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   Siebenundsechzig
                        -   Bienwald Marathon Kandel 2011

‚Schmuckes Laufshirt!’ – leuchtend hellgrün, darauf das bekannte Logo mit flottem Slogan „Bienwald Marathon – die schnellen Strecken.“ Mehrere Läufer sind heute in diesem Finisher Schmuckstück von 2009 unterwegs, das auch ich häufig zu Trainingsläufen aus meiner Trophäensammlung ziehe. Und das Rote, in dem mir einer auf der Wendestrecke entgegen wetzt, streife ich auch ganz gerne über. ‚Stammt das aus 2008?’. Ein Vorzug des Bienwald Marathon ist damit schon erwähnt: Die hohe Teilnehmerzahl – über 1.000 Halb- und 600 Marathonis – lockt Sponsoren an, wie Licht die Motten. Förder- und Startgelder zusammen erlauben dem Veranstalter finanzielle Spielräume, die er über ein vergleichsweise niedriges Startgeld und qualitativ hochwertige Finisher Shirts zumindest teilweise an die Läufer weitergibt. ‚Moment mal! Außer dem hellgrünen und dem roten liegt doch noch ein graublaues Bienwald-Shirt daheim im Schrank!? Ist das also heute bereits mein vierter Lauf durch Kandel und die Südpfalz?’

Für ein paar Sekunden versuche ich meine Marathon-Vergangenheit im Kopf zu entwirren. Vorhin im Auto erzählte ich meinen Mitfahrern noch von zwei hier absolvierten Marathons. Ach ja meine Mitfahrer: Sybille, ihr Freund Dennis und Heidi, allesamt Mitglieder der TG Viktoria Augsburg. Die drei werden Kandel mit schönen Erfolgen im Gepäck verlassen: Dennis drückt seine Marathonbestzeit auf 3:07:12 h. Sybille läuft mit 1:38:54 h persönliche Halbmarathon-Bestzeit und wird in ihrer Altersklasse Dritte (Gesamt 23. von 294 Frauen). Heidi erkämpft mit 1:36:06 sogar den ersten Platz in ihrer Altersklasse W55 (Gesamtplatz 19). Ihre Erfolge füllen mein Auto mit guter Laune. Und wie sieht es im Gemüt des Fahrers aus? War der auch erfolgreich?

Sieg und Niederlage bemessen Kämpfer aus dem Heer der namenlosen Marathonis am gesteckten Ziel. Zum ersten Marathon im Jahr 2011 treibt mich einerseits reine Sammelleidenschaft, zum anderen dient er als langer Trainingslauf. Für viele mag ein solcher Satz verrückt klingen. Wenn sich die Vorbereitung jedoch am Saisonziel 100 Kilometer-Lauf orientiert, dann leuchtet die Notwendigkeit von Trainingswettkämpfen in Marathonlänge (oder mehr) sicher ein. Momentan absolviere ich im Wesentlichen einen Marathontrainingsplan auf Zielzeitniveau 3:15 h. In fünf Wochen werde ich die Planstruktur ändern und einen weiteren langen Lauf pro Woche reinpacken. Also was nun heute? Ursprünglich waren als Zielzeit 3:45 h anvisiert. Hart genug ohne Tapering, also aus beinahe ungebremstem Trainingsgeschehen heraus. Lediglich die letzten beiden Tage habe ich Fünfe gerade sein lassen … Seit Januar fasse ich mich läuferisch hart an. Sehr hart. Und wie immer, wenn ich so trainiere, zeigt mir mein Körper dann und wann einen Vogel. So lange immer wieder Einheiten dabei sind, bei denen ich mich ausgeruht fühle, geht das von der Ausdauer her in Ordnung. Aufgrund meiner Verletzungsgeschichte muss ich allerdings jederzeit mit Querschüssen rechnen. Seit zwei Wochen „zieht es im rechten Bein“. Nein, nein, nichts Konkretes. Bei mir ist nie was „konkret“ im Eimer. Immer nur diffuse, vage, unscharfe Beschwerdelagen. „Isch habe Rücken!“ würde Horst Schlämmer alias Hape Kerkeling unterm Schnäuzer hervor nuscheln. Meine Probleme stammen zum Großteil aus der LWS-Region. Um nichts zu riskieren, erwäge ich heute noch langsamer zu laufen und mich mit einer Zeit von knapp unter vier Stunden zufrieden zu geben.

