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  Unser  Laufjahr  2020  

Die beste Sportart der Welt!

Wer den Versuch unternimmt das Laufjahr 2020 zusammenzufassen, kommt am alles beherrschenden Thema der Monate März bis Dezember nicht vorbei: Covid-19 ... Das Virus hat die Welt verändert und in ihr bildet der Laufsport keine Ausnahme. Mir dereinst von allen Sportarten die "beste" ausgesucht zu haben, davon war ich schon immer überzeugt. Laufen kann man jederzeit und überall. Weder braucht man dafür Infrastruktur noch aufwändige Ausrüstung. Und "Mitspieler" sind zunächst einmal optional. Corona offenbarte dann einen weiteren Vorzug dieser für einen Menschen ebenso selbstverständlichen wie seiner Natur entsprechenden sportlichen Betätigung: Während den meisten Sportlern infolge langer Schließung der Sportstätten und Kontaktminimierung die Grundlage zur Ausübung ihres geliebten Hobbys entzogen wurde, durften Ines und ich munter weiter unserer Laufleidenschaft in Feld und Wald frönen.

Auf der Ebene Wettkampfsport musste natürlich auch ich mein Verhalten den von der Pandemie diktierten Bedingungen anpassen. Im Klartext bedeutete das: Mein mit dem Neckarufer Marathon in Stuttgart am 1. März eröffneter Saisonaufbau erlitt durch Absage aller weiteren Laufveranstaltungen ein jähes Ende. Die drei Monate März bis Mai stehen in meiner Wettkampfhistorie als (fast kompletter) Totalausfall verzeichnet. Erst wieder Ende Mai stellten sich erste Veranstalter kleinerer Läufe dem Wagnis Laufveranstaltungen unterm Regime eines eigens auszuarbeitenden Hygienekonzepts auszurichten. Kleine Veranstaltungen mit deutlich unter hundert Teilnehmern wurden von den Gesundheitsämtern genehmigt. Die dabei angewandten Hygieneregeln unterschieden sich nicht nur von (Bundes-) Land zu (Bundes-) Land, sondern meist auch von Veranstaltung zu Veranstaltung. Mal war die Ausgabe von "offenen" Getränken bei Selbstbedienung oder "kontaktlosem Einschenken" erlaubt, mal nicht. Auch jede Variante der Abgabe fester Verpflegung konnte man erleben.

Bei Läufen mit spärlicher Teilnehmerzahl handelt es sich meist um Ultraläufe oder Marathons mit hohen Anforderungen hinsichtlich zu überwindender Höhenmeter und/oder Trails. Aus diesem Grund war es mir trotz rigoros ausgedünntem Veranstaltungskalender zwar vergönnt an immerhin 16 offiziellen Läufen teilzunehmen, wovon sich jedoch nur drei auf Marathondistanz beschränkten - einschließlich des bereits erwähnten Marathons vor Beginn der Pandemie.

Hoffnungsvoller Wiederbeginn  -  Ines' Laufjahr

Ines konnte 2019 infolge eines überaus schmerzhaften Morton-Neuroms überhaupt nicht laufen. Nachdem keine der zahlreichen konservativen Therapien anschlug und auch unkonventionelle Heilungsansätze ins Leere liefen, unterzog sich Ines der "Ultima Ratio", der operativen Entfernung des entzündeten Nervenknotens im Fußballen (Anfang Dezember 2019). Erst am 6. März 2020, fast auf den Tag genau drei Monate nach der OP, konnte Ines wieder mit vorsichtigen Laufversuchen beginnen. Erste Trainingseinheit: Über eine Gesamtdauer von 20 Minuten mehrfacher Wechsel zwischen Laufen und Gehen. In der Folgezeit unternahm Ines den Versuch ihren Radius vorsichtig aber stetig zu erweitern.

