheit? – Ist das wirklich alles nötig, diese ganze Schinderei? Anlässlich der gemeinsamen Trainingstermine schlugen Ines – sie fungiert als „Co-Trainerin“, betreut bei Dauerläufen die langsamere Gruppe – und mir viele Zweifel entgegen. In der täglichen Trainingspraxis erwies sich, dass die in der Theorie geprägte Formel vom „erhöhten Schlafbedarf“ nicht nur zeitfüllendes Gerede war ... Variantenreiches Training ist anstrengend, insbesondere für jene, die nie zuvor intervallartige Temposteigerungen in ihre Läufe eingebaut haben. Aber es macht auch oft Freude; vor allem, wenn sich bereits nach ein paar Wochen erste Erfolge zeigen.

Am Ende der fünften Trainingswoche fordert der Trainingsplan einen Testwettkampf – eigentlich über 10 km. Da jedoch die TG Viktoria Augsburg just am selben Tage einen 7,5km-Straßenlauf (außerdem einen Halbmarathon) veranstaltet, wurden Trainingsplan und persönliches Tempo auf die etwas geringere Distanz abgestimmt. Dieser Frühlingssonntag erwies sich als maßgeschneidert zum Laufen: Strahlender Sonnenschein und eine akzeptable Temperatur zur frühen Startzeit 9 Uhr (8 Uhr nach alter Zeit) luden dazu ein dieses eine Mal im Training wirklich alles zu geben. Sonst lautet die Devise: Nie völlig verausgaben! Training ist richtig und zugleich effizient ausgelegt, wenn man/frau danach müde ist, durchaus aber noch ein Stück weiter laufen, noch ein Intervall mehr absolvieren könnte.

Der Ausspruch "Und sie bewegt sich doch!" geht der Legende nach auf Galileo Galilei (1564 - 1642) zurück. Er soll den Satz 1633 beim Verlassen einer zum Gerichtssaal umfunktionierten Kirche und nach Verkündung des Urteils gegen ihn gemurmelt haben. Im vorangegangen Verfahren musste er seinen Lehren zum Sonnensystem und den Planetenbewegungen abschwören, um der Todesstrafe zu entgehen. Heute verwendet man den Satz als Umschreibung für ein Geschehen, das sich, hartnäckigen Zweifeln oder Leugnen zum Trotz, letztendlich als Tatsache offenbart.

Alles geben? Wie viel kann das noch sein, nach den vielen Kilometern der letzten Tage und Wochen? Sicher glaubten die wenigsten daran, das vorgegebene, persönlich anspruchsvolle Tempo tatsächlich auch realisieren zu können. Ines, die sich dem Wettkampftest ebenfalls unterzog, entging beim Aufwärmen und in Begrüßungsgesprächen nicht die allgegenwärtige Skepsis.

Und dann? Der Einzige, dem an diesem Tag etwas gründlich misslingt, ist der Seminarleiter. Der wartet mit schussbereiter Kamera vor dem Ziel und rechnet insgeheim nicht damit, einer seiner Schützlinge könnte die Strecke in weniger als 35 Minuten bewältigen. Schließlich sind gerade mal 33 Minuten und ein paar Sekunden um, als der Sprecher der TG Viktoria Augsburg, Wilfried Matzke, die erste Teilnehmerin des Halbmarathon-Seminars, Katrin Faßnacht, mit der tollen Zeit von 33:27 min (Pace 4:28 min/km!) im Ziel begrüßt. Über die Lautsprecher erfährt auch der verdatterte Seminarleiter davon ... An sich kein Beinbruch, nur gibt's jetzt leider kein Bild von Katrins grandiosem Finish.

Bis auf eine Ausnahme bleiben auch die übrigen Seminaristen, einschließlich der Co-Trainerin Ines, unter der individuell vorgegeben Richtzeit. Über die strahlenden Gesichter beim abschließenden Gruppenfoto braucht sich also niemand zu wundern. Wer allerdings genau hinsieht, wird die Spuren von Verwunderung bemerken, genau in jenen Gesichtspartien, wo sich vor dem Lauf Zweifel spiegelten. Dass methodisches Lauftraining erfolgreich ist, muss man am eigenen Leib erfahren, um es wirklich zu begreifen. Nach diesem Erlebnis scheint auch ein glückliches Finish im Halbmarathon-Tor nicht mehr ganz so weit entfernt.

Mein Glückwunsch gilt allen Seminarteilnehmern. Und so sind sie gelaufen:

 Katrin Faßnacht 33:27 min
 Silvia Friedrich 40:27 min
 Axel Hilckmann 35:33 min
 Sabine Hilckmann 39:32 min
 Andreas Jessberger 34:45 min
 Uwe Kalb 36:25 min
 Susanne Lindenpütz 39:17 min
 Manfred Mayr 40:58 min
 Barbara Premer 43:46 min
 Michael Schmid 41:19 min
 Christine Sieber 43:42 min
 Sven Timm 35:19 min
 Regina Veits 41:55 min
 Ines Pitsch 38:50 min

 

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