Wegen der Verletzungssorgen erinnert mich vieles an den letzten Bienwald Marathon vor zwei Jahren. Zum Glück bin ich nicht abergläubisch, denn auch der rheinland-pfälzische „Landesvater“ Kurt Beck ist wieder da, um ein paar politiker-typische Sätze zum Laufsport abzulassen. Den Ministerpräsidenten scheinen die Kandelaner als Maskottchen abonniert zu haben. Oder ist er auf Stimmenfang? Ruft man die Pfälzer in Bälde zu den Wahlurnen? Dem Schwergewicht Beck will man die Affinität zum Laufsport so gar nicht abnehmen … Einerlei. Dergestalt „vom Mantel der Geschichte und der großen Politik gestreift“ setze ich mich um Punkt 10 Uhr (plus Verzögerung durch 1.000 vor mir gestaute Läufer) in Bewegung. Langsam, nur langsam! Mitschwimmen. Bloß keine Wettkampfgefühle aufkeimen lassen. Also passe ich mich dem wechselnden Tempo zufälliger Vorderleute an und schieße obendrein noch ein paar Fotos zur Ablenkung. Nach zwei Kilometern liegt Kandel hinter uns und wie erwartet bin ich ein paar Sekunden zu schnell. Unbedeutend, kein Grund zu reagieren, das pegelt sich ein. Wie bisher jedes Mal, wartet Kandel auch in diesem Jahr mit nahezu idealen Laufbedingungen auf: Etwa 12°C, kaum Wind und eine flache Strecke, die höchstens noch der Kurs von Berlin toppen kann.

Die innere Wahrnehmung bestätigt den Eindruck der letzten Wochen: Das rechte Bein tut so, als gehöre es irgendwie nicht dazu. Dann rennen wir die Schleife durch die Ortschaft Minfeld – mein rechter Hax’n und ich. Kurz trottet ein Hund vor mir her, bis Frauchen ihn mit der Leine auf ihre linke Seite dirigiert. „Lass nur!“ signalisiere ich amüsiertes Einverständnis. „Ich bin’s gewohnt, dass mir beim Laufen ein Hund vor den Füßen ’rum rennt.“ Und schon entspinnt sich ein kurzes Gespräch zwischen laufenden Hundebesitzern …

Hinter Minfeld pustet mir der Wind ein wenig ins Gesicht. Bis zum Waldsaum gilt es etwa einen Kilometer in einer S-Kurve über freies Feld zu überbrücken. Die ersten Schlucke kaltes Wasser schwappen in meinem Bauch. Das hier ist nur ein Trainingslauf. Ergo will ich es meinem Körper so schwer wie möglich machen und verschmähte die ebenfalls angebotene Iso- Mischung. Noch vorm Untertauchen im Wald baut sich in meinem Magen ein unangenehmer Druck auf. Merkwürdig. Wasser konnte ich doch immer problemlos vertragen, egal wie kalt es war!?? Ich vertreibe mir die Zeit mit Schnappschüssen. Um den Laufbericht zu illustrieren hätte ich eigentlich genügend Material im Fundus. Aber dann kommt mir der Gedanke heute mal die Galerie der mehr oder weniger einfallsreich gestalteten Vereinstrikots abzulichten. Naturgemäß dominieren Vereine aus der Region, aus Bad Bergzabern, Hockenheim, Michelstadt oder Kaiserslautern.

Munteres Traben im Bienwald auf breiter, asphaltierter Straße: Die einen, einschließlich mir, bewegen sich weg von Kandel, wohingegen die schnelleren Halbmarathonis schon auf Gegenkurs passieren. Unermüdlich suche ich die Kette der Entgegenkommenden nach Heidi und Sybille ab. Vielleicht gelingt mir ja ein Foto!? Doch leider erkenne ich sie erst im jeweils letzten Moment. Sybille kann ich wenigstens noch abklatschten. Hinter Kilometer 12 kommt die HM-Wende, optisch markiert durch einen rot-weißen Pylon, akustisch manifestiert in der markigen Stimme eines Streckenpostens: „Halbmarathon links, Marathon rechts!“ Wie gehabt wird es urplötzlich ruhiger um mich her, denn immerhin schlagen an der Wende zwei Drittel des Feldes den Rückweg ein.