Ines' Laufjahrstatistik
Gelaufene Kilometer: 633
Trainingstage: 112
Wettkämpfe: 0
Krafttrainingstage: 53
Zeit auf Ergometer: 11:50 h

Die operierte Stelle am Fuß gab sich nach wie vor "beleidigt", schmerzte allerdings in erträglichem Maß, wie das nach brachialem Eingriff und Belastung der Narbe bei jedem Schritt mit vollem Körpergewicht zu erwarten war. Zudem besserten sich die Beschwerden, erweckten zu Beginn des Sommer den Eindruck bald nur noch ungute Erinnerung zu sein.

Leider wurden Ines' Hoffnungen in dieser Hinsicht enttäuscht. Im Herbst verstärkte sich der Schmerz wieder, war vielfach ziemlich lästig. An der Schwelle zum neuen Jahr 2021 wogt die Schlacht in Ines' Fuß noch immer hin und her. Dennoch bleibt ihr die Hoffnung, dass sich dieser zäh-widerwärtige Feind alsbald befrieden lässt ...

Pandemie plus Rekonvaleszenz ließen Ines keinen Raum für Wettkampfteilnahmen. Auch ihr Krafttrainingskonto weist deutliche Defizite auf, da Fitnessstudios lange geschlossen waren und es zur Stunde, auf dem Höhepunkt der zweiten Covid-19-Welle, noch immer sind.

 

Das Beste kommt zum Schluss  -  Udos Laufjahr

Allem Unken und Bangen zum Trotz war es mir auch 2020 vergönnt meine (vor der Pandemie) gesetzten Saisonziele zu verwirklichen!

Angesichts der Liste abgesagter Veranstaltungen und meiner Neigung laufjährlich jeweils mehr als 20 Marathons und Ultras zu absolvieren klingt diese Feststellung gewiss unglaublich. Zum einen blieb mir Fortuna gewogen, weil ausgerechnet meine Saisonhöhepunkte allesamt stattfanden. Außerdem konnte ich an (gerade noch) ausreichend Aufbauwettkämpfen teilnehmen, um jeweils am Tag X mit mindestens befriedigender Ausdauer am Start zu stehen.

Erstes Saisonziel waren die beiden 100 km-Läufe an der Ostsee (Fischland-Darß-Zingst-Ultra) und entlang der Saar (Ultimativer-Saar-Ultra). An der Ostsee durfte ich ein ganz besonderes Jubiläum feiern, meinen 100. Ultralauf. Der ursprünglichen Wettkampfplanung entsprechend hätte ich bereits lange vor der Runde in MeckPomm hinter dieses Ziel einen Haken gesetzt. In dieser Hinsicht bescherte mir Corona einen Höhepunkt im Höhepunkt: Die grandiose vorpommersche Boddenlandschaft samt Ostseeküste rund um Fischland, Darß und Zingst. Es gibt sicher wenige Ultraläufe, bei denen ich das Fest des Hundertsten "stilvoller" hätte feiern können ein ganz besonderes Geschenk!

Bereits frühzeitig in 2019 entschloss ich mich Ende Oktober 2020 in Griechenland die Straße der Unsterblichen (Dromos Athanaton) unter die Ultrafüße zu nehmen. Die härteste Aufgabe des Jahres über 140 Straßenkilometer, 2.200 Meter bergauf und 3.100 Meter bergab. Der Lauf war - meinem ökologischen Gewissen folgend - wie üblich mit einem Urlaub verknüpft. Über den Sommer schien zumindest Letzterer "pandemisch" nie gefährdet. Wie wir alle wissen kam es anders ...

Udos Laufjahrstatistik
Gelaufene Kilometer: 4.015
Km im Schnitt pro Woche: 77,2
Trainingstage: 208
Trainingstage pro Woche: 4,0
Krafttrainingstage: 68
Krafttrainingstage pro Woche: 1,3
Wettkämpfe: 16
- davon Marathon: 3
- davon Ultra: 13

Von Woche zu Woche verdüsterten sich die Wolken über unseren Urlaubsplänen. Und der Dromos Athanaton stand gefühlte 100 mal auf der Kippe. Wie sich zeigen sollte buchstäblich bis zum letzten Tag. Nach endlosem Bangen und Hoffen klappte dann doch noch alles nach Maß. Sportlich so sehr nach Maß, dass ich das Erlebnis Dromos Athanaton in die Spitzengruppe meiner größten Lauferfolge einreihe - auch wenn sich diese Sternstunde infolge fortgeschrittenen Lebensalters und "suboptimaler" Vorbereitung mit mäßigen Leistungswerten tarnt.

Auch das Allzeit-Ziel "4.000 Jahreslaufkilometer" zu erfüllen war mir schlussendlich noch vergönnt. Und das obwohl mich eine Muskelverhärtung in der Wade - vermutlich eine Spätfolge des "Dromos" - etwa anderthalb Wochen am Laufen hinderte. Eine noch größere Gefährdung dieses letzten Jahreszieles ging allerdings von fehlender Lauflust aus, dem mangelnden Antrieb längere Strecken zu absolvieren. Seit dem Dromos Athanaton (31.10/1.11) beträgt meine längste gelaufene Distanz einmalig 21 Kilometer (ansonsten selten weiter als 10 km). Und zu diesem "Halbmarathon" raffte ich mich erst vor ein paar Tagen auf, an Heilig Abend ...

Alles in allem bin ich mit meinem Laufjahr mehr als zufrieden. Das liegt nicht zuletzt an Glanz und Gloria, die ich für meine Verhältnisse und nach langer Durststrecke wieder einmal in Griechenland erfahren durfte. Bis dahin herrschte in mir die Überzeugung vor mich alsbald von Strecken jenseits der 100 Kilometer zurückziehen zu müssen. Seit dem Dromos Athanaton bin ich davon überzeugt noch mindestens eine Handvoll Jahre in dieser Liga mitspielen zu können. Beseelt von dieser Zuversicht, doch ohne konkretes Vorhaben blicke ich voraus nach 2021. Natürlich werde ich mich alsbald zu Läufen anmelden, um nicht durch Fristen oder Teilnehmerbeschränkungen von etwaigen Aufbauwettkämpfen ferngehalten zu werden. Doch den tatsächlichen Saisonverlauf vermag heute noch niemand einzuschätzen. Also "surfe" ich wie alle auf der zweiten Welle einer ungewissen (Läufer-) Zukunft entgegen ...

Das Finale  -  Roxis Laufjahr

Unsere Hündin Roxi wurde im Sommer 13 Jahre alt. Zwar legt sie bei Trainingsläufen eine "gewisse Unlust" an den Tag, beweist jedoch bis heute, dass sie in der Lage ist weit zu laufen. Umso freudiger dann, wenn sie am Start eines Marathons steht. In der Wettkampfsituation merkt man ihr das fortgeschrittene Hundelebensalter kaum an. Dennoch beschlossen Ines und ich, dass 2020 das Jahr ihres letzten Laufes über Marathondistanz oder weiter sein sollte, um sie keinen Überlastungsrisiken auszusetzen.

Was lag näher als dafür jenen Marathon auszusuchen, den Roxi und ich insgesamt neunmal gemeinsam und mit viel Freude erfolgreich abschlossen, den Sommeralm Marathon, ausgerichtet von meinem Freund Hannes Kranixfeld, alias Kraxi und seiner Frau Barbara. Ein Bergmarathon in der schönen Steiermark, der 2020 vermutlich zum letzten Male veranstaltet wurde.

Roxi läuft auf kürzeren Strecken immer noch an Ines' und meiner Seite. Dennoch ging mit dem Sommeralm Marathon 2020 für mich ein erfüllter Lebensabschnitt unwiderruflich zu Ende: Marathon und weiter mit Roxi. Einen Nachruf werde ich sicher noch einige Jahre nicht schreiben müssen, sehe mich aber schon an dieser Stelle gedrängt jenen Satz zu wiederholen, den ich ach so oft von Roxi begleitet dachte: Was für ein wundervoller Hund, was für eine tolle Laufgefährtin!

Roxis Wettkämpfe

2020: Sommeralm Marathon

Marathons insgesamt seit 2010: 15

Ultraläufe insgesamt seit 2010: 12

Längste Wettkampfstrecke: Elm Super Trail, 72 km