Mal wieder was von der inneren Wahrnehmung: Mein Körper schreit nicht gerade „Hurra! Endlich ein Marathon!“ arbeitet aber willig mit. Das rechte Bein beharrt auf seiner Sonderrolle, gibt sich aber betont friedlich. Also alles soweit im grünen Bereich. Meine Pace pendelt um die gewünschten 5:20 min/km. Einstweilen sehe ich keinen Grund langsamer zu laufen. Vielleicht auf den letzten 10 Kilometern, falls meine Knochen meutern sollten …

Kilometer 15: Die Spannung wächst. Binnen der nächsten Minuten sollte Dennis vorbei huschen. Der lange Lulatsch dürfte, an vorderer Position im Feld laufend, kaum zu übersehen sein. Als er schließlich auf mich zukommt, verharre ich auf dem Mittelstreifen, um ein möglichst scharfes Foto einzufangen. Pustekuchen! Mir unterläuft ein Bedienungsfehler und so löst die Kamera erst aus, als sein Oberkörper schon fast die Linse „sprengt“. Eine kleine Niederlage für Udo. Will hoffen es bleibt die einzige heute …

Bin zwar nicht per Du mit den Bäumen rechts und links der Straße, aber immerhin erkennen sie mich und nicken respektvoll: „Ah! Hallo! Sie auch mal wieder hier!“ Trotz großer Vertrautheit, kommt mir die Strecke heute kürzer vor. Nach lang gezogener Rechtskurve nähere ich mich bereits dem Dörfchen Schaidt. Mit jedem Schritt werden Fanfarenklänge und das helle, hölzerne Klappern rhythmisch geschlagener Instrumente lauter. Die standen jedes Mal an dieser Stelle, als wären sie hier installiert. Im Vorbeilaufen erneuern meine Augen das vor zwei Jahren gespeicherte Bild. Und auch an die seltsame Wahrnehmung scheinbarer Langsamkeit erinnere ich mich: Ihre Schlagfrequenz ist höher als die Schrittfolge meiner Beine. Wahrscheinlich verfestigt sich deshalb der Eindruck mit niedrigerem Tempo im Bereich der Darbietung unterwegs zu sein. Dann passiere ich die Tafel mit der „17“. Die Uhr meldet sogar eine etwa 5 Sekunden kürzere Zeit für den letzten Kilometer und stellt die gefühlte „Zeitlupe“ als pure Sinnestäuschung bloß.

Auf dem nächsten halben Kilometer, zwischen Gewerbegebiet „Schaidt“ und Waldrand, holpere ich über einen wahren Flickenteppich aus Asphalt. Zwischen Schlaglöchern und Reparaturstellen fristet glatte Fahrbahn ein Schicksal als unterdrückte Minderheit. Wenn die hier nicht sanieren, wird man in ein paar Jahren in der Lokalzeitung nach dem Marathon lesen: „Marathonläufer spurlos verschwunden! – Der Mann wurde zuletzt vor den abgrundtiefen Schlaglöchern in Schaidt gesehen …“

Die Strecke knickt 90° nach links und senkt sich leicht. Der Waldrand bleibt zurück. Nach zwei Minuten trabe ich auf die erste Wende zu. Damals, anlässlich meines ersten Bienwald-Starts, wirkten die Wendemarke mitten auf der Straße – sozusagen im Nichts – und der dahinter postierte Mann mit der Videokamera reichlich improvisiert. Ob der wirklich seinen Arm eine geschlagene Stunde angewinkelt halten und alle Läufer filmen kann? Mag sein. Ganz sicher macht sich aber niemand die Mühe zu prüfen, ob auch wirklich alle Marathonis die vorgeschriebene Wende mitgenommen haben. Und wenn ich schon spekuliere, dann auch noch das: Gibt es tatsächlich Läufer, die ohne das Menetekel drohender Disqualifikation per Videobeweis unerlaubt abkürzen würden? Vielleicht oben am Waldrand eine Notdurft vortäuschen, um sich eine Minute später in Gegenrichtung davonzustehlen? Ich kann mir das einfach nicht vorstellen. Wen, von mir selbst einmal abgesehen, könnte ich damit betrügen? Und vor allem: Wozu? Um in der Altersklasse auf dem Treppchen zu stehen?

Eins, zwei, drei im Wechselschritt, die Fahrbahn holpert, ich holpere mit. Ich überwinde das Asphaltchaos ein zweites Mal und lasse schließlich auch die Rhythmus-Combo hinter mir. Ab und an sprüht es ein wenig aus wolkenverhangenem Himmel. Richtig nass werden davon weder Läufer noch Straße. Sobald die Tropfendichte den Anschein von Regen erweckt, hört es auch schon wieder auf. Nach wie vor ideale Verhältnisse für gute Marathonzeiten. Bin ich egoistisch, weil ich mir stattdessen Sonnenschein aus strahlend blauem Himmel wünsche? Und ein paar Grad Celsius mehr, als kraftvolles Signal des anbrechenden Frühlings?

Ich strebe dem Abzweig zum zweiten Wendepunkt entgegen. Dort stehen, wie schon mehrfach an markanten Punkten, ein paar applaudierende Zuschauer. Kaum scharf rechts abgebogen trabe ich über die bekannten dunkelroten Matten und verursache ein zweifaches „Pfüüüüt!“ Damit liegt der halbe Marathon in etwa 1:52 h hinter mir. Bliebe es bei diesem Tempo, könnte ich die Wunschzeit 3:45 h realisieren. Einmal mehr wäge ich Nutzen und Risiko dieses Tempos ab. Soll ich langsamer laufen, mich schonen? Wenn ich eine Viertelstunde länger brauche, schmälert das die Trainingswirkung kaum. Andererseits hat sich die „innere Wahrnehmung“ seit dem Start nicht verschlechtert. Also erst einmal weiter so. Die fünf Kilometer nach dem Abzweig bis zur zweiten Wende und wieder zurück präsentieren den schönsten Teil des Naturschutzgebietes Bienwald. Bäume und Unterholz sind neben dem sehr schmalen Asphaltband des Forstweges jetzt zum Greifen nah. Im Moment habe ich aber keine Augen dafür, erwarte ich doch die zweite Begegnung mit Dennis. Just hinter einem Verpflegungsstand sehe ich ihn heran eilen. „Schnapps-entschlossen“, als wär’s ein Klarer, kippe ich mir den großen Schluck Iso hinter die Binde und schalte flugs die Kamera ein. Stehen, konzentrieren und … klick! Diesmal scheint die Aufnahme gelungen und befriedigt über den kleinen Erfolg setze ich meinen Weg fort.

Im Zickzack geht es durch den Bienwald auf der Suche nach Wildkatzen und mit Sehnsucht nach Wende 2 im Herzen. Zum besseren Verständnis: Zwischen Zick und Zack liegen jeweils mehrere hundert Meter oder einige Kilometer. Und Wildkatzen soll es hier tatsächlich geben. Aber natürlich werde ich inmitten einer Horde keuchender Läufer nie im Leben eine zu sehen bekommen (außerdem erklären Katzen doch wohl eher nächtens den Bienwald zum Jagdrevier!?).

Vor Wende 2 geht’s zwei Kilometer schnurgeradeaus. Weil sich der Weg auf diesem Abschnitt minimal senkt und kurz vor Wende 2 wieder hebt, verliert sich der Blick in einer schier endlosen Kette hin und her strebender Läufer. Falls du hier, nach immerhin 25 Kilometern, schon schwächelst, vermag dich diese Perspektive durchaus ins mentale Abseits zu kicken.

Ein paar hundert Meter vor Wende 2 überholt mich ein Gespenst … Oder ist das Yeti der Schneemensch? Bekleidungstechnisch vermag mich so leicht nichts aus der Fassung zu bringen, aber was ist denn DAS für ein sonderbarer Aufzug oder besser Anzug? Ein schneeweißes „Catsuit“, das kein Jota Zweifel über die Proportionen seines Trägers mehr zulässt. Dergleichen würde ich eher in einem Sexshop vermuten, als auf einer Laufstrecke. Nutzen Triathleten derlei Trikotagen an kühlen Wettkampftagen? Immerhin entfacht der Anblick meinen Jagdinstinkt und vermehrt die Zahl an Schnappschüssen in meinem Kameraspeicher …

Kilometer 28, 29, 30: Wald, Wald und nochmals Wald. Wieder einmal gehe ich die innere Checkliste durch. Magen: Der scheint jetzt endlich Ruhe zu geben. Der unangenehme Druck ist gewichen, nachdem ich dann doch auf Iso umgestiegen bin. Bein rechts: Das fühlt sich jetzt seltsamerweise besser an als zu Beginn. Dafür zwickt’s in der linken Hüfte. Tatsächlich muss ich einen Impuls der Freude unterdrücken, dass es links zwickt und nicht rechts. In einer derart bizarren Gefühlswelt der Körperwahrnehmung können sich auch nur Läufer zurechtfinden. Kraft: Ich fühle mich stark genug, um das Tempo bis ins Ziel zu tragen. Also bleibt’s bei der Pace 5:20 min/km.

Der Abstecher in Richtung Wende 2 liegt hinter mir. Ich bin wieder zurück auf der Straße, dem zugleich härtesten Stück dieses Marathons. Eine breite, endlos scheinende Fahrbahn vor mir und kaum noch Läufer im Blickfeld. Auch wenn ich den Wald auf beiden Seiten als „Trainings-Deko“ mag: Das ist schon ein wenig eintönig. Noch zehn Kilometer, noch neun, noch acht. Die Lust auf Fotos ist mir vergangen. Erstens gibt’s nix, das eine Aufnahme lohnen würde und zweitens spüre ich nun mit jedem weiteren Kilometer klarer, was ich meinem Körper da zumute. Wie übersteht man eine solche Phase? Natürlich muss noch Kraft verfügbar sein, Brennstoff in den Muskelzellen. Alles andere ist eine Frage des Willens, ob und wie lange man der hässlichen, zuletzt schmerzenden Empfindung von Erschöpfung widerstehen kann. Und wie alles beim Menschen besteht auch Willenstärke aus einem Anteil genetischer Grundausstattung und deren Konditionierung, in diesem Fall durch Lauftraining.

Endlich! Endlich runter von der Straße! Von hinten radelt einer heran und prophezeit im schönsten Pfälzer Dialekt das baldige Ende aller Leiden: „Gleisch no links un dann isses nimme weid!“ Er wiederholt es mehrfach, erst hinter mir, dann für mich und schließlich auch noch ein paar Mal für meine Vorderleute. Also links und bald vorbei an der Tafel mit der „37“. Noch ein Stückchen Bienwald, dann über eine ausladende Wiesenfläche und ein letztes Mal unter Bäumen laufen. Die letzte Verpflegungsstation ignoriere ich, wie immer. Kilometer 39: Der Waldrand bleibt zurück und ich halte auf die ersten Häuser von Kandel zu. Über einen flachen Hügel lugt der Rotor eines großen Windrades. Er bewegt sich nicht; gottlob fast Windstille. Vor den Häusern rechts. Auf zum großen Finale. Die Kraftstoffanzeige meines Motors warnt inzwischen mit hektischem Blinken. Kilometer 40. Wenn ich erst einmal die „40“ gelesen hab, halte ich alles aus. Links Gärten, rechts Ställe, Wiesen. Ein Pferch mit Ziegen. Mann auf Stuhl, großer, brauner Hund davor, unbeweglich in unsere Richtung starrend (Wehe dem Läufer, der sich vor freilaufenden Hunden fürchtet und hier vorbei muss!). Lautsprechergetöse aus Richtung Stadion. Die Straße ist erreicht, rechts ab, Kilometer 41. Schon seit einer Stunde sammele ich Läufer ein. Das ist immer so, wenn man sein Tempo auf dem letzten Streckendrittel hält. Noch einer und dann noch zwei. Die letzte Linkskurve. An der Außenmauer des Stadions entlang, drum herum und hinein. Weiche Tartanbahn, noch 300 Meter. Und dann bin ich im Ziel und werde vom Sprecher als einer von vielen Finishern gewürdigt. Marathon Nummer siebenundsechzig gehört nach drei Stunden, vierundvierzig Minuten und vierzig Sekunden mir.

Veranstaltungsfazit

Wie immer gibt es am Bienwald Marathon nichts zu kritteln. Na ja, vom Wetter mal abgesehen, das ich mir – Egoismus pur – warm und sonnig gewünscht hätte. In Kandel passt alles, wofür zum einen der Veranstalter garantiert. Letztlich sind wir Läufer aber auch selbst Schuld an dem alljährlich wiederkehrenden Erfolg dieses Laufs. Einfach durch die Tatsache unseres zahlreichen Erscheinens.

 

Ergebnis: 3:44:40, Platz 271 von 502, Platz 19 von 53 in M55

 

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